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Sport
08/03/2012

Neue Regeln im olympischen Boxen

Aktuell zählt ein leichter Treffer gleich viel wie eine schöne Schlagkombination. 2016 wird alles anders.

von Florian Plavec

Die Royal Docks im Osten von London. Im ExCeL-Messegelände wurden die beiden je 32.000 Quadratmeter großen Hallen noch einmal unterteilt. Auf der rechten Seite des 20 Meter breiten Durchgangs kämpfen Judoka und Tischtennisspieler, auf der linken Seite sind die Hallen für Gewichtheber und Boxer. 9000 zahlende Zuschauer und ein paar Soldaten der Royal Navy sitzen auf den Stahlrohrtribünen beim Boxen. Und das in einem Vorrundenkampf der Klasse bis 49 Kilogramm. Unten im Ring verprügelt der Franzose Jeremy Beccu den Kasachen Birzhan Zhakypov. Der Franzose schlägt hart, der Kasache wandelt am Rande eines K. o. In der dritten und letzten Runde schlägt Zhakypov einige Male zu, Beccu bleibt davon ungerührt.

Die Punkterichter entscheiden für den Kasachen. 18:17. Pfiffe und Buhrufe aus dem Publikum.

Zhakypov ist in die nächste Runde aufgestiegen. Er war nicht der bessere Boxer. Er hat auch nicht härter geschlagen. Er hat schlichtweg öfter getroffen – und das zählt im Olympischen Boxen. Noch.

Denn in London gilt zum letzten Mal eine umstrittene Regel zur Punktevergabe, die 1988 nach einem skandalösen Urteil in Seoul eingeführt wurde. Damals prügelte der US-Amerikaner Roy Jones junior den Südkoreaner Park Si-Hun durch den Ring. Im Halbmittelgewicht-Finale traf Jones 86-mal, er musste nur 32 Treffer hinnehmen. Er schlug Kombinationen und wuchtige Haken, in der zweiten Runde wurde Park angezählt.

Doch drei der fünf korrupten Punkterichter stimmten für Park Si-Hun.

"Das war ein tragischer Tag", sagte Jones vor kurzem. "Für mich und für den gesamten Sport."

Denn der Weltverband reagierte nach dem Skandalurteil – und er reagierte falsch. Er ersann einen neuen Namen für ein neues Punktesystem: "Computer Scoring". Zumindest klingt die Bezeichnung unbestechlich.

Seitdem hat beim olympischen Boxen jeder Kampfrichter zwei Knöpfe vor sich, einen für den Boxer in der roten Ecke, einen für den in der blauen. Wenn drei der fünf Kampfrichter innerhalb einer Sekunde einen Knopf der gleichen Farbe drücken, zählt der Punkt.

Ungerecht

Doch in diesem System ist ein harmloser Jab genau so viel wert, wie ein harter Punch; ein leichter Treffer zählt gleich viel wie eine schöne Schlagkombination. "Hätte es dieses System in Seoul gegeben, hätte ich nie an Olympia teilgenommen", sagt Lennox Lewis, der 1988 im Finale Riddick Bowe besiegte. Beide Boxer wurden später Profi-Weltmeister im Schwergewicht.

2016 in Rio wird alles anders. Der Kopfschutz wird abgelegt, die Punkterichter werten wieder die einzelnen Runden. Sie beurteilen nicht nur Anzahl der Schläge, sondern auch Explosivität, Stil und Kampfgeist. Und erstmals werden 2016 auch Profis teilnehmen. Michael Müller, der Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes freut sich: "2016 haben wir das attraktivste olympische Turnier, das es je gab."

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