Siegertyp: Dass Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton zuletzt dreimal vor ihm im Ziel war, schmeckt Nico Rosberg gar nicht. "Ich bin hier, um zu gewinnen."

© APA/EPA/DIEGO AZUBEL

Nico Rosberg
05/10/2014

"Ich mag es nicht, Zweiter zu werden"

1982 gewann Keke Rosberg die Formel-1-Weltmeisterschaft. 32 Jahre später ist für Sohn Nico die Chance so groß wie nie zuvor, es seinem Vater gleichzumachen. Nach vier Rennen führt er in der Weltmeisterschaft. Dass er "noch" vorne liegt, will er aber gar nicht hören.

von Florian Plavec

Nico Rosberg (28) kommt mit seinem überlegenen Mercedes-Team als WM-Führender zum Grand Prix von Spanien (Start 14 Uhr). Doch der Druck von Teamkollege Lewis Hamilton ist groß, der Engländer gewann die letzten drei Rennen vor dem Deutschen.

KURIER: Herr Rosberg, wie ist das Gefühl im besten Auto der Welt zu sitzen?

Das ist ein tolles Gefühl und das habe ich bisher in der Formel 1 auch so noch nicht erlebt. Ich reise an und ich weiß, ich kann Poleposition fahren und gewinnen. Das ist genial.

Durchleben Sie derzeit die beste Phase Ihrer Formel-1-Karriere?

Definitiv. Der Genussfaktor ist sehr groß, so ein Auto zu haben.

Erleben wir derzeit den besten Nico Rosberg, den es je gab?

Ja. Ich werde jedes Jahr stärker mit der Erfahrung, die ich dazu gewinne. Erfahrung ist so viel wert in diesem Sport hier.

Als Sie in die Formel 1 gekommen sind , hat man Sie als Wunderkind bezeichnet. Dann hat es so ausgesehen, als hätte man vergessen, das Wunderkind in ein schnelles Auto zu setzen.

Ich sehe mich nicht als Wunderkind. Natürlich hatte ich in den vergangenen Jahren nicht das Auto, um Titel zu gewinnen. Aber ich bin nicht auf Titel fokussiert, sondern genieße jedes einzelne Rennen. Und ich will jedes Rennen gewinnen. Auch hier in Barcelona.

Ihr erster WM-Titel wäre der zweite für die Familie Rosberg. Wären Sie dann aus dem Schatten Ihres Vaters gestiegen?

Das können Sie besser beurteilen als ich. Für die jungen Menschen bin ich Nico, für die älteren bin ich noch der Sohn von Keke. Das wird auch noch eine Weile so bleiben für die älteren Herrschaften, die damals mit meinem Vater mitgefiebert haben.

Niki Lauda schwärmt von seinem Mercedes-Fahrerduo. Er bezeichnet Sie als akribischen Arbeiter und Analytiker, Lewis Hamilton als begnadetes Talent. Können Sie dem zustimmen?

Ich habe das nicht persönlich von ihm gehört, deshalb kommentiere ich das ungern. Über mich kann ich sagen, dass ich versuche, mir überall Vorteile herauszuarbeiten. Wenn ich mich für die ganze Technik interessiere, kann das den Unterschied ausmachen.

Mit Lewis Hamilton haben Sie sich heuer packende Duelle auf der Strecke geliefert. Wie lange kann das gutgehen?

Es kann auch einmal eng werden. Für den Sport hoffe ich, dass wir noch oft solche Duelle haben werden, das ist super. Für mich persönlich wäre es aber entspannter, wenn ich vorne wegfahren könnte.

Lewis Hamilton war zuletzt drei Mal in Folge knapp vor Ihnen im Ziel. Tut das weh?

Nein, weh tut es nicht. Aber es ist enttäuschend. Ich mag es nicht, Zweiter zu werden. Ich will gewinnen. Deswegen bin ich in Barcelona.

Da wird Lewis Hamilton aber etwas dagegen haben.

Das Momentum ist auf seiner Seite. Aber ich werde das hier umdrehen. Ich brauche dafür einfach nur ein normales Wochenende ohne gröbere Probleme.

Denken Sie oft darüber nach, weshalb er drei Mal schneller war?

Manchmal. Aber das ist schnell abgehakt. Ich nehme das als Motivation, um noch besser mit dem Team zu arbeiten. Ich war diese Woche im Simulator und habe die Situation analysiert. Dabei lerne ich noch immer viel.

Wo ist die Grenze bei den Zweikämpfen gegen Hamilton? Wann wird es zu hart?

Das können nur wir Fahrer beurteilen, von außen ist das sehr schwierig. In Bahrain haben wir die Grenze genau getroffen, das war voll am Limit aber trotzdem mit dem nötigen Respekt. Jetzt wissen wir beide, was man sich erlauben kann.

Wird die Teamleitung das interne Duell einbremsen?

Teamorder ist bei uns null Thema. Mercedes steht dafür, eine tolle Show zu liefern. Vielleicht kann es im letzten Rennen der Saison Fälle geben. Wenn ich gegen Sebastian um die WM kämpfe und Lewis hätte keine Chance mehr ... Aber auch dann würde er nicht für mich fahren, sondern für das Team.

Über das Mercedes-Teamduell wurde auch schon von "Zickenkrieg" geschrieben. Nervt das?

Das ist ganz normal, solche Geschichten suchen die Medien. Wenn es einen Mega-Krieg im Team geben würde, wäre das für die Medien toll. So etwas macht noch die Gewürze in die Geschichten rein. Lewis und ich haben manchmal intensive Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten, aber wir haben den Vorteil, dass wir das alles schon einmal miterlebt haben, als wir 13 oder 14 waren und gegeneinander Kart gefahren sind. Da haben wir gelernt, wie man mit Respekt miteinander umgehen soll.

Doch die gemeinsame Zeit als Teenager im Kart kann man doch nicht mit dem Kampf um die Weltmeisterschaft in der Formel 1 vergleichen?

Doch, die ganzen Erinnerungen von früher kommen jetzt hoch. Das ist identisch. Nur ist jetzt viel mehr Drumherum.

Besteht bei der Überlegenheit von Mercedes die Gefahr, dass der Schlendrian einkehrt?

Ja. Für uns Fahrer weniger, weil wir dieses interne Duell haben, das mega ist. Aber für das Team ist die Gefahr groß, einmal zu sagen: Ach, lassen wir die zwei Zehntel weg, das Risiko brauchen wir nicht einzugehen. Doch dann rutscht man zurück. Ich habe dieses Thema am Mittwoch in England beim Team angesprochen. Da habe ich den 600 Kollegen gesagt, wie wichtig es ist, dass wir weiterhin die Jäger-Mentalität beibehalten.

Das neue Reglement mit den Hybrid-Antrieben und den leiseren Motoren passt genau in das Image von Automobilhersteller Mercedes?

Exakt. Genau so ist es.

Halten sich deshalb Toto Wolff und Niki Lauda mit ihrer Kritik an den leiseren Motoren zurück?

Nein, wir sind ein Sport, das ist Entertainment und die Lautstärke gehört zur Atmosphäre. Wir möchten großen Sport liefern und sind deshalb Vorreiter bei den Tests, die Formel 1 wieder lauter zu machen. Wir sind das Team, das bereits eine Lösung gefunden hat. Unsere Idee mit einer Art Megafon am Auspuff werden wir am Mittwoch hier in Barcelona testen.

Warum wird Nico Rosberg 2014 Weltmeister?

Das Thema ... puh. Ich würde lieber gefragt werden: "Warum gewinnt Nico Rosberg den Grand Prix in Barcelona?"

Warum gewinnt Nico Rosberg den Grand Prix in Barcelona?

Weil er jetzt richtig gut drauf ist.

Letzte Frage: Was passiert mit dem Rest Champagner, der nach der Siegerehrung in der Magnum-Flasche bleibt?

Meistens kriegen den die Mechaniker. Und die trinken das locker leer.

Hamilton und Rosberg im Qualifying voran

Fünftes Rennen der Saison und zum fünften Mal steht ein Mercedes in der Startaufstellung ganz vorne. Lewis Hamilton gewann das Qualifying zum Grand Prix von Spanien (14 Uhr/live ORFeins, RTL, Sky) knapp vor Nico Rosberg. Für die Konkurrenz gab es eine schallende Ohrfeige.

Es war die vierte Poleposition in Folge für Hamilton. Greift der Engländer auch zum vierten Sieg in Serie – und damit zur WM-Führung? Um 0,168 Sekunden distanzierte er seinen Teamkollegen und war stolz: „Nico war richtig schnell, ich habe alles rausholen müssen.“ Lob gab es für den Arbeitgeber: „Das ist das stärkste Team, das ich je hatte.“

WM-Leader Rosberg gab unumwunden zu: „Ich bin enttäuscht. Ich habe gedacht, dass ich ihn knacken kann.“ Trösten konnte sich der Deutsche damit, dass „ noch alles drinnen ist. Ich brauche nur einen guten Start.“

Ernüchterte Verfolger

Die Konkurrenten hatten sich für das erste Rennwochenende in Europa sehr viel vorgenommen – und wurden enttäuscht. Der Rückstand auf Mercedes wurde um nichts kleiner – trotz der dreiwöchigen Rennpause; trotz der vielen Updates; trotz einer Strecke, die den Mercedes angeblich nicht entgegenkommt.

Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo fehlte als Dritter bereits mehr als eine Sekunde. „Ich bin der Beste vom Rest, aber das ist nicht genug“, sagte der Australier. „Eigentlich habe ich erwartet, dass die Lücke kleiner geworden ist.“ Noch enttäuschender verlief der Tag für Sebastian Vettel, der seinen Red Bull wieder einmal abstellen musste, diesmal mit Getriebeschaden. Mit dem Motorroller fuhr er in die Box zurück und sagte dort treffend: „Das ist natürlich Mist.“

Eine zusätzliche Herausforderung hatten fünf ausgeloste Piloten zu bewältigen: Sie mussten sich einem der seltenen Dopingtests in der Formel 1 stellen.

Qualifying
1. Lewis Hamilton GBR Mercedes 1:25,232
2. Nico Rosberg GER Mercedes 1:25,400
3. Daniel Ricciardo AUS Red Bull 1:26,285
4. Valtteri Bottas FIN Williams 1:26,632
5. Romain Grosjean FRA Lotus 1:26,960
6. Kimi Räikkönen FIN Ferrari 1:27,104
7. Fernando Alonso ESP Ferrari 1:27,140
8. Jenson Button GBR McLaren 1:27,335
9. Felipe Massa BRA Williams 1:27,402
10. Sebastian Vettel GER Red Bull keine Zeit
Out in Q2:
11. Nico Hülkenberg GER Force India 1:27,685
12. Sergio Perez MEX Force India 1:28,002
13. Daniil Kwjat RUS Toro Rosso 1:28,039
14. Esteban Gutierrez MEX Sauber 1:28,280
15. Kevin Magnussen DEN McLaren keine Zeit
16. Jean-Eric Vergne FRA Toro Rosso keine Zeit
Out in Q1:
17. Adrian Sutil GER Sauber 1:28,563
18. Max Chilton GBR Marussia 1:29,586
19. Jules Bianchi FRA Marussia 1:30,177
20. Marcus Ericsson SWE Caterham 1:30,312
21. Kamui Kobayashi JPN Caterham 1:30,375
22. Pastor Maldonado VEN Lotus keine Zeit
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