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27.11.2018

Formel-1-Rückblick: Aufreger, Aufsteiger und Aussteiger

Die Saison im Rückspiegel: Ein überragender Hamilton, ein angeschlagener Vettel, ein Abschied ohne Wehmut.

Eigentlich ging es in dem Gespräch nach dem Grand Prix in Abu Dhabi nur um die Freizeitplanung bis zum Saisonstart 2019. Was man in den Winterferien so machen sollte?, war die Frage eines Journalisten. „Ein weiteres Baby?“, fragte Sieger Lewis Hamilton grinsend in Richtung Sebastian Vettel. „Ist schnell gemacht“, antwortete der Vater zweier Töchter: „Wenn du Tipps brauchst, ich weiß wie es geht.“

Zumindest in Sachen Familienplanung ist der 31-jährige Vettel dem 33-jährigen Hamilton zwei Schritte voraus. In der Formel-1-Weltmeisterschaft hatte er auch dieses Jahr wieder das Nachsehen. Ein Rückblick.

Der souveräne Weg zum Titel des Lewis Hamilton.

Der Weltmeister wollte es bei der Siegerehrung der ganzen Welt zeigen: „Still rise“ („Ich wachse weiter“) hat er auf seinem Rücken tätowiert. Hamilton lieferte eine überragende Saison ab, leistete sich kaum Fehler und zog in entscheidenden Momenten manchmal sogar zurück. Er siegte auch nach dem fixierten WM-Titel in Mexiko weiter, gewann in Brasilien und Abu Dhabi. „Die Mannschaft hat so hart gearbeitet, ich wollte unbedingt für sie die Saison stark abschließen.“

Der Rückschlag im Heimspiel  des Sebastian Vettel

Der Deutsche startete mit zwei Siegen überragend in die Saison, als Führender kam er zum Heimrennen. Doch Vettels Hoffnungen auf seinen ersten Triumph in Hockenheim endeten im Kiesbett, in Führung liegend schmiss er den Sieg auf nassem Asphalt weg. Hamilton hingegen gelang ein  Kunststück: Von Startplatz 14 raste der Engländer zum Sieg und zur WM-Führung. „Wir müssen uns jedes Detail anschauen und als Gruppe gestärkt nächstes Jahr zurückkommen“, sagte Vettel in Abu Dhabi. Doch die Beziehung zwischen Ferrari und Vettel scheint belastet zu sein.


Der Aufstieg des Charles Leclerc.

Im Vorjahr noch in der Formel 2, heuer beim Schweizer  Mitläufer Sauber in der Formel 1, wird der 21-jährige Monegasse nun zum Größten wechseln, was es in der Formel 1 gibt: Ferrari. Dort ist dann Schluss mit lustig, der Job bei der Scuderia ist ein Staatsauftrag. Doch Leclerc, die Entdeckung des Jahres, kündigt an: „Ich werde härter als jemals zuvor arbeiten, um euch nicht zu enttäuschen.“ Für Neo-Teamkollege Vettel wird die Situation dadurch nicht einfacher.

Die Schock-Momente des Jahres.

Den Zuschauern stockte der Atem, als in Abu Dhabi der Renault von Nico Hülkenberg durch die Luft gewirbelt wurde und schließlich mit der Oberseite voran in die Barrieren krachte. Wie der Deutsche blieben auch Alonso und Leclerc beim Crash des Jahres in Spa unverletzt. Es zeigte sich einmal mehr: Die Formel-1-Autos der Gegenwart sind sicher. Wurde zu Beginn der Saison noch über den Halo gelästert, hat man sich mittlerweile an den Sicherheitsbügel gewöhnt.

Der Abschied des zweifachen Weltmeisters.

Aus dem unterlegenen McLaren holte Alonso das Maximum heraus, mehr als WM-Rang elf schaute nicht heraus. Nach 311 Formel-1-Rennen scheint dem 37-Jährigen der Abschied nicht sonderlich schwer zu fallen.

Das Hoppala des Supermodels.

In Montreal schwenkte Winnie Harlow die Zielflagge eine Runde zu früh und sorgte deshalb für ein Chaos. Das Supermodel aus Kanada war allerdings schuldlos, sie hatte von der FIA eine falsche Anweisung bekommen.

Das Katastrophenjahr des Traditionsrennstalls.

Neun Mal gewann Williams die Konstrukteurs-WM, 1997 holte Jacques Villeneuve (CAN) zum bislang letzten Mal den Fahrer-Titel. Doch viel tiefer kann man kaum fallen, Sirotkin und Stroll holten in 21 Rennen gemeinsam 7 Punkte. Als Entwicklungshelfer wurde nun der 34-jährige Robert Kubica geholt, ein Helfer mit Handicap: Nach seinem Rallye-Crash 2011 ist sein rechter Arm nur noch sehr eingeschränkt einsatzfähig.

Die Aufreger des Kimi Räikkönen.

In Bahrain wurde er bei einem Boxenstopp zu früh abgefertigt, ein Mechaniker kam dabei unter das Hinterrad des Ferrari und brach sich Schien- und Wadenbein. Ein halbes Jahr später stand der Finne abermals im Fokus. Nach 2044 Tagen und 113 Rennen ohne Sieg gewann er in den USA. Rekord!

Der Tod des großen Ferrari-Machers.

Am 25. Juli verlor Ferrari-Präsident Sergio Marchionne mit 66 Jahren den Kampf gegen den Lungenkrebs. Beim Team brach eine Welt zusammen, fast zeitgleich geriet Vettel im WM-Kampf in Rückstand.

Die KURIER-Zeugnisse für die Piloten:

Formel-1-Fahrerzeugnisse

1/20

408 Punkte: Lewis Hamilton (33/ENG/Mercedes) Sein Auftreten war sowohl auf als auch neben der Strecke makellos. Mit seinem fünften WM-Titel hat er nur noch Michael Schumacher vor sich. 5 von 5 Sternen

320 Sebastian Vettel (31/GER/Ferrari) Von seinem Team unter Druck gesetzt, passierten dem Deutschen und seiner Crew vermeidbare Fehler. Fünf Saisonsiege, der letzte allerdings Ende August.  3,5 von 5 Sternen

251 Kimi Räikkönen (39/FIN/Ferrari) Als Helfer von Vettel gestartet, ließ der 39-Jährige mehrmals sein Können aufblitzen. Ein Sieg auf der Abschiedstournee im Ferrari. 3,5 von 5 Sternen

249 Max Verstappen (21/NED/Red Bull)  Schnell war er schon immer, nun hat er auch (die meisten) Fehler vermieden. 4,5 von 5 Sternen

247 Valtteri Bottas (29/FIN/Mercedes)  Chancen- und sieglos gegen Hamilton, aber Team-Weltmeister.  3 von 5 Sternen

170 Daniel Ricciardo (29/AUS/Red Bull)  Zwei Siege, aber das Pech (acht Ausfälle) reicht für eine ganze Karriere. 4 von 5 Sternen

69 Nico Hülkenberg (31/GER/Renault)   Der Beste hinter den Top-3-Teams, doch nach 156 Rennen ohne Podestplatz. 3,5 von 5 Sternen

62 Sergio Pérez (28/MEX/Force India)   Rang drei in Baku war der Höhepunkt eines sonst durchschnittlichen Jahres. 3 von 5 Sternen

56 Kevin Magnussen (26/DEN/Haas)   Harte Manöver gegen die Konkurrenten, aber elf Mal in den Punkterängen. 3 von 5 Sternen

53 Carlos Sainz jr. (24/ESP/Renault)   Schwankende Leistungen im soliden Renault-Boliden. Startet 2019 bei McLaren. 3 von 5 Sternen

50 Fernando Alonso (37/ESP/McLaren)  Der Doppelweltmeister kämpfte, schimpfte - und holte das Maximum heraus. 4 von 5 Sternen

49 Esteban Ocon (22/FRA/Force India)  Ocon gilt weiter als Talent, 2019 darf er aber nur (für Mercedes) testen.  3 von 5 Sternen  

39 Charles Leclerc (21/MON/Sauber) Gleich in der Rookie-Saison gelang der Durchbruch. 2019 sitzt er im Ferrari. 4 von 5 Sternen  

37 Romain Grosjean (32/FRA/Haas)   Abgehängt von Magnussen, doch das Team hält auch 2019 am Franzosen fest. 2 von 5 Sternen

29 Pierre Gasly (22/FRA/Toro Rosso)  Sensationell Vierter in Bahrain, 2019 neben Max Verstappen im Red Bull. 3 von 5 Sternen

AUTO-F1-PRIX-JPN

12 Stoffel Vandoorne (26/BEL/McLaren) 0:21 im Qualifying-Duell gegen Teamkollege Alonso. 2019 in der Formel E.  0 von 5 Sternen

9 Marcus Ericsson (28/SWE/Sauber) 2019 wird er zum Sauber-Testpiloten degradiert. Zu Recht. 1 von 5 Sternen  

6 Lance Stroll (20/CAN/Williams) Der brave Bub steigt 2019 dank des reichen Vaters auf RP Force India um. 1,5 von 5 Sternen

4 Brendon Hartley (29/NZL/Toro Rosso) Der Spätstarter konnte seine Chance in der Königsklasse nicht nutzen.  0,5 von 5 Sternen  

1 Sergei Sirotkin (23/RUS/Williams) Potente Sponsoren, aber zu wenig Speed. Die F1-Karriere ist wieder vorbei.  0 von 5 Sternen