Superbowl LX: Viele Duelle, ein bisschen Guns N’ Roses, aber kein Trump
Drake Maye und Sam Darnold
In der Nacht auf Montag, wenn bei den Olympischen Spielen alles ruht, blickt die Sportwelt nach Santa Clara südlich von San Francisco. Im Levi’s Stadium, dort, wo auch Österreichs Fußballer im Sommer bei der WM gegen Jordanien spielen werden, steigt Superbowl LX. Ins Stadion passen 70.000 Fans, vor den TV-Geräten werden wieder um die 180 Millionen Zuschauer weltweit erwartet, wenn die Seattle Seahawks auf die New England Patriots treffen (0.30/live auf RTL).
Während sich die Patriots mit ihrem insgesamt siebenten Superbowl-Sieg zum alleinigen Rekordchampion küren wollen, jagen die Seahawks ihren zweiten Titel. „Ich glaube, dass die Seahawks gewinnen werden, weil sie insgesamt das bessere Team haben“, sagt Österreichs NFL-Export Bernhard Raimann, „da steckt einfach ein bissl mehr Starpower dahinter.“
Der Wiener hat mit den Indianapolis Colts die Play-offs nach gutem Saisonstart verpasst. Er selbst hat sich am Ellbogen verletzt, eine OP bleibt ihm erspart, das Saisonende sein „frustrierend“ gewesen. Den Superbowl schaut er gemeinsam mit Freunden und gönnt sich dazu Burger und Chicken Wings. AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck erwartet keinen Durchmarsch der Seahawks. „Die Patriots sind ein eingeschworener Haufen.“
Bernhard Raimann
Nicht im Stadion sein wird US-Präsident Donald Trump. Auch weil ihm die Showacts rund ums Finale nicht zusagen. Vor dem Spiel wird die Rockband Green Day auftreten – keine Trump-Fans. Genauso wenig wie Bad Bunny, der die Halbzeitshow bestreiten wird. Der aus Puerto Rico stammende Künstler hat sich schon mehrfach gegen die Einwanderungsbehörde ICE geäußert. „Ich halte es für eine schreckliche Wahl“, sagte Trump. Der NFL war das egal.
Die wichtigsten Duelle:
Die Quarterbacks
Sam Darnold (Seahawks): Einst als große Zukunftshoffnung von den NY Jets in die Liga geholt, galt die Karriere des mittlerweile 28-Jährigen schon beinahe als gescheitert. Die Erfahrung spricht ganz klar für ihn. Im Superbowl war er schon einmal – allerdings nur als Ersatzmann mit den San Francisco 49ers vor zwei Jahren. „Er ist ein widerstandsfähiger Typ, ein Gewinner“, sagt sein Coach Mike Macdonald über ihn.
Drake Maye (Patriots): Mit 23 Jahren hat er die Patriots in seinem erst zweiten NFL-Jahr bereits in den Superbowl geführt. In New England werden bereits erste Vergleiche mit Superstar Tom Brady gemacht. „Bleibt locker“, antwortet der Youngster auf Brady angesprochen. Er weiß genau: Noch hat er nichts erreicht, Brady ist nicht nur Patriots-Legende, sondern mit insgesamt sieben Titeln auch der erfolgreichste Footballer der Geschichte.
Die Chancen
Favorit: Den Grunddurchgang haben beide Teams mit 14 Siegen und drei Niederlagen beendet. Dennoch gilt Seattle als Favorit. In den meisten Statistiken haben sie gegenüber den Patriots die Nase vorn. Vor allem die Defense gilt als klar stärker als jene des Kontrahenten. Quarterback Sam Darnold ist nicht fehlerfrei, aber gut. Seine wichtigsten Passempfänger sind Jaxon Smith-Njigba und Routinier Cooper Kupp.
Underdog: Die Außenseiterrolle stört Coach Mike Vrabel (Bild) nicht: „Die meisten Menschen sind eher Außenseiter als Favoriten.“ Er hat sein Team binnen einer Saison zu einer Sieger-Truppe geformt, hat als Spieler selbst drei Titel mit New England geholt. Die größte Stärke der Patriots ist der Teamgeist.
Der Marktwert & die Besitzer
Seattle: Rund 6,6 Milliarden Dollar sind die Seahawks aktuell wert. Die Franchise kam 1976 in die NFL, wurde 1997 von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen gekauft. Nach seinem Tod 2018 sind die Besitzrechte an den Paul G. Allen Trust übergegangen, dessen Vorsitzende Allens Schwester Jody (Bild) ist.
New England: Rund 8,7 Milliarden Dollar sind die Patriots derzeit wert. In der Rangliste der 32 NFL-Teams stehen damit nur die Dallas Cowboys (12,8 Mrd.), die Los Angeles Rams (10,4 Mrd.) und die New York Giants (10,2 Mrd.) vor dem Team aus Foxborough nahe Boston, Massachusetts. Eigentümer ist der Unternehmer Robert Kraft. Gegründet wurde das Team als Boston Patriots, die New England Patriots gibt es seit 1971.
Die Geschichte
Sehnsucht: Ihren bisher einzigen Superbowl-Sieg feierten die Seattle Seahawks 2014. Damals mit Russell Wilson als Quarterback und der legendären Legion of Boom - einer bärenstarken Defense. Auch jetzt gilt die Verteidigung wieder als Aushängeschild. Bei der bislang letzten Superbowl-Teilnahme verloren die Seahawks vor elf Jahren ausgerechnet gegen die Patriots.
Rekordchampion: Mit sechs Superbowl-Siegen sind die New England Patriots Rekordchampion in der NFL (gemeinsam mit den Pittsburgh Steelers). Alle sechs Titel gelangen unter der Regie von Quarterback Tom Brady, der letzte 2019. Für viele ist es überraschend, dass es die Patriots so knapp nach der Brady-Ära schon wieder in den Superbowl geschafft haben.
Die Edelfans
Seahawks: Guns N’ Roses-Bassist Duff McKagan (Bild) ist ein echter Seattle-Rocker, Schauspieler und Comedy-Star Will Ferell ist ein echter Seahawks-Fan und oft an der Seitenlinie zu sehen. Auch Rapper Macklemore ist Seahawks-Fan.
Patriots: Rockstar Jon Bon Jovi (Bild) ist genauso ein glühender Patriots-Fan wie Schauspieler Mark Wahlberg. Als beinahe unzertrennliches Power-Duo treiben die befreundeten Hollywood-Stars Matt Damon und Ben Affleck den Star-Faktor auf der Patriots-Fan-Tribüne in die Höhe.
Kommentare