In Bahrain "ist alles friedlich"

In Bahrain "ist alles friedlich"
Trotz Protesten und Ausschreitungen gab Bernie Ecclestone grünes Licht für den Grand Prix im Königreich.

Donnerstagnachmittag in einem Vorort von Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Wieder gehen die Menschen auf die Straße, fordern die Freilassung des zu lebenslanger Haft verurteilten Abdulhadi Al-Khawaja. Der Menschenrechtsaktivist ist ins Koma gefallen, nach einem 64-tägigen Hungerstreik. Dann eskalieren die Proteste gegen die Herrscherfamilie, es fliegen Brandsätze, die Polizei setzt Tränengas ein. Die Menschen schützen sich mit Tüchern, rennen dann davon.

Freitagvormittag in Schanghai. Bernie Ecclestone spricht ein Machtwort: "Das Rennen von Bahrain steht auf dem Kalender. Wir werden dort sein. Das ist zu 200 Prozent sicher. Alle Teams sind einverstanden", sagt der Formel-1-Boss. "Alle sind glücklich."

So einfach geht’s.

Der 81-Jährige erklärte die Diskussionen um eine Absage des Rennens am 22. April für beendet. Nach der Entscheidung des Internationalen Automobilverbands FIA wird das vierte Saisonrennen planmäßig stattfinden.

"Wir haben eine Aussendung der FIA bekommen, auf die müssen wir uns verlassen", sagt der Österreicher Toto Wolff, der Miteigentümer von Williams.

Man habe ständig Sicherheitsinformationen von Diplomaten und Experten eingeholt, hieß es in der FIA-Mitteilung. Zudem habe FIA-Präsident Jean Todt in Bahrain mit Ministern und Botschaftern gesprochen. Trotzdem werden die Teams zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen treffen, kündigte Red-Bull-Teamchef Christian Horner an. Laut Bild-Zeitung denkt auch Mercedes über eigene Bodyguards für seine Fahrer nach.

Kritik

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon äußerte sich am Donnerstag "besorgt über den übermäßigen Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten". Amnesty International hatte eine Absage des Rennens gefordert, um auf die "besorgniserregende Situation im Land" hinzuweisen. Ein Formel-1-Teamchef, der anonym bleiben wollte, sagte im Guardian: "Ich fühle mich sehr unwohl betreffend Bahrain. Andere Teamchefs haben dieselben Bedenken."

Ein mulmiges Gefühl beim Gedanken an das Rennen wird auch McLaren-Fahrer Jenson Button haben. 2010 wurde die Limousine des Engländers beim GP in Brasilien von sechs Männern mit Pistolen und Gewehren angegriffen. Eine Katastrophe verhinderte nur der Chauffeur, der Vollgas gab und dabei einige Autos rammte. Auf die Frage, wie im Falle von Bahrain entschieden werden solle, antwortete Button am Donnerstag: "Ich bin nicht Gott."

Doch einer wusste die Antwort auf die Frage: Bernie Ecclestone. Und der ging auch gleich in die Offensive: "Das Ganze ist ein Problem, das von den Medien diskutiert wurde. Sie haben aber keine Ahnung, was da wirklich passiert. Ich kenne Leute, die dort leben. Es ist alles ruhig und friedlich."

Mehr zum Thema

  • Ergebnisse

  • Hauptartikel

Kommentare