Sport
05.12.2011

Schleck-Triumph auf der Königsetappe

Tour de France: Der jüngere Schleck-Bruder siegt am Col du Galibier. Contador ist der Verlierer des Tages.

Es war das perfekte Timing: Donnerstag, 15.40 Uhr. 140 der 200,5 Kilometer der Königsetappe der Tour de France 2011 waren absolviert, als Andy Schleck im Anstieg zum Col d'Izoard attackierte. Niemand konnte dem 26-Jährigen folgen. Nicht Thomas Voeckler, der französische Gesamtführende; nicht Cadel Evans, der zweitplatzierte Australier; und schon gar nicht Alberto Contador, der Spanier, der so gerne zum vierten Mal die Grande Boucle gewinnen würde.

Andy Schleck also, der jüngere der Luxemburger Rad-Brüder, begab sich auf die Verfolgung einer fünfköpfigen Spitzengruppe. Sein um fünf Jahre älterer Bruder Fränk blieb bei den Mitfavoriten, um dort gegebenenfalls (bremsend) eingreifen zu können.

Ausscheidungsrennen

Nach 30 Kilometern hatte Andy Schleck die Ausreißergruppe mit seinem Teamkollegen Maxime Monfort erreicht. Nach 35 Kilometern musste Monfort abreißen lassen; die Gruppe um Schleck schrumpfte auf ein Trio mit dem Iren Nicolas Roche und dem Kasachen Maxime Iglinski. Und nach 40 Kilometern lag Schleck vier Minuten vor seinen Konkurrenten um den Gesamtsieg.

Acht Kilometer vor dem Ziel war Andy Schleck schließlich alleine auf weiter Flur. Wobei die Einsamkeit sehr relativ war - 400.000 Zuschauer verfolgten die Königsetappe, Zehntausende hatten sich entlang des Schlussanstiegs zum 2645 Meter hohen Col du Galibier postiert und schrien den 26-Jährigen den Berg hinauf.

Verfolgungsjagd

Und die anderen? Hinten mühte sich Cadel Evans, den Abstand zu verringern. Im Windschatten des 34-Jährigen folgten Voeckler, Contador und wie sie alle heißen, die Führungsarbeit überließen sie aber dem Australier, der seine Siegchancen am Horizont verschwinden sah.

Zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel brach schließlich Alberto Contador ein - was der Spanier in den letzten Tagen wieder und wieder gesagt hatte, bestätigte sich: Die Strapazen des Giro-d'Italia-Sieges waren doch zu groß, selbst für den 28-Jährigen, den sein Landsmann Samuel Sanchez ehrfürchtig als "Monster unserer Ära" bezeichnet hatte.

Am Ende des Großkampftages der Leichtgewichte reichte es...
... für Andy Schleck zum Etappensieg - der 1,83 Meter große und 69 Kilo leichte Profi rettete 2:07 Minuten Vorsprung ins Ziel, auch wenn er auf den letzten Metern fast zum Stillstand gekommen wäre. Er wurde auch als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet.

... für Fränk Schleck, 31 (1,86 m/68 kg), zu Platz zwei - dank eines Antritts auf den letzten 150 Metern distanzierte er die Konkurrenten.

... für Cadel Evans, 34, zu Platz 3. Doch der 1,74 Meter kleine und 64 Kilo leichte Australier büßte 2:15 Minuten auf Andy Schleck ein.

Und Thomas Voeckler (1,77 m/66 kg) erlebt am Freitag einen weiteren Tag in Gelb. Der Franzose wäre im Ziel ohne Hilfe vom Rad gefallen, so erschöpft war der 32-Jährige. Doch es reichte.

15 Sekunden Vorsprung sind noch übrig.