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Sport
04/07/2019

Tennis: Die sechs Sternstunden des Horst Skoff

Der Marathon-Sieg des Kärntners am 7. April 1989 gegen den Weltklassemann Mats Wilander ging in die Geschichte ein.

von Harald Ottawa

Völlig enthusiastisch die Fans, völlig ausgepumpt der Publikumsliebling. Der 7. April 1989 ist bei älteren Tennis-Freunden ewig in Erinnerung, den jüngeren wurde viel darüber erzählt.

Nach einem Sechs-Stunden-Marathon ließ sich Horst Skoff in den Sand fallen und von den Fans im Wiener Dusika-Stadion feiern. Danach durfte er ihnen erzählen: „Das war ein super Match. Ein Traum ist wahr geworden.“ Kurz zuvor hatte er im Daviscup-Duell mit Schweden auf 1:1 gestellt. Und das nicht gegen irgendeinen Herrn aus dem Land der Gäste.

Held im Dusika

Mats Wilander war der überragende Spieler der Saison 1988, in der der heutige Eurosport-Kommentator drei Grand-Slam-Turniere gewinnen konnte. Er war zum Zeitpunkt des Weltgruppen-Viertelfinales die Nummer zwei der Welt. Österreichs Jungstar, der Kärntner war damals 20, und der favorisierte Schwede lieferten sich ein Spektakel, welches erst mit dem verwandelten Matchball zum 6:7-7:6-1:6-6:4-9:7-Erfolg beendet wurde.

Mit einer Spielzeit von 6:04-Stunden war es zu diesem Zeitpunkt das bislang längste Daviscup-Match nach Einführung der Tiebreak-Regelung. Übertroffen nur noch selten. Ein vorläufiger Höhepunkt eines in diesem Ausmaß noch nie da gewesenen Tennis-Booms.

Österreich stand zum ersten Mal in einem Weltgruppen-Viertelfinale. Im Jahr zuvor war die ÖTV-Truppe mit den Musketieren Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander Antonitsch nach einem 5:0-Sieg in Zell am See über Großbritannien erstmals aufgestiegen. „Es war ein ganz kleines Stadion, die Leute saßen auf Holzbänken“, erinnert sich Muster. „Damals spielten wir eher vor Verwandten“, blickt Antonitsch zurück: „Gegen Australien im Februar danach war das Publikum erstmals richtig euphorisch.“

Mit 5:0 wurde (auch im Dusika-Stadion) im Februar 1989 die nächste Großmacht abserviert. Sternstunden des rot-weiß-roten Daviscups nahmen ihren Anfang.

Gegen Schweden selbst verlor man. Der Umstand, auf Muster verzichten (eine Woche zuvor hatte es den Unfall in Key Biscayne gegeben) zu müssen, spielte mit, viel mehr noch die Überform vom begnadeten Serve-und-Volleyspieler Stefan Edberg. Die damalige Nummer drei der Welt schlug Skoff und Antonitsch. Dazu gewann er mit Anders Jarryd das Doppel. Da half es nichts, dass Antonitsch am letzten Tag den Dead Rubber (ein unbedeutendes Einzel) gegen Wilander gewann.

Tragischer Held

Ein Jahr später sollte es aber reichen für das erste (und bislang letzte) Semifinale in der Weltgruppe. Legendär war Musters Sieg gegen Agassi, Skoff wurde bei der Niederlage gegen Michael Chang im entscheidenden Einzel zum tragischen Helden gegen die USA. Vor 17.000 Fans im Prater Stadion führte er 2:1 in Sätzen, ehe er in der am Montag fortgesetzten Partie unterlag. Auch gegen Deutschland war Thomas Muster 1994 mit zwei Siegen der Held, Skoff nach zwei Niederlagen wieder der Schattenmann.

Unberechtigt, wie Antonitsch befindet: „Skoff war mitverantwortlich am Daviscup-Wunder. Ohne ihn wären wir niemals dorthin gekommen, wo wir damals waren.“ Sein Ex-Trainer Günter Bresnik sagt über ihn: „Er war eine schillernde Figur, die jeder Sportart guttut.“

Skoff war bis zu seinem letzten Tag damit beschäftigt, seinem Sport Impulse zu geben. Zur Versöhnung mit seinem Rivalen Muster kam es aber nicht mehr. Am 7. Juni 2008 starb Skoff unter nie geklärten Umständen in Hamburg. Mit nur 39. Ein Schock für den Tennissport. Was bleibt, formuliert Antonitsch: „Horsti hat gelebt, wie man nur leben kann.“

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