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Selbst-Erfahrung
08/13/2016

199 PS und kein Plan auf dem Red-Bull-Ring

Auf dem Red-Bull-Ring saß der KURIER-Redakteur erstmals auf einem schnellen Motorrad. Auf einem richtig schnellen Motorrad ...

von Florian Plavec

Es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, Motorsport sei kein Sport. Es darf an dieser Stelle behauptet werden, dass diese Menschen noch nie ein Motorrad auf einer Rennstrecke bewegt haben.

Dabei hat alles ganz harmlos angefangen ...

"Es geht nicht darum, möglichst schnell zu fahren. Es geht auch nicht darum, möglichst spät zu bremsen", sagt Gustl Auinger. Der 61-Jährige gewann in den Jahren 1985 und 1986 insgesamt fünf WM-Läufe in der 125ccm-Klasse. Heute ist er der Instruktor auf dem Red-Bull-Ring. ServusTV hat die Veranstaltung organisiert, BMW die Motorräder zur Verfügung gestellt.

Wie die Formel 1

BMW S 1000 RR heißt das Modell. 199 PS bei 175 Kilogramm Trockengewicht. Fast machen die Zahlen Angst. Das Leistungsgewicht liegt in der Größenordnung eines Formel-1-Autos. "Genießt einfach die Fahrt", sagt Auinger. "Und, bitte, schaut drauf, dass ihr auch oben sitzen bleibt. Das sind nämlich wirklich schöne Motorradln."

Um das "Motorradl" macht er sich Sorgen! Diese Sorgen möchte man haben.

So unglaublich stark diese Maschine ist, so klein ist sie, wenn man sie besteigt. Besonders, wenn man aus dem Straßenverkehr die komfortable und aufrechte Sitzposition einer Enduro gewöhnt ist. Auingers Anweisungen sind klar: "Ich fahre drei lockere Runden voraus und dann in die Boxengasse. Dann könnt ihr euch austoben, bis die Roten Flaggen kommen. Wer müde wird, fährt aber bitte schon vorher rein."

Wir rollen langsam von hinten durch die Boxengebäude, dann durch die Boxengasse. Auinger vorne, ich bin der Vorletzte in der Gruppe. Hinter mir noch eine Dame, die bei einem Gewinnspiel gewonnen hat und auch mitfahren darf.

Gemütlich geht es los, die erste Gerade. Was ist da los? Wie Geistesgestörte geben die da vorne Gas. Nach der ersten Kurve habe ich etwas den Anschluss verloren. Okay, auf den Geraden hole ich auf! Eine Drehbewegung mit der rechten Hand, in Sekunden beschleunigt die Maschine auf 200. Doch da ist schon wieder die nächste Kurve. Wohin führt sie? Es geht bergab und um die Ecke.

Fast im Schritttempo lenke ich die BMW um die Kurve, im Hinterkopf Auingers Anweisungen: "In den Kurven keine Lastwechsel. Diese Kräfte kann der Reifen vielleicht nicht verarbeiten, und dann liegst’ da."

Die Gruppe ist weg.

Ich fahre seit Jahrzehnten sturzfrei Motorrad. Doch hier gebe ich ein erbärmliches Bild ab mit meiner Fahrtechnik, der alten Lederkombi, den Endurostiefeln und dem Klapphelm.

"Genießt die schönen Kurvenlagen, der Asphalt ist total griffig", hat Instruktor Auinger zuvor gesagt. "Fahrt locker und spürt, was vom Motorrad zurückkommt."

Ich spüre nichts.

Ich bin auch nicht locker.

Ich spüre nur, dass Motorradfahren anstrengend ist. Unter der Kombi wird es heiß.

Fliegen detonieren

Das mit den Kurven wird heute nichts mehr. Also bleibt nicht viel mehr, als auf der Start-Ziel-Geraden möglichst am Gasgriff zu drehen.

Ich drehe. Im Cockpit blitzt es weiß, ich habe vergessen zu schalten. Dann blinkt die Zahl 250 auf dem Tachometer auf. 500 Meter vor der Kurve beginne ich zu bremsen. Da, wo die Profis in den letzten Gang schalten. Sobald ich den Helm über die Verkleidung in den Wind halte, beutelt es ihn hin und her. Fliegen detonieren.

Schneller geht es nicht.

Plötzlich rast ein Motorrad vorbei. Am Lenker der ehemalige Grand-Prix-Fahrer Andy Meklau, auf dem Rücksitz die Gewinnspiel-Dame. Auf dem Hinterrad entschwinden beide Richtung Horizont.

Nach 30 Minuten die Rote Flagge, ich bin fertig, der linke Arm schmerzt. Motorrad auf den Ständer, eine Gratulation kommt vom Mann, der an der Boxenmauer lehnt. "Ich habe mitgestoppt", sagt er. "Zwei Minuten nullvier."

Auf die Piloten der MotoGP fehlen mir mehr als 40 Sekunden.

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