© Daimler AG/Mercedes/Sebastian Kawka

Sport Motorsport
11/22/2019

Konkurrenz holt auf: Elektro-Schock für die Formel 1?

In Riad beginnt die neue Saison der Formel E. Die elektrische Serie will eine Konkurrenz für die Königsklasse werden.

von Florian Plavec

Zuerst belächelt, hat sich die Formel E innerhalb weniger Jahre in der Welt des Motorsports etabliert. Am Freitag geht es mit dem ersten von zwei E-Prix in Saudi-Arabien (13.00 Uhr MEZ/live Eurosport) in die sechste Saison. Was ist neu? Was gibt es zu beachten? Und muss sich die Formel 1 fürchten?

Warum engagieren sich Teams wie Porsche oder Mercedes in der Formel E?

Audi, BMW, Nissan und Jaguar waren schon dabei, mit Porsche und Mercedes kommen zwei große Namen neu dazu. Nachhaltigkeit und Elektromobilität sind für Autohersteller die Stichwörter der Stunde. Die Erfahrungen aus der Formel E sollen auch in die Produktion der zivilen Fahrzeuge einfließen, vor allem was Batterien und Energiemanagement betrifft. Zudem soll das „grüne“ Image der Formel E auf die Autohersteller abfärben. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bestätigt: „Die Formel E ist urban und geht andere Zielgruppen an als die Formel 1. Die Elektrifizierung unserer Serienautos findet parallel statt. Die Formel E passt da als Marketing-Plattform sehr gut.“

Ist die Formel E tatsächlich so viel sauberer als die Formel 1?

Das ist umstritten. Zwar sind die Elektromotoren in ihrem Wirkungsgrad von mehr als 95 Prozent fast unübertroffen, denn nur fünf Prozent der Energie gehen (als Wärme) verloren. Doch auch die Batterien (eigentlich: Akkus) müssen geladen werden. Zudem belastet deren Herstellung die Umwelt. Auf der anderen Seite gelten die 1.000 PS starken Hybrid-Motoren der Formel 1 als die effizientesten Verbrennungsmotoren der Welt mit einem Wirkungsgrad von mehr als 50 Prozent. Zum Vergleich: Ein normaler Ottomotor hat einen Wirkungsgrad von ungefähr 35 Prozent.

Sind Teams in der Formel 1 und in der Formel E engagiert?

Ja, Mercedes. Für die Silberpfeile ist das kein Widerspruch. So wurden etwa beide Antriebseinheiten in der Fabrik in Brixworth hergestellt. Das Personal musste man nicht aufstocken, sondern lediglich umschichten.

Was unterscheidet die Rennserien sonst?

Bei der Formel 1 werden nur 7 von 21 Rennen in Städten ausgetragen, die Formel E findet ausschließlich auf Stadtkursen statt. So sollen die Rennen zu den Zuschauern gebracht werden und nicht umgekehrt. Zudem werden Trainings, Qualifying und Rennen an einem Tag absolviert.

Erwächst der Formel 1 nun eine ernsthafte Konkurrenz?

Noch nicht. Die Formel 1 wird zu Recht als „Königsklasse“ bezeichnet. Die Autos sind schneller, die Fans an den Strecken mehr, die Einschaltquoten höher. Trotzdem könnte die benzinbetriebene Rennserie in Zukunft ein Image-Problem bekommen. Lewis Hamilton gilt etwa als Fan von Umweltaktivistin Greta Thunberg – und der Weltmeister hat bereits laut über einen Wechsel in die Formel E nachgedacht. „Die Formel E ist die Zukunft“, sagt der 34-Jährige. Spekulationen, wonach Mercedes der Formel 1 bald den Rücken kehren werde, wollte Toto Wolff nicht kommentieren.

Wo sind die besseren Fahrer im Einsatz?

Eindeutig in der Formel 1. Alle bisherigen Meister der Formel E fuhren zuvor in der Formel 1, wo sie sich nicht durchsetzen konnten. Die Titel holten der Brasilianer Nelson Piquet jr. (2014/’15), der Schweizer Sébastien Buemi (’15/’16), der Brasilianer Lucas di Grassi (’16/’17) und der Franzose Jean-Éric Vergne (’17/’18, ’18/’19). Weitere Fahrer mit Formel-1-Vergangenheit im aktuellen Starterfeld sind Jérôme D’Ambrosio (BEL), Pascal Wehrlein (GER), Stoffel Vandoorne (BEL) und natürlich Felipe Massa (BRA).

Was ist neu in der am Samstag startenden Saison 2019/’20?

1.) Mit 12 Teams und 24 Fahrer ist das Feld so groß wie noch nie.

2.) Während einer Unterbrechung (z.B. Safety-Car) wird jedem Wagen 1 kWh von der zur Verfügung stehenden Energie abgezogen. Dadurch rückt die Energieeffizienz mehr in den Vordergrund.

3.) Im Falle einer Unterbrechung wird die Rennzeit (45 Minuten + 1 Runde) angehalten, damit ein E-Prix über die volle Distanz geht.

4.) Für die schnellsten Fahrer der jeweiligen Qualifying-Gruppe gibt es nun einen Extra-Punkt. Wie bisher bekommt der Pole-Setter drei zusätzliche Zähler. Im Rennen selbst werden die Punkte dann so wie in der Formel 1 vergeben (1. Platz: 25 Punkte, 10. Platz: 1 Punkt).

Saison Formel-E-Saison 2019/’20:

Es  stehen 14 Events in zwölf Städten auf dem Programm. Neu im Kalender sind Seoul und Jakarta im Frühling, ein Comeback feiert London, wo Ende Juli die zwei Finalläufe stattfinden. Die europäischen Rennen in Rom, Paris, Berlin und London sind als European Races in einer eigenen Serie zusammengefasst. Namenssponsor ist der Voestalpine-Konzern.

22./23. November: Diriyya E-Prix (Saudi-Arabien)

18. Jänner: Santiago E-Prix (Chile)

15. Februar: Mexiko-Stadt E-Prix (Mexiko)

29. Februar: Marrakesch E-Prix (Marokko)

21. März: Sanya E-Prix (China)

4. April: Rom E-Prix (Italien)

18. April: Paris E-Prix (Frankreich)

3. Mai: Seoul E-Prix (Südkorea)

6. Juni: Jakarta E-Prix (Indonesien)

21. Juni: Berlin E-Prix (Deutschland)

11. Juli: New York E-Prix (USA)

25./26. Juli: London E-Prix (Großbritannien)

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