Kulisse: Das erste Formel-1-Rennen in Russland im Olympiapark - neben dem Sochipark mit seiner eher fragwürdigen Architektur.

© APA/EPA/SRDJAN SUKI

Formel 1
10/11/2014

Mercedes: Das erste Ziel einer Mission

Bevor das WM-Duell in die finale Phase geht, will Mercedes in Russland die Teamwertung gewinnen.

von Florian Plavec

Das Auto von Jules Bianchi ist rennfertig aufgebaut. Auf Hochglanz poliert steht der Marussia in der Box der Rennstrecke von Sotschi.

Und dort wird er bleiben.

Aus Respekt vor dem am Sonntag verunglückten Franzosen wird der Rennstall am Sonntag (Start 13 Uhr MESZ/live ORFeins, RTL, Sky) nur mit dem Auto von Max Chilton an den Start gehen. Am Donnerstag hatte Marussia noch Ersatzpilot Alexander Rossi (USA) auf die offizielle Meldeliste schreiben lassen.

Bianchi hat schwere Kopfverletzungen erlitten, der Zustand des 25-Jährigen ist nach Aussagen seines Vaters weiterhin kritisch. "Jules kämpft, wie er immer gekämpft hat. Wie auf der Strecke. Er ist stark", sagte Philippe Bianchi der französischen Zeitung Nice Matin.

Die Stimmung vor der Formel-1-Premiere in Russland ist spürbar getrübt. Bei der Sorge um den verletzten Piloten geht fast unter, dass das erste Rennwochenende der Formel 1 in Russland ein historisches werden könnte. Lewis Hamilton und Nico Rosberg könnten bereits den ersten Konstrukteurstitel in der Geschichte von Mercedes einfahren. Gewinnt einer der beiden, kann Titelverteidiger Red Bull das deutsche Team nicht mehr einholen, nur drei Rennen sind nach Sotschi noch zu fahren.

Für ein Formel-1-Team zählt (zumindest offiziell) der Titel in der Konstrukteurswertung oft mehr als jener in der Fahrerwertung. Nach der Rückkehr als Werksteam 2010 und ein paar beschwerlichen Jahren hätte Mercedes seine erste Mission erfüllt. Gerade im neuen Zeitalter der Hybridantriebe hätten die Silberpfeile ihren Ruf endlich aufpoliert.

Mehr als Prestige

Besonders wertvoll wäre der Titelgewinn gerade in Russland, einem riesigen Markt für Mercedes. Parallelen zwischen dem sportlichen Erfolg und dem Verkauf von Straßenfahrzeugen seien unübersehbar, sagt Motorsportchef Toto Wolff, der Mercedes am liebsten und ganz bewusst als "Premiumautomobilhersteller" bezeichnet. "Der Sport erschließt neue Gebiete und eröffnet neue Märkte", sagt der Wiener. "Unser Sport wird viele neue Fans bekommen und wir werden ein Rennwochenende erleben, auf das das Land stolz sein kann."

Und es schaut auch in Russland ganz gut aus für die Pläne von Mercedes. Im ersten Training lag Nico Rosberg vorne, Tagesschnellster war Lewis Hamilton.

Ich glaube daran

WM-Verfolger Nico Rosberg sprach über ...

... den Unfall von Jules Bianchi: Mir war schon am Podium in Japan klar, dass die Lage ernst ist. Da wird alles andere sehr schnell nebensächlich.

... die Folgen: Jeder Unfall in der Formel 1 wird analysiert und dann werden Schlüsse gezogen. Auch in der GPDA (der Fahrergewerkschaft) wird es mit Präsident Alexander Wurz weitere Gespräche geben, wie wir den Sport sicherer machen können.

... seine Gefühle: Ich muss die Emotionen aus dem Auto draußen lassen. Sobald ich das Visier zuklappe, muss ich Vollgas geben können. Das ist schwer, aber ich habe selbst schon heftige Unfälle gehabt.

... die neue Strecke in Sotschi: Mir gefällt das. Ich habe viel Zeit im Simulator verbracht, um die richtigen Linien und richtigen Gänge zu finden.

... den WM-Kampf: Ich glaube daran. Wenn ich einen guten Job mache, fahre ich am Samstag Pole und gewinne am Sonntag das Rennen. Das Rennen in Suzuka muss ich hinter mir lassen, das war mit Platz zwei enttäuschend.

Der Titel würde alles verändern

Der WM-Führende Lewis Hamilton sprach über ...

... den Unfall von Jules Bianchi: Als ich in Japan über die Ziellinie gefahren bin, war ich glücklich. Als ich in der Box gehört habe, was mit Jules geschehen ist, war das alles nicht mehr wichtig. Meine Gedanken und Gebete sind bei ihm und seiner Familie.

... die Folgen: Es werden jetzt Forderungen nach einem geschlossenen Cockpit laut. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, ich kenne Rennfahren nur ohne Dach über dem Kopf.

... seine Gefühle: Für mich ist das hier ein ganz schweres Wochenende. Es ist ein komisches Gefühl, hier über das Rennfahren zu sprechen.

... die neue Strecke in Sotschi: Ich bin ehrlich beeindruckt von dem Umfeld hier. Ich habe Russland bisher immer nur mit Kälte und Schnee verbunden. So habe ich Russland aus den Filmen gekannt.

... den WM-Kampf: Ich weiß, dass ich im Rennen sehr schnell bin. Der Titel würde alles verändern. Er würde einen Unterschied in meinem Leben ausmachen.

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