Sport 05.12.2011

Segeln um Olympia-Tickets

Im australischen Hochsommer geht es um einen Großteil der Olympia-Tickets für 2012.

Fremantle, der südliche Hafen der westaustralischen Metropole Perth. Hier kennt man keinen Schnee. Auch hat es nie null Grad. Schneeweiß sind die Strände. Der ruppige Wind, der über den Swan River bläst, heißt Fremantle Doctor. Auch im Hochsommer-Monat Dezember ist er mitunter kühl.

Genau dieser Herr Doktor ordiniert ab Montag. ISAF World Games – das wichtigste Event in den olympischen Segel-Klassen seit Peking 2008: Für die Antipoden aus dem Binnenrevier Österreich geht es jetzt wieder um Olympia. Dreiviertel aller Tickets nach Weymouth in allen zehn Klassen werden dort gedruckt. 800 Segler aus knapp 100 Ländern rittern darum.

Die Chancen der zwölf Alpen- und Pusta-Segler: Nico Delle Karth, der mit Niko Resch die Spitze der Weltrangliste in der spektakulären 49er-Klasse bildet, erholt sich noch von einem Seitenbandriss und kämpft gegen Trainingsrückstand.

Doch auch die zweite Crew mit Thomas Zajac und Thomas Czajka ist in Hochform, könnte notfalls das Österreich-Ticket sichern. 49er-Superstar und Olympiasieger Iker Martinez hat seine Yacht Telefonica eben erst zum Sieg auf der ersten Etappe des Volvo Ocean Race geführt und kommt den Österreichern nicht mehr in die Quere.


Finn-Segler Florian Raudaschl – Sohn der Segel-Legende Hubert – gilt als Leichtwind-Segler, rechnet aber mit einer echten Rosskur des Fremantle Doctors. Mindestens Platz 18 müsste er schaffen; 12 und 17 erreichte er in den ersten Wettfahrten.

Jugend-Olympiasiegerin Lara Vadlau sitzt erst seit einem halben Jahr mit Eva Maria Schimak im 470er und ist daher Außenseiterin. Die beiden für YC Breitenbrunn segelnden Wiener Matthias Schmid und Florian Reichstädter im 470er der Herren spekulieren mit einem Top-10-Platz. Mit Platz 10 und 18 zu Beginn ist es noch ein weiter Weg. „Wir sitzen seit August permanent im Boot – das muss sich lohnen“, sagt Schmid. Die Vize-Weltmeister der Junioren, David Bargehr und Lukas Mähr, bilden im zweiten OeSV-Boot das Back-up.

Andreas Geritzer (Silber in Athen 2004) zählt im Laser sowieso zu den Favoriten – nicht nur auf ein Ticket, sondern auch auf den Sieg. "Schaffen wir drei Quotenplätze, wird der Olympia-Stress erträglich", sagt Sportdirektor Georg Fundak. Leistet sich der Fremantle Doctor jedoch einen Kunstfehler, so muss Fundak – wie so oft – als Wunderheiler eingreifen.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011