Sport | Motorsport
07.04.2017

Meilenstein für lebende Legende Valentino Rossi

Der Superstar begeistert Fans auf aller Welt. Am Sonntag bestreitet er seinen 350. Grand Prix.

Das Sport-Jahr 1996: Carl Lewis gewinnt die vierte olympische Goldmedaille im Weitsprung; Oliver Bierhoff schießt Deutschland gegen Tschechien zum EM-Titel; Thomas Muster wird die Nummer 1 der Welt; Rapid verliert das Europacupfinale gegen Paris Saint-Germain und ein 17-jähriger Bub aus einer kleinen Gemeinde an der Adria fährt seinen ersten Motorrad-Grand-Prix. Sein Name: Valentino Rossi.

Der Superstar

Mittlerweile ist Carl Lewis 55, Oliver Bierhoff Manager des deutschen Nationalteams, Thomas Muster längst in Pension und Rapid abstiegsgefährdet. Nur Rossi rast immer noch über die Rennstrecken dieser Welt. Aus dem kleinen Buben wurde einer der größten Stars der Motorsport-Geschichte. Am Sonntag absolviert der mittlerweile 38-Jährige in Argentinien seinen 350. Grand Prix. Ein weiterer Meilenstein in der an Meilensteinen so reichen Geschichte des Italieners.

Fast ein Drittel aller Rennen, nämlich 114, hat Valentino Rossi gewonnen, neun Mal wurde er Weltmeister, davon sieben Mal in der Königsklasse, die erst seit 2002 MotoGP heißt. Seine neongelbe Nummer 46 wurde zum Markenzeichen.

Rossi ist das Aushängeschild der spektakulären Motorsport-Serie. Wo die Nummer 46 draufsteht, steckt Show drinnen. Sein Kampf Mann gegen Mann auf der Rennstrecke begeistert die Fans ebenso wie sein extrovertiertes Auftreten abseits davon. Auf Twitter hat er mehr Follower als Lewis Hamilton, weltweit jubeln ihm die Zuschauer an den Rennstrecken zu – auch in der Höhle des Löwen in Spanien. Mit überwältigender Mehrheit wurde er Anfang 2010 zu Italiens Sportler des Jahrzehnts gewählt. Als Zeichen des Respekts nennt man ihn seit Jahren "The Doctor". Erst danach bekam er von der Universität Urbino den Titel Dr. h. c. für Kommunikation verliehen.

Um die 270-PS-Monster zu bändigen, braucht es nicht nur Können, sondern auch Fitness. Noch kann der 38-Jährige auch hierbei mit den Jüngsten mithalten, die seine Söhne sein könnten. "Das hat sich seit meiner Karriere am meisten geändert", sagte Rossi im Vorjahr in einem KURIER-Interview. "Heute sind die Fahrer unglaubliche Athleten. Früher konnte man weniger trainieren, länger aufbleiben, Bier trinken und trotzdem gewinnen."

Das Biertrinken dürfte er eingestellt haben, zumindest vor dem Rennen. Denn Rossi gewinnt noch immer. Im Vorjahr holte er zwei Siege, im ersten Rennen 2017 fuhr er in Katar von Startplatz zehn auf Rang zwei. Es war der Startschuss zur Jagd auf seinen zehnten Weltmeistertitel. "Natürlich ist es das höchste Ziel jedes Fahrers, Titel zu holen. Aber ich möchte Rennen gewinnen." Noch acht Siege fehlen auf die Rekordmarke von Giacomo Agostini. Doch Rossis Landsmann konnte seinerzeit parallel in verschiedenen Rennklassen antreten.

Schnelle Jugend

Die Konkurrenz ist groß, jung und schnell. Der 24-jährige Marc Márquez (ESP) holte 2013, 2014 und 2016 mit Honda den Titel und mit dem 22-jährigen Auftaktsieger Maverick Viñales (ESP) hat Rossi einen der talentiertesten Motorradfahrer als Teamkollegen bei Yamaha.

Für Rossi spricht die Erfahrung. 349 der 888 Grands Prix in der Geschichte der Motorrad-WM (seit 1949) hat er bestritten. Er ist der einzige aktive Pilot, der in Argentinien bereits auf der alten Rennstrecke in Buenos Aires fuhr (1998 und 1999). Und er ist weiterhin wissbegierig, das sei sein Erfolgsgeheimnis: "Ich hinterfrage mich ständig."