Mikaela Shiffrin zitierte Mandela – und kassierte Hass
Mikaela Shiffrin: Vorzeigesportlerin mit großer Kristallkugel.
Auch Österreichs Jahrhundertsportlerin Annemarie Moser-Pröll, die soeben als topfitte Genussskiläuferin und ehrgeizige Tennisspielerin ihren 73ten feierte, verneigt sich vor den Rekorden der „Verräterin“.
„Verräterin“, „wertloses Stück Sch...!“ Mit solchen Ausdrücken wurde Mikaela Shiffrin, die ebenso wie einst die Annemarie sechs Mal den Gesamtweltcup gewann, im Netz bedacht. Nur weil Shiffrin gewagt hatte, in Anspielung auf die US-Politik Nelson Mandela zu zitieren: „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Konflikten. Frieden ist, eine Umgebung zu schaffen, in der wir uns entwickeln können, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Klasse oder anderen Unterschieden.“
Es war zu Zeiten, als Shiffrin in Colorado ihre ersten Skier bekam und Wladimir Putins Töchter in Österreich gern gesehene Skigäste waren, als der damalige Erfolgscoach Hans Pum Rennläufern riet, sich während ihrer Karriere nicht öffentlich zur Politik zu äußern. Weil sie andernfalls 50 Prozent der Leut’ gegen sich hätten.
Erinnerungen an österreichische Ski-Legenden wie Götschl und Maier
In der goldenen ÖSV-Ära, geprägt von Renate Götschl bis Hermann Maier, ist Politik vor Mikrofonen nie Thema gewesen. Selbst dann, als wegen der Regierung Schüssel über Österreich Sanktionen verhängt wurden. Und ein (angesehener) Schriftsteller in Briefen an Redaktionen den Ausschluss aller Österreicher von internationalen Ski-Rennen verlangte.
Vermutlich sprach sich der Inhalt des Briefes nie bis in die Berge herum. Zumal Social Media wie auch Shiffrin noch in den Kinderschuhen steckte.
Tatsache war, dass wegen Schwarz-Blau „nur“ über rot-weiß-rote Nachwuchsathleten aus weniger beachteten Sparten im Ausland Startverbot verhängt wurde, ganze Sportgruppen von Austauschprogrammen ausgeladen wurden.
Längst gelten andere Maßstäbe. So soll der ehemalige (republikanische) US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger 2023 vor seinem 100. Geburtstag gesagt haben, dass man mit den heutigen moralischen Ansprüchen des Westens die halbe Welt sanktionieren müsste.
Donald Trump und sein Friedenspreis
„USA first“ ließe sich aktuell hinzufügen. Oder zumindest fragen, wie die Fußball-WM auf dem Boden einer kriegführenden Nation ohne Wenn und Aber zu rechtfertigen ist. Vermutlich, weil Donald Trump mit der FIFA-Friedenstrophäe behübscht wurde und dessen Verehrer und FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der WM mit 14 Milliarden Dollar Umsatz rechnen darf.
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