Der Schweizer Frank sichert sich den nächsten Etappensieg.

© FREMD/Stefan Sigwarth

Schweizer Frank siegt auch auf dem Sonntagberg
07/04/2013

Schweizer Frank siegt auch auf dem Sonntagberg

Riccardo Zoidl wird Vierter und holt in der Gesamtwertung auf.

von Stefan Sigwarth

Zwei Stunden waren absolviert auf der vierten Etappe der 65. Österreich-Rundfahrt, als der Vergleich von Kilometerzähler und Uhr für Staunen sorgte: 103 der 228,3 Kilometer von St. Johann/Alpendorf nach Sonntagberg waren gefahren, ergab ein Durchschnittstempo von wohlfeilen 51,5 km/h.

Wetter (Rückenwind) und Streckenprofil (bergab die Enns entlang) hatten die Raserei begünstigt, ein Trio trieb es noch wilder als das Feld und bretterte ab Kilometer 75 voraus: Der Russe Michail Ignatiew, der Pole Maciej Paterski und der Italiener Marco Frapporti. Keine Gefahr für die Besten im Gesamtklassement, darum durften die Nachzügler die Vorreiter geben, mit bis zu sechs Minuten Vorsprung.

Doch am Beginn des bis zu 14 Prozent steilen Schlussanstieg auf den Sonntagberg war die Ausreißerei beendet, und die Tourfavoriten matchten sich um den Sieg. Mittendrin ist bekanntlich Riccardo Zoidl vom Welser Team Gourmetfein, und die gestrige Etappe war jene, die seiner Heimat am nächsten liegt – es schien, als sei halb Oberösterreich ins Mostviertel gekommen.

„Wir sind extrem schnell in den Berg rein“, sagte Zoidl, „ich hab’ schon gedacht, das gibt nichts mehr.“ Doch das Publikum beflügelte den Goldwörther, „auf den letzten 500, 600 Metern hab’ ich keine Schmerzen mehr gespürt.“ Das war auch gut so: Nach 120 Kilometern war der 25-Jährige gestürzt. „Eine Oberschenkelprellung, der Tour-Arzt hat mich mit Eis behandelt, danach ging’s wieder.“

Und wie: Zoidl wurde neun Sekunden hinter dem Schweizer Vortagessieger Mathias Frank Vierter – und machte im Gesamtklassement sieben Sekunden auf den führenden Belgier Kevin Seeldraeyers gut. „Gut für die Psyche“, bleiben noch 52 Sekunden aufzuholen.

Eigenartig

Aus dem Rennen ist seit dem späten Mittwochabend Matthias Brändle. Nach langen Diskussionen, Rechtfertigungen und neuerlichen Diskussionen wurde der Fahrer des Teams IAM disqualifiziert. Der Vorwurf der Rennkommissäre: Der 23-Jährige soll sich auf der Glockner-Etappe an einem Auto festgehalten haben, geschehen sei das Ganze im Gruppetto.

Dass die Entscheidung erst so spät fiel, lag an den eigenwilligen Umständen des Geschehens: „Ich war nie im Gruppetto“, erklärte Brändle. Und als die letztgültige Entscheidung dann gefallen war, gab er Einblick in seine Gefühlswelt: „Man kommt sich blöd vor, wenn man für etwas bestraft wird, das man nicht getan hat.“

Allein, alles Lamentieren und Argumentieren und Rechtfertigen half nichts: Das Wort der Kommissäre hatte Gewicht, Brändle musste vor dem Start der Etappe seine Koffer packen. Zudem wurde auch Eddy Seigneur, der sportliche Leiter von IAM, ausgeschlossen. Der knappe Kommentar des Franzosen: „Das ist eine große Ungerechtigkeit.“

Spektakel in Poysdorf

Am Freitag bleibt die Österreich-Rundfahrt in Niederösterreich: Ab 11 Uhr geht’s von Maria Taferl nach Poysdorf, im Zielort werden ab ungefähr 14.40 Uhr drei Runden zu je knapp zehn Kilometern gefahren, was den Radsport-Fans ein ziemliches Spektakel bieten dürfte.

5. Etappe: St. Johann/Alpendorf - Sonntagberg, 228 km
1. Mathias Frank (SUI) BMC 5:21:41 Std.
2. Rafal Majka (POL) Saxo-Tinkoff +0:05 Min.
3. Nicolas Edet (FRA) Cofidis 0:06
4. Riccardo Zoidl (AUT) Gourmetfein Wels 0:09
5. Patrick Facchini (ITA) Androni, gl. Zeit
6. Sergej Tschernezkij (RUS) Katjuscha 00:12
7. Petr Ignatenko (RUS) Katjuscha, gl. Zeit
8. Alexander Djatschenko (KAZ) Astana 0:16
9. Kevin Seeldraeyers (BEL) Astana, gl. Zeit
10. Stefano Agostini (ITA) Cannondale 00:18
Weiter:
15. Matthew Busche (USA) RadioShack 0:30
17. Dries Devenyns (BEL) Omega-QuickStep 0:30
19. Stefan Denifl (AUT) IAM 00:34
23. Harald Totschnig (AUT) Tirol 0:47
27. Paul Lang (AUT) WSA Graz 01:00
29. David Wöhrer (AUT) Tirol 01:13
Gesamtwertung
1. Seeldraeyers 20:21:39 Std.
2. Zoidl 0:52 zurück
3. Djatschenko 1:04
4. Devenyns 1:45
5. Edet 1:47
6. Busche 2:04
7. Ignatenko 2:13
8. Tschernezkij 2:20
9. Fabio Aru 2:37
10. Matija Kvasina 3:02
11. Denifl 3:27.
Weiter:
18. Frank 5:27
22. Lang 8:35
23. Hans-Jörg Leopold 8:43
28. Totschnig 13:56
33. Wöhrer 17:35
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