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27.04.2018

Freitag in Baku: Verstappen crasht, Ricciardo ist Schnellster

Während Daniel Ricciardo seine Anwärterschaft auf den Sieg in Baku unterstrich, bestätigte Max Verstappen seine Kritiker.

Es läuft noch nicht so richtig für Max Verstappen. Im Gegenteil. Als einer der Mitfavoriten war er vor einem Monat in die Saison gestartet. Nach drei Rennen liegt er in der WM-Wertung nur auf Rang acht.

Zum Auftakt in Australien wurde der 20-Jährige nach einem Dreher noch Vierter; in Bahrain kam es zu einer Berührung mit Hamilton, und der Niederländer fiel ans Ende des Feldes zurück; eine Woche später attackierte er viel zu ungestüm, fuhr Vettel ins Auto und wurde mit einer Zeitstrafe belegt. Vettel nahm die Entschuldigung an und sagte: „Damit ist das Thema erledigt.“

Des Vaters Kritik

War es aber nicht. Denn gerade als sich die Aufregung gelegt hatte, zündelte plötzlich Verstappens Vater Jos. Im niederländischen Fernsehen sagte der ehemalige Formel-1-Pilot, dass sein Sohn beim Nachdenken wohl Defizite hätte. „Er muss es unter Kontrolle haben. Er muss einfach mehr denken.“ Der Junior reagierte gefasst – und bezeichnete seinen Vater als schärfsten Kritiker.

Gestern krachte es im ersten Training in Baku schon wieder. Zuerst war Verstappen der Schnellste auf der Strecke, dann zerlegte er seinen Red Bull mit einem Crash in die Streckenbegrenzung – und bestätigte damit seine Kritiker.

Sein Team steht weiterhin voll hinter dem Jungstar. Doch während sich Daniel Ricciardo vor zwei Wochen in China als Sieger feiern ließ, wächst der Druck auf Verstappen. „Er macht gerade eine schwierige Zeit durch“, sagte der besonnene Christian Horner, der Teamchef von Red Bull, im Interview mit Sky Sports F1. „Aber er wird es überstehen. Er braucht jetzt ein ordentliches Qualifying und ein gutes Rennen.“ Horner räumte auch ein, nach dem China-Crash Verstappen zum Gespräch gebeten zu haben. „Mit der Erfahrung wird er auch lernen, dass er nicht bei jedem Überholmanöver der Superheld sein muss.“

Helmut Marko hält seine schützende Hand über Verstappen: „Er soll seinen Fahrstil nicht ändern“, sagte der Motorsportberater von Red Bull im ORF. „Aber es fehlt ihm ein gewisses Maß an Beherrschtheit. Er könnte geduldiger werden und eine Spur mehr überlegen.“

Selbstbewusst

An seinen Qualitäten zweifelt der hochtalentierte Verstappen aber nicht. Im Gegenteil, gestärkt fühle er sich: „Man lernt aus solchen Situationen, man lernt aus jedem Rennen.“ Wird Verstappen jetzt konservativer an die Sache herangehen, vielleicht gar vom Gas gehen? „Das wäre der falsche Ansatz“, sagt er. Vielleicht müsse er kontrollierter in die Zweikämpfe gehen. Doch die Kontroverse hätte vor allem eines gezeigt: „Beim Überholen muss ich noch schneller sein.“

Die bessere Darbietung legte am Freitag sein Teamkollege Ricciardo hin. Am Vormittag Zweiter hinter Valtteri Bottas im Mercedes, am Nachmittag dann Schnellster vor Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Da schaffte Verstappen immerhin den Sprung auf Rang drei - und hatte dennoch Kopfschmerzen: Kurz vor Schluss musste Verstappen im Kriechgang an die Boxengasse, weil sich an seinem Renault-Motor ein Problem anbahnte.