Während der Spiele 2014 konnte Russland den Schein wahren, zwei Jahre später ist der Skandal perfekt.

© EPA/BARBARA WALTON

Olympia
05/19/2016

Russland droht die härteste Strafe im Sport: Ausschluss von Olympia

IOC-Präsident Bach erhöht nach dem Dopingskandal den Druck auf Russland. Die Betroffenen wehren sich gegen einen Generalverdacht.

von Florian Plavec

Für Russland und seine Sportler wird die Situation immer ungemütlicher. Elf Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio meldete sich im Zuge der Doping-Ermittlungen nun der wichtigste Sportfunktionär der Welt zu Wort, Thomas Bach. Der IOC-Präsident hält einen Ausschluss Russlands von Olympia für möglich.

"Die Teilnahme der russischen Athleten (...) hängt auch stark von den Ergebnissen der WADA-Untersuchung ab", schrieb der Deutsche in einem Beitrag für die FAZ. "Sollte es Hinweise auf ein organisiertes und flächendeckendes Doping-System geben, das weitere Sportarten betrifft, müssten die internationalen Verbände und das IOC die schwierige Entscheidung zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit treffen." Es müsse geprüft werden, ob in derart "kontaminierten Verbänden" die Unschuldsvermutung noch aufrecht erhalten werden kann. Im Klartext: Auch russische Sportler, die nie etwas mit Doping zu tun gehabt haben, könnten von Olympia 2016 ausgeschlossen werden. Es wäre die größtmögliche Strafe im Sport für den größten Dopingskandal seit Enttarnung des Zwangsdopings in der früheren DDR.

Medaillen & Betrug

Der 62-Jährige reagiert damit auf Behauptungen des ehemaligen Leiters des Moskauer Anti-Doping-Labors. Gregorij Rodschenkow hatte angegeben, dass er vor und während der Winterspiele 2014 in Sotschi am systematischen Doping-Betrug im russischen Team maßgeblich beteiligt war. 15 russische Medaillengewinner seien gedopt gewesen; geschützt von Inlandsgeheimdienst und Sportministerium.

In die Vorgänge von Sotschi schaltete sich nun auch das US-Justizministerium ein. Laut New York Times wird wegen Verschwörung und Betrugs ermittelt. Im Visier der Behörden stehen russische Offizielle, Athleten, Trainer und Anti-Doping-Verantwortliche. Auch ein Ermittlerteam der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wurde zusammengestellt.

Dass es IOC und WADA ernst meinen, zeigen auch die Nachtests der Sommerspiele von Peking (2008). 454 aufbewahrte Dopingproben wurden analysiert, 31 davon waren positiv. Auch 250 Proben von London 2012 wurden nachgetestet. Ergebnis bisher unbekannt.

Skepsis & Kooperation

Russland wehrt sich naturgemäß gegen Pauschalverurteilungen und weist jeden Generalverdacht zurück. Grundsätzlich sei man zur Zusammenarbeit mit internationalen Ermittlern bereit, allerdings reagierte Dmitri Peskow, der Sprecher von Wladimir Putin, "mit Skepsis und Unverständnis" auf das Vorgehen der US-Justiz. Russland würde dies als weiteren Versuch Washingtons werten, die Zuständigkeit von US-Gerichten auf andere Länder auszudehnen.

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