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Sport
08/04/2012

Olympia-Premiere für den Blade Runner

Südafrikas Oscar Pistorius wurde vor 25 Jahren in Johannesburg mit einem Gendefekt geboren: Er hatte keine Wadenbeine.

von Florian Plavec

Weshalb besuchen Hunderte Journalisten eine Pressekonferenz von einem Mann, der nicht gewinnen kann? Warum ist ein 25-jähriger Olympia-Debütant das beliebteste Motiv der Fotografen? Was hat Oscar Pistorius, was andere Leichtathleten nicht haben? Zwei Unterschenkel weniger.

Pistorius wurde vor 25 Jahren in Johannesburg mit einem Gendefekt geboren: Er hatte keine Wadenbeine. Die Ärzte sahen die besten Perspektiven für sein Leben darin, die Beine unterhalb der Knie zu amputieren. Damals war Pistorius elf Monate alt.

Heute ist er bekannt als "der schnellste Mann ohne Beine", "Blade Runner" wird er genannt. Als Teenager spielte er Wasserball, Rugby und Tennis. Nach einer schweren Knieverletzung begann er 2003 während der Rehabilitation zu laufen – und hörte damit nicht mehr auf.

Olympiasieger

Pistorius holte bei den Paralympics in Athen 2004 den Titel über 200 Meter, in Peking schlug er über 100, 200 und 400 Meter zu. Doch die Paralympics waren nie Pistorius` größtes Ziel. Als erster Sportler mit Behinderung konnte er sich für die Leichtathletik-WM 2011 in Daegu (Südkorea) qualifizieren, wo er über 400 Meter ins Halbfinale kam. Mit der 4-x-100-Meter-Staffel lief er südafrikanischen Landesrekord. Nun ist er bei Olympia. Um 11.35 Uhr MESZ startet er am Samstag in seinen Vorlauf über 400 Meter.

Und nicht jeder ist glücklich darüber. Denn entbrannt ist eine Diskussion darüber, ob der Athlet durch seine High-Tech-Prothesen aus Carbon einen Vorteil hat. Pistorius hatte beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Einspruch erhoben gegen sein Startverbot durch den Leichtathletik-Weltverband (IAAF) – und Recht bekommen.

"Ein Fehlurteil", sagt nun Helmut Digel. Der Deutsche ist Council-Mitglied beim IAAF und hält einen Start von Pistorius für problematisch. "Oscar Pistorius ist ein hervorragender Athlet. Ich halte den CAS-Spruch jedoch für ein Fehlurteil", sagte der Sportsoziologe. Zwar hat der CAS herausgefunden, dass Pistorius durch seine Prothesen "keinen Vorteil" hat, doch Digel sagt, dass man eine sportethische Expertise brauche statt einer biomechanischen. Behinderte hätten bei den Paralympics ihre Regeln und Nichtbehinderte bei ihren Spielen.

Philosophiefrage

"Sein Start ist mit der Grundphilosophie der Leichtathletik nicht vereinbar", sagt auch Clemens Prokop, der deutsche Leichtathletik-Präsident. "Leichtathletik ist die Summe von Talent und Training. Durch die Prothesen kommt die Komponente der technischen Vergleichbarkeit dazu."

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Pistorius: "Wir laufen seit 1996 mit den gleichen Prothesen, und bisher ist kein anderer Läufer unter 50 Sekunden gelaufen. Ich laufe seit 2004 mit meinen Blades. Und ihr sprecht immer über die Vorteile. Aber niemand redet über meine Nachteile."

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