© REUTERS/JENNIFER LORENZINI

Sport Motorsport
04/18/2021

Grüne Zukunft: Wie die Formel 1 umweltfreundlicher werden will

Die Königsklasse des Motorsports will in naher Zukunft klimafreundlicher werden und 2030 CO2-neutral sein.

von Florian Plavec

Verbrannter Reifengummi, kreischende Motoren, der Geruch von Benzin in der Luft – das macht für viele Motorsportfans die Faszination aus. Doch ist dieser Zugang noch zeitgemäß? Ist es in Zeiten des Klimawandels zu vertreten, dass auf den Rennstrecken dieser Welt Wochenende für Wochenende Tonnen an im Zeichen des Motorsports in die Luft geblasen wird?

Seit Jahrzehnten versucht vor allem die Formel 1 ihr schlechtes Umwelt-Image zu verbessern und kündigt an, klimafreundlicher werden zu wollen. Einen ersten Schritt machte man 2014 mit der Einführung der Hybrid-Antriebe. Einen weiteren mit dem immer wiederkehrenden Hinweis auf die Effizienz der Formel-1-Motoren, die 50 Prozent der Energie in Vortrieb umsetzen. Serienautos schaffen nur circa 30 Prozent.

Und dann werden gerne die absoluten Zahlen in Relation gesetzt: 2019 belief sich der ökologische Fußabdruck der Formel 1 auf 256.551 Tonnen.

Nur 0,7 Prozent davon stammen aus den Emissionen der Antriebe. Viel mehr Ressourcen verbrauchen etwa Logistik und Geschäftsreisen des Trosses (zusammen 72,7 Prozent) oder Büros und Fabriken (19,3 Prozent).

Druck der Hersteller

Doch der Druck wächst. Vor allem jener der Autohersteller, die hinter vielen Teams stehen. Diese wollen und müssen ihre zivile Flotte sauberer machen und Elektrofahrzeuge verkaufen – ein aktuelles Formel-1-Auto ist da kein Vorzeigeobjekt, auf das man stolz sein kann.

Emilia Romagna Grand Prix

Sebastian Vettel ist einer jener Piloten, die glaubhaft für den Umweltschutz eintreten – und auch eintreten müssen, wollen sie ihren Sport in eine positive Zukunft führen. „Die Formel 1 sollte sich ihrer Vorreiterrolle wieder bewusst werden. Andernfalls besiegeln wir unseren Abstieg in die Irrelevanz“, sagte der 33-jährige Deutsche.

Nach wenig erfolgversprechenden Versuchen mit Abfall oder Algen arbeiten Experten nun mit synthetischen Kraftstoffen, die auf Wasserstoff als Grundprodukt setzen. Wasserstoff hat den Vorteil, in der Natur nahezu unendlich vorhanden zu sein und außerdem klimaneutral hergestellt werden zu können. Zur Herstellung benötigt man regenerativen Strom – idealerweise überschüssigen Wind- oder Solarstrom, den das Netz nicht aufnehmen kann.

Die auf Wasserstoff basierenden Treibstoffe können im Vergleich zu herkömmlichem Benzin sehr sauber verbrennen. Motoren in Neufahrzeugen müssen bereits für synthetischen Sprit ausgelegt sein. Der große Nachteil ist der hohe Wirkungsverlust aufgrund der Herstellung. Am Ende bleiben nur 10 bis 15 Prozent der Energie für den Vortrieb über. Zum Vergleich: Beim Elektroauto sind es 70 bis 80 Prozent.

Doch Vettel sieht die Zukunft nicht in einer Formel E: „Elektromobilität ist nicht das Allheilmittel. Großes Potenzial sehe ich in der Entwicklung eines nachhaltigen Kraftstoffs.“ Einen ähnlichen Zugang hat auch Gilles Simon, der Technikchef der FIA. „Im Vergleich zum Rennsport ist die Politik eher träge“, sagte der Franzose zu auto motor und sport. „Wenn wir durch unsere Forschung in der Lage sind zu demonstrieren, dass wir Fortschritte auf dem Gebiet der nachhaltigen Kraftstoffe machen, dann kann das die Politik nicht ignorieren.“

Wenn die Formel 1 nicht aufpasst, wird sie bald ein ernsthaftes Problem bekommen

Sebastian Vettel | über die Zukunft der Formel 1

Denn mit E-Fuels könnten eine Milliarde Fahrzeuge betrieben werden. Autohersteller erwarten, dass selbst im Jahr 2030 weltweit 90 Prozent der Autos mit Treibstoff (und nicht ausschließlich mit Strom) angetrieben werden.

Grüner werden

Die Formel 1 will jedenfalls grüner werden. Mit dem neuen Motorenreglement sollen die Autos ab 2025 mit zu 100 Prozent nachhaltigem Treibstoff angetrieben werden. Fünf Jahre später soll der gesamte Tross -neutral sein. Neben den Rennautos sind das also auch die Fabriken, die ihren Strom dann aus Solar- oder Windenergie beziehen sollen. Dazu kommt noch der Transport von Mensch und Material von Rennen zu Rennen. Grands Prix sollen vorwiegend dort stattfinden, wo Fans mit der Bahn anreisen können.

Langfristig könnte der Wandel für die gesamte Formel 1 positive Folgen haben. So sagte etwa der Steirer Fritz Enzinger, Motorsportchef von Porsche bei der BBC: „Ein Formel-1-Einstieg wäre von großem Interesse, wenn Aspekte der Nachhaltigkeit dabei eine Rolle spielen.“ Ein mögliches Engagement in der Formel 1 von Porsche oder Audi will aber niemand bestätigen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.