2,8 Millionen Euro Preisgeld - warum die Tennis-Stars noch mehr wollen
Die Nummer 1 der Welt: Die Belarussin Aryna Sabalenka drohte sogar mit einem Boykott der French Open.
Wenn Sportler für Triumphe 2,8 Millionen Euro verdienen, muss man nicht zwingend Mitleid schöpfen. Das verdienen der Sieger und die Siegerin bei den French Open, wo am 24. Mai der Hauptbewerb startet.
Zu wenig? Geht es nach einigen Spitzenspielern, könnte es doch ein bisserl mehr im Körberl sein, vor allem jetzt in Paris. Spitzenspieler wie Jannik Sinner, Aryna Sabalenka, die sogar mit einem Boykott drohte, und Coco Gauff brachten ihre „tiefe Enttäuschung“ über das Preisgeld bei den French Open zum Ausdruck.
Gemeinsamer Protest bei der Pressekonferenz
Um das zu untermauern, planen sie bei der Auftakt-Pressekonferenz am Donnerstag eine gemeinsame Aktion: Nach 15 Minuten werden mehrere Stars akkordiert den Raum in Roland Garros verlassen, wie der Guardian vorab erfahren hat.
Die Begründung der Stars: Während die French Open 2025 einen Gesamterlös von 395 Millionen Euro erwirtschaftet haben, was ein 14-prozentiger Anstieg sei, sei das Preisgeld in diesem Zeitraum nur um 5,4 Prozent gestiegen. Kurz: Die Stars wollen etwas mehr vom Kuchen, wollen zumindest 22 Prozent der Einnahmen, bisher bewegte sich das Preisgeld zwischen 12 und 16 Prozent.
Die Veranstalter kontern. So habe sich das Preisgeld in Roland Garros seit 2019 um rund 45 Prozent erhöht. Zudem seien kürzlich „mehr als 400 Millionen Euro“ in die Infrastruktur der Pariser Anlage gesteckt worden.
„Besser im Nehmen“
Günter Bresnik stärkt den Stars nicht den Rücken. „Das sind Turniere, die über Jahrzehnte ausgebaut wurden, die den Spielern erst die Möglichkeit gegeben haben, sich zu präsentieren“, sagt Österreichs Toptrainer. „Wenn sie schon wollen, dass sie mehr als 20 Prozent von dem Gewinn bekommen, dann sollen sie auch mehr als 20 Prozent an die Umgebung abgeben. Beim Nehmen sind sie weitaus besser als beim Geben.“ Und noch einen sehr wesentlichen Aspekt ortet der ehemalige Trainer von Boris Becker oder Dominic Thiem. „Wenn sie an den Gewinnen beteiligt sein wollen, sollen sie sich auch an den Verlusten bei Turnieren beteiligen.“
Österreichs Topmann Sebastian Ofner, der immerhin schon im Achtelfinale der French Open stand, versteht die Aufregung, sagt aber: „Es geht auch den Spitzenspielern vor allem um die kleinen Spieler, auch um die Qualifikanten, die mit guten Preisgeldern wieder langfristig planen können“, sagt der Steirer.
Diesen Ansatz sieht auch Jürgen Melzer, Sportdirektor des Österreichischen Tennisverbandes (ÖTV) und als ehemaliger Weltklassespieler selbst jahrelang im „Player Council“. „Die Diskussionen gibt es schon lange. Ich verstehe, dass sich die Spieler auf die Beine stellen, das ist keineswegs absurd, dass sie mehr vom großen Kuchen wollen. Die große Frage ist, wo das Geld hingeht, weil die Topspieler gut verdienen. Das Geld müsste mehr unten rein verteilt werden, diese Message müsste man besser rüberbringen.“
Man würde zwar immer sagen, kein Spieler sei größer als das Tennis, „aber ohne Spieler würde es kein Turnier geben. Was mir nicht taugt, ist das Boykottieren.“ Für die ehemalige Nummer acht würden die Grand Slams aber „verdammt viel Geld verdienen und da gehören die Spieler dazu“.
Befürworter der Erhöhung des Preisgeldes geben als Begründung vor allem den US-Sport an. So sind Profis der NFL (Football) zu 48 Prozent, die der NBA (Basketball) zu 50 Prozent am Umsatz der Klubs beteiligt. Von diesen Vergleichen hält Melzer aber nichts. „Das kann man mit Teamsport vergleichen, da sind die Deals auch bei den Teams.“ Das heißt, Tennisprofis können sich selbst vermarkten und Gelder lukrieren.
Auch für Ex-Profi und Turnierveranstalter Alexander Antonitsch (Generali Open in Kitzbühel seit 2011) werden da Äpfel mit Birnen verglichen. „NBA und NFL sind Franchises und die Spieler sind Angestellte“, sagt Antonitsch. „Im Tennis sind ja alle Selbstständige und wollen gar nicht von der ATP etc. angestellt werden“, sagt Antonitsch, der einen anderen Vorschlag macht:
Geld für die Kleinen
„Mehr Sinn würde es machen, wenn sich die Grand Slams an der Finanzierung kleinerer Turniere beteiligen würden.“ Nachsatz: „Nicht nur im eigenen Land.“ Vor allem kleinere Turniere, wie Challenger und ITF-Turniere könnten profitieren. „Die Challenger sind mittlerweile sehr stark besetzt. Aber selbst, wenn man weit kommt, bleibt, abgesehen von den wenigen Punkten, auch finanziell kaum etwas übrig“, bekräftigt Sebastian Ofner noch einmal.
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