Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Ferrari-Sieg beim Rekordrennen der Formel 1 in Silverstone

Charles Leclerc gewann hinter dem Safety-Car. WM-Leader Antonelli blieb ohne Punkte. Noch nie waren so viele Zuschauer bei einem Grand Prix.
Charles Leclerc gewann vor Lewis Hamilton

Sieg für Ferrari beim Grand Prix in Silverstone. Charles Leclerc gewann ein Rennen, das hinter dem Safety-Car beendet wurde vor den drei Briten George Russell (Mercedes), Lewis Hamilton (Ferrari) und Lando Norris (McLaren). Kimi Antonelli sah mit seinem Mercedes schon wie der Sieger aus. Doch ein Defekt beendete alle Hoffnungen des WM-Führenden.

Rekordbesuch an der Rennstrecke

Insgesamt 564.000 Fans waren am gesamten Rennwochenende an der Strecke. So viele, wie bei keinem der 1.157 Formel-1-Grands Prix zuvor. 

Sie sahen einen Kimi Antonelli, der wieder einmal Probleme am Start hatte. Beide Ferrari-Piloten flogen am Mercedes des Italieners vorbei. Leclerc übernahm die Führung, Hamilton folgte auf Rang zwei, bekam am Funk aber bald die Meldung über eine 5-Sekunden-Strafe übermittelt. Der Ferrari des Briten hatte sich vor dem Start bewegt.

Als Antonelli Hamilton überholen konnte, hatte Leclerc schon mehr als 4 Sekunden Vorsprung. Beide Ferraris fuhren zum Reifenwechsel an die Box, Antonelli blieb länger auf der Strecke und übernahm somit auch die Führung im Rennen. Erst in der 36. Runde holte sich der Italiener neue, harte Reifen ab. 7 Sekunden lag er zu diesem Zeitpunkt hinter Leclerc. 

Großes Pech für Kimi Antonelli

Alles sah danach aus, als könnte der WM-Leader den Rückstand auf Leclerc gutmachen und das Rennen gewinnen, doch plötzlich rollte er an die Box. Die Front wurde getauscht, ebenso die Reifen. Doch der Mercedes hatte einen Defekt, noch einmal musste sein Auto zum Service, schließlich blieb Antonelli ohne Punkte.

Max Verstappen hatte sich nach dem Qualifying am Samstag (Rang 6) die Sinnfrage gestellt. In diesem Zustand würde es kaum Sinn machen, ins Rennen zu starten. Selbstverständlich startete der vierfache Weltmeister trotzdem. Der Niederländer sah sich als Dritter schon auf dem Podest, doch plötzlich rutschte er mit seinem Red Bull ins Kiesbett. 

Das Safety-Car kam raus und sammelte das Feld hinter sich auf. Die Ferrari-Piloten Leclerc und Hamilton holten sich noch einmal frische Reifen ab, Russell blieb auf der Strecke und kam so noch an Hamilton vorbei.

Leclerc: „Habe mich immer wohler gefühlt“

„Der Sieg fühlt sich unglaublich an“, sagte der erstmalige Silverstone-Sieger Leclerc Augenblicke nach dem Grand-Prix-Finish. Für den Monegassen ist es die Bestätigung der harten Arbeit, die die Scuderia in den vergangenen Wochen geleistet hat. „Ich habe mich im Lauf des Wochenendes immer wohler im Auto gefühlt und heute war es endgültig wieder da. Ich bin einfach glücklich“, ergänzte er.

Wie Leclerc erlebte auch Russell auf dem Traditionskurs eine Premiere: Es ist sein erstes vor heimischem Publikum, „auch wenn es eigentlich ein unglückliches Rennen für mich gewesen ist“. Er habe gehofft, dass das Rennen nicht hinter dem Safety-Car beendet würde. Das Wochenende sei „ein schwieriges“ gewesen, man habe im Qualifying „Geschwindigkeitsprobleme“ auf den Geraden gehabt.

Hamilton stellte „ganz große Glückwünsche an Charles“ aus, haderte aber insgesamt mit dem Rennverlauf: „Ich habe einen Fehlstart gehabt und Charles hat die bessere Pace gehabt“, sagte der Rekordweltmeister. Ob es nun einen WM-Kampf gegen Mercedes geben werde? „Das weiß ich nicht“, betonte er.

„Schau, wie er hingehalten hat“

„Es ist leider wieder ein Deja-vu“, sagte Toto Wolff gegenüber dem ORF zum Defekt am Antonelli-Mercedes. „Es ist der dritte Ausfall, wo wir ein Rennen hätten wieder gewinnen können. Und du kannst nicht um eine WM fahren, wenn du 75 Punkte so leichtfertig liegen lässt. Es ist vorne irgendwas gebrochen und das darf nicht sein“, analysierte der Wiener.

Antonelli sei bei der Überfahrt des Randsteins in der Copse-Kurve „nicht anders gefahren als sonst. Der Randstein ist dort unheimlich hoch. Er hat richtig hingepusht, aber das (Teil) darf einfach nicht brechen.“ Es seien „alle möglichen Teile weggestanden“, man versuche nun, die Fünf-Sekunden-Strafe annulliert zu bekommen, die Antonelli einen Punkteplatz gekostet hat.

Der Jungstar gab sich nach dem Auftreten des Schadens heldenhaft, sprach sich mit Ingenieur Peter Bonnington ab, das Rennen doch zu Ende fahren zu wollen. Wolff gab sich imponiert, auf die Frage, ob das der Stoff sei, aus dem Heldengeschichten geschrieben seien, sagte der Teamchef: „Ich hoffe. Ich hoffe, dass man am Jahresende, wenn alles gut gelaufen ist, diese Szenen widerspiegelt und sagt: ‚Schau, wie er hingehalten hat‘, aber im Moment tut es weh.“

Diskussionen um den Rennkalender

Vor der Sommerpause stehen noch die Rennen in Belgien (19. Juli) und Ungarn (26. Juli) auf dem Programm. Bis dahin soll geklärt sein, ob zumindest eines der beiden abgesagten Rennen (Saudi-Arabien, Bahrain) nachgeholt wird. „Wenn sich eine Chance bietet, warum nicht?“, sagte Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali. Laut Sky Sports F1 soll der Grand Prix von Bahrain favorisiert sein. Das Rennen könnte am ersten Oktober-Wochenende zwischen den Events in Aserbaidschan und Singapur stattfinden.

Sollten die beiden letzten Grands Prix des Jahres in Katar (29.11.) und Abu Dhabi (6.12.) wegen der Situation im Nahen Osten nicht stattfinden können, würde wohl Portimao in Portugal eines der beiden Rennen übernehmen können.

Kommentare