Tennis: Western & Southern Open

Novak Djokovic musste zwischenzeitlich behandelt werden, gewann aber trotzdem. 

© USA TODAY Sports / Robert Deutsch

Sport Tennis
08/29/2020

Djokovic sorgt für Ärger, möchte neue Spielervereinigung formen

Der Serbe siegte in New York und trat als Präsident des Spielerrats der ATP zurück, zwei Spieler folgten seinem Beispiel.

Hinter den Kulissen der ATP, der Spielerorganisation der Tennis-Herren, brodelt es wieder einmal: Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic (er gewann am Samstag das Finale in New York gegen Milos Raonic  1:6, 6:3, 6:4) möchte eine neue Spielervereinigung formen und hat deshalb sein Amt als Präsident des Spielerrats der ATP zurückgelegt. Die ebenfalls im Council vertretenen Vasek Pospisil (CAN) und John Isner (USA) folgten dem Beispiel des Serben.

Heißen soll die neue Vereinigung "Professional Tennis Players Association" (PTPA). Laut einem Bericht der New York Times wurde den Spielern ein Dokument mit Plänen überreicht und man möchte Unterschriften dafür sammeln. "Das Ziel der PTPA ist es nicht, die ATP zu ersetzen, aber die Spieler mit einer selbst-regierenden Struktur, unabhängig von der ATP, zu versehen und direkter Ansprechpartner der Spieler zu sein", heißt es laut der New York Times in dem Dokument.

Straka: "Nicht sinnvoll"

Bei der ATP ist man darüber wenig erfreut wie auch Thiem-Manager Herwig Straka, der selbst im ATP-Board sitzt, am Samstag der APA erklärte. "Wir sind überzeugt, dass es nicht sinnvoll sind, so etwas zu machen, weil die Spieler in der ATP so repräsentiert sind durch die Struktur wie in keiner anderen Sportart irgendein Sportler", meinte Straka. "Wenn du bei einem Team angestellt bist, kannst du zwar streiken und eine Gewerkschaft gründen, aber hast sonst keine Rechte. Bei der ATP sind die Spieler zu 50 Prozent Teil der Organisation, tragen alle Entscheidungen zu 50 Prozent mit, insofern ist es nicht ganz verständlich", ergänzte der 54-jährige Steirer.

Die Gründe für diesen Wunsch kennt Straka nicht. Mit seinem Schützling hat er aber diesbezüglich Kontakt gehabt. "Ich habe mit Dominic gestern Kontakt gehabt und wir haben über die Situation gesprochen. Das ist seine Entscheidung. Ich habe ihm nur ganz neutral erklärt, dass ich es nicht verstehen würde, wenn man so eine gute Position aufgibt."

Raonic: "Wir waren von vielen Dingen enttäuscht"

Laut Straka seien sich auch die Spieler untereinander nicht einig. New-York-Finalist Milos Raonic stand im Gegensatz zu Djokovic der Presse Rede und Antwort. "Die Spieler haben sehr viel Zeit gehabt, zu reflektieren und sich gewisse Dinge anzusehen", sagte der Kanadier. "Viele von uns wurden sechs Monate im Dunkeln gelassen von unserer Führung. Wir waren von vielen Dingen enttäuscht."

Straka kann das nur teilweise nachvollziehen. "Wir arbeiten gerade am Plan für die Zukunft, der ironischerweise die Spieler noch besserstellt, als sie schon sind." Straka gab aber zu, dass man das hätte etwas besser kommunizieren können.

Pospisil hat auf Twitter die Begründung geliefert. "Es ist klar geworden, dass es als Mitglied des Player Councils in der aktuellen Struktur der ATP sehr schwierig, wenn nicht unmöglich ist, irgendeinen signifikanten Einfluss auf große Entscheidungen unserer Tour zu haben."

Für die zurückgetretenen Spieler müssen nun per Statuten neue Spieler in den Players Council. Ob Thiem eine Kandidat dafür wäre? "Nein, das glaube ich nicht. Mit Jürgen (Melzer, Anm.) ist ja schon ein Österreicher drinnen."

Djoker schwänzte die Pressekonferenz

Das sportliche Kräftemessen geriet ob der Neuigkeiten in den Hintergrund, dabei hatten sich Djokovic und der Spanier Roberto Bautista Agut einen tollen Fight geliefert. Der Weltranglisten-Erste musste sich während des Spiels am angeschlagenen Nacken behandeln lassen, darüber hatte er schon zuvor geklagt. Dennoch setzte sich der "Djoker" nach exakt drei Stunden mit 4:6,6:4,7:6(0) durch.

Es war schon der 22. Sieg en suite in diesem Jahr für Australian-Open-Sieger Djokovic. Hinter seinem Gesundheitszustand steht aber dennoch ein gewisses Fragezeichen. Ob er die eigentlich verpflichtende Pressekonferenz deswegen oder doch wegen der sportpolitischen Fragen schwänzte, blieb vorerst offen.

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