In Bahrain geht es heiß her wie hier bei Alpha Tauri

© Pool via REUTERS/GIUSEPPE CACACE

Sport Motorsport
12/05/2020

Neuland für die Formel 1: Auch Mercedes hat viel zu verlieren

Das zweite Rennen in Bahrain gleicht einem großen Experiment. Warum auch Weltmeister Hamilton in der Isolation schwitzen wird.

von Philipp Albrechtsberger

Nicht einmal mehr auf Mercedes ist Verlass in der Formel 1. Die Silberpfeile schienen mit ihrer Perfektion die letzte, aber große Konstante zu sein in der durch die Corona-Krise arg durcheinandergewirbelten Rennsportserie. Doch am vorletzten Rennwochenende herrscht nun selbst bei den Seriensiegern der Ausnahmezustand. Das positive Testergebnis von Weltmeister Lewis Hamilton hat den Rennstall vor dem zweiten Rennen in Bahrain am Sonntag (18.10 Uhr MEZ) zum Improvisieren gezwungen – eine Maßnahme, die sie beim detailverliebten Werksteam so gar nicht leiden können. Damit gewinnt das vorletzte Rennen der Saison, in der sportlich alle großen Fragen längst beantwortet sind, an Brisanz. Das sind die Brennpunkte beim Wüstenrennen:

Das Mercedes-Dilemma

Dienstag um 2 Uhr morgens war offiziell Ersatz gefunden für Lewis Hamilton. Mercedes hatte einige Optionen und entschied sich für die eigene Jugend. Mit George Russell bestreitet erstmals ein Pilot aus dem Nachwuchsförderprogramm der Silberpfeile einen Grand Prix. Der 22-jährige Engländer benötigte die Freigabe von Williams, wo er sich seit 2019 für höhere Aufgaben empfehlen soll.

Russell gilt als Versprechen für die Zukunft und möglicher Mercedes-Stammfahrer ab 2022. Der ehemalige Formel-2-Meister fuhr im unterlegenen Williams zwar noch nie in die Punkteränge, hat aber auch noch nie ein Qualifying gegen einen seiner Teamkollegen verloren.

Dieser heißt nun Valtteri Bottas. Und der Finne will vermeiden, vom Neuling ausgebremst zu werden: „Es sähe nicht gut aus, wenn George vor mir landen würde.“ Der 31-jährige Bottas hantelt sich bei Mercedes von Einjahresvertrag zu Einjahresvertrag und muss beweisen, dass er im Fall der Fälle die Nummer eins im Team sein kann.

Wenn er drei oder vier Zehntel hinter seinem Teamkollegen liegt, wird er ja immer noch Zweiter. So viel kann da nicht schiefgehen.“

Max Verstappen | über George Russell im überlegenen Mercedes

Die Konkurrenten wie Ferrari-Pilot Charles Leclerc sehen Russell im überlegenen Boliden „zumindest auf dem Podest“. Max Verstappen stellt klar: „Wenn er drei oder vier Zehntel hinter seinem Teamkollegen liegt, wird er ja immer noch Zweiter. So viel kann da nicht schiefgehen.“

Für Russell selbst ist es die Chance seiner Karriere. Obwohl er zuletzt vor zwei Jahren im Mercedes-Simulator gesessen ist, werden die Bosse genau auf seine Leistungen schauen. Gemütlich wird es auf keinem Fall im Cockpit von Lewis Hamilton. Der Silberpfeil ist maßgeschneidert auf den Weltmeister, der aber zehn Zentimeter kleiner ist als Russell. Der muss deshalb in eine Nummer kleinere Rennschuhe schlüpfen. Im ersten Training am Freitag war er prompt Schnellster.

In Erklärungsnot könnte auch freilich Hamilton kommen: Sollte Russell tatsächlich gewinnen, werden sich jene Kritiker bestätigt fühlen, die meinen, im überlegenen Mercedes gewinnt jeder halbwegs talentierte Pilot.

Die Strecke

Neuland betreten an diesem Wochenende übrigens alle Piloten. Denn gefahren wird nicht auf der üblichen Piste in Sakhir, sondern auf der äußeren Rennstrecke, die einem Ovalkurs ähnelt. Mit 3,5 Kilometern ist es die kürzeste und eine der schnellsten Rennpisten im Jahr. Echte Kurven gibt es gerade einmal fünf, der Rest sind minimale Richtungsänderungen, die im Vollgasmodus durchfahren werden können. Die Rundenzeit liegt bei unter einer Minute. Experten rechnen daher nicht nur im Qualifying am Samstag (18 Uhr MEZ) mit Stau und mitunter mit Chaos.

Die Debütanten

Nicht nur auf George Russell werden die Augen gerichtet sein. Dessen Williams-Ersatzmann ist mit Jack Aitken ein Debütant. Der 25 Jahre alte Schotte mit koreanischen Wurzeln kam in fast drei Jahren Formel 2 auf insgesamt vier Rennsiege.

Klingender ist der Name des zweiten Neulings: Bei Haas wird der am Sonntag schwer verunfallte Romain Grosjean durch Pietro Fittipaldi ersetzt. Der 24-jährige Enkel von Zweifach-Weltmeister Emerson bekam einen klugen Tipp: „Mein Großvater hat gesagt: genieße es. Du fährst nur einmal deinen ersten Grand Prix.“

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