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Sport Motorsport
09/21/2012

Formel 1: Nachtarbeit ohne Überstunden

Die Formel 1 gastiert in Singapur. In einer Stadt, die auf jeden Fall an diesem Wochenende niemals schläft.

von Florian Plavec

Wenn Jenson Button und Lewis Hamilton um vier Uhr in der Früh an der Hotelbar sitzen,
... wenn Michael Schumacher nach Mitternacht mit dem Fahrrad auf der Grand-Prix-Strecke unterwegs ist,
... wenn Sebastian Vettel die ganze Nacht Videofilme anschaut,
... dann ist die Formel 1 in Singapur angekommen.

"Wir bleiben alle in der europäischen Zeit, weil das Rennen erst um 20 Uhr Ortszeit anfängt", sagt Doppelweltmeister Vettel. "Viele Fahrer stehen so gegen 14 Uhr auf." Mercedes-Mann Nico Rosberg simuliert in seinem Hotel mit heruntergelassenen Rollos die tiefe Nacht und sagt: "Man gewöhnt sich schnell daran." Einige Piloten trainieren mitten in der Nacht, damit sich der Körper nicht auf die neue Ortszeit einstellt – denn Singapur ist Mitteleuropa sechs Stunden voraus.

Die Mechaniker beginnen ihren Arbeitstag um zirka 15 Uhr und schieben Nachtschichten. Trotzdem befinden sie sich weiter in den europäischen Kernarbeitszeiten. "Manchmal sehen wir auf dem Weg ins Hotel die Sonne aufgehen", sagt Lotus-Sportdirektor Steve Nielsen auf www.motorsport-total.com. "Trotzdem belastet uns der Abstecher nach Singapur viel weniger, als beispielsweise die Reise nach China, denn wir umgehen den Jetlag komplett. Dadurch können wir einen Tag später wegfliegen."

Mit dem Rennen in Singapur gelang es Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, gleichzeitig auf zwei Kirtagen zu tanzen. Zum einen wird einer der lukrativsten Märkte im Osten erschlossen, zum anderen wird das Rennen im wichtigsten TV-Markt Europa zur gewohnten Zeit gestartet, am Sonntag um 14 Uhr (live ORF eins, RTL, Sky). Also um 20 Uhr Ortszeit.

Rastlos

Ein Flutlichtrennen mit derart später Startzeit funktioniert derzeit nur in Singapur. In einer Stadt, die sich voll auf das Abenteuer einlässt und auch die nötigen Voraussetzungen bietet. Zu jeder Zeit findet man offene Restaurants, die Hotels servieren den Teams das Frühstück ab 14 Uhr.

Vor dem ersten Grand Prix in Singapur 2008 gab es noch Bedenken von Fahrern und Betreuern, was das Flutlicht betraf. Doch die Strecke ist so hell beleuchtet, dass die Fahrer gar nicht merken dass es Nacht ist – außer sie blicken in den Himmel. 1600 Scheinwerfer mit 3,18 Millionen Watt Leistung lassen den Asphalt heller erstrahlen, als einen Rasen bei einem Flutlichtspiel in einem modernen Fußballstadion. Zwölf Doppelgeneratoren liefern den Strom, 108 Kilometer Kabel wurden verlegt. Die Stromrechnung beträgt mehrere Millionen Euro.

Doch die Rechnung geht auf. Der Grand Prix spült zusätzliche Umsätze von 80 bis 100 Millionen Euro pro Jahr in den Stadtstaat. Das Rennen kommt bei den Fans an; der Marina-Bay-Street-Circuit ist anspruchsvoll.

Die Piloten lieben und fürchten das Rennen, denn der Asphalt ist holprig, die Luftfeuchtigkeit enorm, die Temperaturen sind hoch. Bis zu drei Kilo Körpergewicht verlieren die Fahrer während des Rennens. Force-India-Pilot Nico Hülkenberg spricht für viele seiner Kollegen, wenn er sagt: "Singapur ist für mich das härteste Rennen des Jahres – physisch und mental."

2. Freies Training

1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:48,340 Min. (Schnitt: 168,569 km/h)
2. Jenson Button (GBR) McLaren 1:48,651
3. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:48,896
4. Mark Webber (AUS) Red Bull 1:48,964
5. Lewis Hamilton (GBR) McLaren 1:49,086
6. Paul di Resta (GBR) Force India 1:49,300
weiter:
9. Felipe Massa (BRA) Ferrari 1:50,039
11. Michael Schumacher (GER) Mercedes 1:50,263
14. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso 1:50,791
18. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:52,009

1. Freies Training

1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:50,566
2. Lewis Hamilton (GBR) McLaren 1:50,615
3. Jenson Button (GBR) McLaren 1:51,459
4. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:51,525
5. Pastor Maldonado (VEN) Williams 1:51,576
6. Mark Webber (AUS) Red Bull 1:51,655
Weiter:
9. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso 1:52,275
12. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 1:52,716
14. Michael Schumacher (GER) Mercedes 1:52,986
17. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:53,189

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