Doppelte Freude für die Österreicher in Wimbledon, doch es herrscht Sorge
Der Niederösterreicher Lucas Miedler und der Wiener Neil Oberleitner stehen mit ihren Partnern beim Tennis-Grand-Slam von Wimbledon jeweils im Achtelfinale. Das als Nummer 11 gesetzte Duo Miedler/Francisco Cabral besiegte am Freitag die peruanisch-argentinische Paarung Ignacio Buse/Marco Trungelliti 4:6, 6:4, 6:1. Später besiegte Oberleitner mit seinem tschechischen Partner Petr Nouza die Niederländer Tallon Griekspoor/Botic van de Zandschulp 6:1, 6:2.
Der Wiener, der sich erst seit Jahresbeginn ganz auf das Doppel konzentriert, und Nouza treffen nun auf die als Nummer 3 gesetzten Briten und Titelverteidiger Julian Cash/Lloyd Glasspool, Cabral/Miedler auf die ebenfalls starken Deutschen Kevin Krawietz/Tim Pütz (Nr. 7).
Doch in der Doppelszene beherrschen dunkle Gewitterwolken die Stimmung: Radikale Pläne der ATP sorgen für große Aufregung. Ab 2028 will man die Spielfelder im Doppel drastisch reduzieren (Masters-1000 nur noch 16 statt 32 Teams, 500-250-Level nur noch 8). Zudem sollen Single-Spieler bevorzugten Zugang bei Challengern erhalten und der Preisgeld-Split bei Turnieren soll von 80:20 auf 90:10 zu Ungunsten des Doppels aufgeteilt werden. Laut einer Information von Seiten der Doppelspieler wollen alle vier Grand-Slam-Turniere das Doppel so aufrechterhalten, wie es aktuell ist.
„Es ist eine sehr geldgetriebene Welt“
Der Weltranglistenerste Harri Heliovaara zeigte sich schockiert. „Traurig, dass die Dinge diesen falschen Weg gehen. Es ist eine sehr geldgetriebene Welt.“ Sämtliche Tennis-Asse teilten auf ihren sozialen Kanälen ein Statement mit der Hauptbotschaft zur Aufforderung zum konstruktiven Dialog. In einem längeren Schreiben stand u.a. zu lesen: „Doppel ist keine Faschings-Nebenshow. Das ist keine kleine Anpassung. Es ist der Plan, das Doppel als legitimen Beruf zu beenden - verkleidet als eine Einsparungsmaßnahme.“ Neben vielen weiteren Argumenten, auch jenem, dass der Tennissport eigentlich boomt, wird auch festgehalten, dass weltweit 70 Prozent der Freizeitsportler Doppel spielen.
Miedler, der aktuell im Ranking auf Platz 24 liegt, bemängelte die Kommunikation der ATP, die ja eigentlich die Spielervertretung ist. „Was man kritisieren muss, ist die Kommunikation. Natürlich entstehen mehr Kosten, wenn mehr Leute da sind, aber es ist auch ein Profit da. Ich vergleiche es mit einem Konzert. Natürlich kommen zu einer Vorband nicht so viele Leute wie zum Mainact, natürlich ist das Einzel der Mainact. Aber das Doppel ist Teil des Events.“
Die ATP stehe von den Zahlen her ja nicht schlecht da. „Ist es wirklich notwendig, ist die Frage. Ab einem gewissen Punkt brauchst du auch Doppel, sonst hast du keine Matches mehr“, so Miedler. Selbst sein Mixed, das er mit der Chinesin Guo Hanyu verloren hat, sei vor voller Kulisse gespielt worden.
Erler vor Rückkehr, aber noch ohne Miedler
Miedler verriet auch, dass sein zuletzt verletzter Doppelpartner Alexander Erler demnächst, voraussichtlich in Umag, mit Nikola Mektic zurückkehren möchte. Miedler selbst hat sich über den Sommer vorerst die Dienste des Australiers Marc Polmans gesichert.
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