Sport
11.10.2018

Tennisveranstalter Reichel: "Europa ist schwer unter Druck"

Peter-Michael Reichel spricht über finanzstarke Asiaten, sein Turnier, Talente und Fußball.

Seit 27 Jahren heißt die Devise in Österreich: „Wo Reichel draufsteht, ist Damen-Tennis drin.“ Peter-Michael Reichel rief 1991 das Linzer Turnier ins Leben und zieht obendrein bei der Spielerinnen-Gemeinschaft WTA als Europavertreter im Verwaltungsrat die Fäden. Seine Karriere im Fußball, er war lange LASK-Präsident, hat Reichel, der am 19. Oktober 66 wird, beendet. Zu viel hat der Oberösterreicher im Tennissport noch vor.

KURIER: Seit 1991 veranstalten Sie das Turnier. Wie kann das gelingen? Und dürfen wir uns auf eine 29. Auflage im nächsten Jahr freuen?

Peter-Michael Reichel: Die Arbeit für das Turnier im nächsten Jahr beginnt schon während des Turniers. Ja, es wird uns nächstes Jahr geben. Ich bin sehr glücklich, dass wir Land und Stadt im Rücken haben, die nach dem Ausstieg des Hauptsponsors noch mehr Gelder lukrieren. Aber es bedarf jedes Jahr vieler Gespräche.

Was waren die schönsten Momente in den 28 Jahren?

Aus sportlicher Sicht, das Kommen 2006 von Maria Scharapowa, die dann auch das Turnier gewonnen hat. Aus wirtschaftlicher Sicht, dass wir in den 1990er Jahren drei Großsponsoren auf einmal bekommen haben. Von der Location her, waren die drei Jahre im Design-Center, wohin wir drei Jahre ausweichen mussten, die schönsten. Besonders stolz sind wir aber, dass unser Turnier als einziges Damen-Turnier weltweit neben den Grand-Slam-Turnieren im Free-TV auf Eurosport zu sehen ist, das Linzer Turnier wird in 115 Ländern ausgestrahlt.

2001 haben Sie das Zepter aber an Tochter Sandra in Linz abgegeben ...

Bei den Aufsichtsratssitzungen sitze ich gemeinsam mit Sandra zusammen, sie ist die Vorsitzende. Meine Aufgabe beschränkt sich auf Gespräche mit Stadt und Land.

Spüren Sie eine gewisse Dankbarkeit für das, was Sie dem Tennissport geben wollten?

Ich verstehe nicht, dass der Tennissport in Österreich nie den Stellenwert bekommt, den er sich verdient und den er weltweit hat. Bei uns gibt es eine Überbewertung des Fußballs, dazu gibt es in vier Monaten einen Schwerpunkt Ski. Tennis ist aber ein Ganzjahressport.

Hilft Ihnen bei der Turnierplanung, dass Sie bei der WTA Europavertreter sind?

Europa ist gegenüber dem asiatischen Markt schwer unter Druck. Die drucken anscheinend das Geld, unglaublich, was dort für Gelder lukriert werden. Dennoch ist es uns gelungen, ein besseres Starterfeld zu bekommen, als die gleichzeitig in Asien stattfindenden Turniere. Wir haben eine enorme Dichte an hervorragenden Spielerinnen in Linz.

Aber auf zugkräftige Lokalmatadorinnen warten Sie seit Jahren vergeblich, seit 2013 gewann keine Österreicherinnen ein Match in Linz. Können Sie dem entgegenwirken?

Das neue Wild-Card-Turnier für junge Österreicherinnen war unser Beitrag, die 16-jährige Österreicherin Mavie Österreicher, die es gewann, hat gute Anlagen. Aber die Arbeit muss schon bei den Jüngsten beginnen. Der Schritt, die Südstadt als Zentrum zu installieren und aus Linz wegzugehen ist richtig, Günter Bresnik hat das das nötige Know-How.

Ab 2019 sind Sie Veranstalter des Herren-Turniers in Hamburg. Was sind dort Ihre Ziele?

Wir sind stolz, dass wir uns bei der Ausschreibung gegen drei deutsche Bewerber durchsetzen konnten. Wir wollen ein Riesen-Turnier ausrichten, irgendwann sollen Herren und Damen dort spielen. Für 2019 wünsche ich mir, dass Alexander Zverev zurückkommt, immerhin ist er ein Hamburger Jung’. Natürlich wünsche ich mir ein Antreten von Dominic Thiem. Als Duell Deutschland gegen Österreich, das es nicht nur im Tennis gibt.

Sie waren lange LASK-Präsident. Verfolgen Sie noch Spiele des Klubs und den Fußball generell?

Natürlich. Es freut mich, dass der Klub wieder so erfolgreich ist. Aber die Jahre dazwischen hätte man sich ersparen können, da wurde von einigen Leuten viel zerstört. Ich verstehe auch nicht, dass bei Rapid mit diesen Möglichkeiten so wenig herauskommt. In manchen Runden stellen sie 60 Prozent der Zuschauer einer Runde. Ich verfolge auch die Matches in der Schweiz, wo Adi Hütter mit Young Boys Bern gezeigt hat, dass man auch die Platzhirschen besiegen kann.