Iceman Räikkönen: „Ich wusste, dass ich ein gutes Auto habe.“

© Reuters/DANIEL MUNOZ

Räikkönen: „Einer meiner leichtesten Siege“
03/17/2013

Räikkönen: „Einer meiner leichtesten Siege“

Kimi Räikkönen gewann in Melbourne und bestätigte seine Rolle als Mitfavorit auf den WM-Titel.

von Florian Plavec

Daumen hoch statt Vettel-Finger. Mit einer minimalistischen Geste in die Kamera unterstrich Kimi Räikkönen seinen Sieg beim ersten Saisonrennen in Melbourne. So, wie es dem Charakter des Iceman entspricht.

Poleposition-Mann Vettel, Ferrari-Star Alonso und Co. waren allesamt drei Mal zum Reifenwechsel an der Box, der von Platz sieben gestartete Finne übertölpelte die Konkurrenz mit einer Zwei-Stopp-Strategie und gab danach den in der Sportgeschichte wohl einzigartigen Satz ab: „Es war einer meiner leichtesten Siege.“

Erst eines von 19 Rennen ist absolviert. Und doch brachte es Erkenntnisse.

Überraschung Gestartet ist Kimi Räikkönen als Außenseiter, gefahren ist er wie ein WM-Favorit. Dass der Finne heuer um Siege mitfahren kann, war erwartet worden. Dass er schon beim Auftaktrennen gewinnt, ist eine Überraschung – und für Räikkönen ein gutes Omen: Seit dem Jahr 1990 hat der Gewinner des ersten Rennens 17 Mal auch den WM-Titel geholt. Der Lotus funktioniert und geht in Kombination mit dem Finnen schonend mit den Reifen um. Im Finish brannte Räikkönen sogar noch eine Rekordrunde in den Asphalt. „Es hat eigentlich ganz einfach ausgesehen“, sagte der 33-Jährige nach seinem 20. Sieg. „Ich wusste, dass ich ein gutes Auto habe.“

Lotus Formula One driver Kimi Raikkonen of Finland

AUSTRALIA FORMULA ONE GRAND PRIX

AUSTRALIA FORMULA ONE GRAND PRIX

Ferrari Formula One driver Alonso of Spain, Lotus

Ferrari Formula One driver Alonso of Spain, Lotus

Red Bull Formula One driver Sebastian Vettel of Ge

Red Bull Formula One driver Mark Webber of Austral

Mercedes Formula One driver Lewis Hamilton of Brit

Ferrari Formula One driver Felipe Massa of Brazil

Williams Formula One driver Pastor Maldonaldo of V

Favoriten Alonso (Rang zwei) und Vettel (Dritter) jubelten verhalten. Doch der Ferrari-Star und der Titelverteidiger unterstrichen ihre Favoritenrollen und bleiben die Fahrer, die es heuer zu schlagen gilt. Im Qualifying zertrümmerte Vettel noch die Konkurrenz, nach dem Rennen musste er aber angesichts von 20 Sekunden Rückstand sagen: „Man muss sich auch einmal eingestehen, dass andere schneller sind. Aber natürlich ist man enttäuscht, wenn man von Rang eins startet und nicht gewinnt.“

SpannungSieben verschiedene Sieger gab es in der Saison 2012 in den ersten sieben Rennen. Sonntag führten sieben Fahrer den Grand Prix an. Wie im Vorjahr liegt auch heuer das Feld eng beisammen, eine ähnliche Spannung wie 2012 gilt als gesichert. Nur im ersten Qualifying konnten sich die beiden Red-Bull-Fahrer von den anderen Teams absetzen.

Rückkehr Nach einem Jahr Pause zeigte der Deutsche Adrian Sutil eine famose Leistung im Force India und lag sogar einige Runden in Führung. Schließlich wurde er mit einer Zwei-Stopp-Strategie Siebenter. „Ich bin stolz, ich weiß ja erst seit drei Wochen, dass ich fahren darf.“

PremiereLewis Hamilton fuhr in seinem ersten Rennen für Mercedes auf Rang fünf und war zufrieden: „Es ist viel besser, als wir es erwartet hatten. Das Auto fühlt sich auf der Strecke wirklich gut an.“ In den Kreis der absoluten Titelanwärter fuhr der Engländer aber nicht. Getrübt wurde die Leistung von Mercedes durch das Out von Nico Rosberg, der sein Auto mit einem Elektronik-Problem parken musste. Dies gefiel dem neuen Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gar nicht. Ein technischer Ausfall sei „nicht akzeptabel“.

Ratlosigkeit Das letzte Rennen 2012 hatte Jenson Button im McLaren noch gewonnen; als Titelkandidat war der Engländer in die Saison gegangen; ernüchternd endete das erste Rennwochenende – Platz acht. „Mehr war nicht drinnen“, sagte der 33-Jährige, der mit seinen zwei Pünktchen nun bei gesamt 1001 WM-Zählern hält. „Doch das lindert nicht den Schmerz, dass in unser Auto noch viel Arbeit gesteckt werden muss, bis es konkurrenzfähig ist.“

Der McLaren harmoniert mit den weichen Pirelli-Reifen überhaupt nicht. Button musste bereits nach vier Runden zum Reifenwechsel, was Formel-1-Experte Alexander Wurz schlicht als „lächerlich“ bezeichnete.

Ausblick Beim nächsten Rennen in Malaysia sind andere Qualitäten gefragt. In Sepang werden Schwächen in der Aerodynamik gnadenlos aufgezeigt. Wer im Winter im Windkanal am besten gearbeitet hat, wird sich am Sonntag (9 Uhr MEZ) weisen.

Endstand
1. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 1:30:03,225
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 12,451
3. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 22,346
4. Felipe Massa (BRA) Ferrari 33,577
5. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 45,561
6. Mark Webber (AUS) Red Bull 46,8
7. Adrian Sutil (GER) Force India +1:05,068
8. Paul di Resta (GBR) Force India +1:08,449
9. Jenson Button (GBR) McLaren +1:21,630
10. Romain Grosjean (FRA) Lotus +1:22,759
11. Sergio Perez (MEX) McLaren +1:23,367
12. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso +1:23,857
13. Esteban Gutierrez (MEX) Sauber +1 Runde
14. Valtteri Bottas (FIN) Williams +1 Runde
15. Jules Bianchi (FRA) Marussia +1 Runde
16. Charles Pic (FRA) Caterham +2 Runden
17. Max Chilton (GBR) Marussia +2 Runden
18. Giedo van der Garde (NED) Caterham +2 Runden
WM-Stand (nach 1 von 19 Rennen)
1. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 25
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 18
3. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 15
4. Felipe Massa (BRA) Ferrari 12
5. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 10
6. Mark Webber (AUS) Red Bull 8
7. Adrian Sutil (GER) Force India 6
8. Paul di Resta (GBR) Force India 4
9. Jenson Button (GBR) McLaren 2
10. Romain Grosjean (FRA) Lotus 1
Konstrukteurs-WM
1. Ferrari 30
2. Lotus 26
3. Red Bull 23
4. Mercedes 10
5. Force India 10
6. McLaren 2

Auftaktsieger und Weltmeister

Jahr Auftakt-GP Auftaktsieger Weltmeister
1990 USA Ayrton Senna (BRA) Ayrton Senna (BRA)
1991 USA Ayrton Senna (BRA) Ayrton Senna (BRA)
1992 Südafrika Nigel Mansell (GBR) Nigel Mansell (GBR)
1993 Südafrika Alain Prost (FRA) Alain Prost (FRA)
1994 Brasilien Michael Schumacher (GER) Michael Schumacher (GER)
1995 Brasilien Michael Schumacher (GER) Michael Schumacher (GER)
1996 Australien Damon Hill (GBR) Damon Hill (GBR)
1997 Australien David Coulthard (GBR) Jacques Villeneuve (CAN)
1998 Australien Mika Häkkinen (FIN) Mika Häkkinen (FIN)
1999 Australien Eddie Irvine (GBR) Mika Häkkinen (FIN)
2000 Australien Michael Schumacher (GER) Michael Schumacher (GER)
2001 Australien Michael Schumacher (GER) Michael Schumacher (GER)
2002 Australien Michael Schumacher (GER) Michael Schumacher (GER)
2003 Australien David Coulthard (GBR) Michael Schumacher (GER)
2004 Australien Michael Schumacher (GER) Michael Schumacher (GER)
2005 Australien Giancarlo Fisichella (ITA) Fernando Alonso (ESP)
2006 Bahrain Fernando Alonso (ESP) Fernando Alonso (ESP)
2007 Australien Kimi Räikkönen (FIN) Kimi Räikkönen (FIN)
2008 Australien Lewis Hamilton (GBR) Lewis Hamilton (GBR)
2009 Australien Jenson Button (GBR) Jenson Button (GBR)
2010 Bahrain Fernando Alonso (ESP) Sebastian Vettel (GER)
2011 Australien Sebastian Vettel (GER) Sebastian Vettel (GER)
2012 Australien Jenson Button (GBR) Sebastian Vettel (GER)
2013 Australien Kimi Räikkönen (FIN) ???

"Österreich"-Teams und ihr Abschneiden

Unterschiedlich geschlagen haben sich die fünf Formel-1-Teams mit starkem Österreich-Bezug beim WM-Auftakt in Australien. Weltmeister Red Bull Racing kam mit Sebastian Vettel trotz Pole Position "nur" auf Platz drei, Mercedes brachte mit Lewis Hamilton auf Rang fünf zumindest einen Fahrer in die Punkte. Für Sauber, Williams und Toro Rosso gab es hingegen in Melbourne punktemäßige "Nullnummern".

Situation, Bilanz und Reaktionen bei den Teams mit österreichischer Beteiligung nach dem WM-Auftakt in Australien:

Red Bull Racing (Dreifacher und regierender Weltmeister, Besitzer Dietrich Mateschitz): Überlegen im Training und im Qualifying mit den Plätzen eins und zwei für Sebastian Vettel und Mark Webber. Im Rennen mit Reifen- (Vettel) bzw. anfänglichen KERS-Problemen (Webber) auf den Plätzen drei und sechs, in der Konstrukteurs-Wertung damit Dritter. Bilanz: Unter den - hohen - Erwartungen. Reaktion von Sportdirektor Helmut Marko: "Das war ernüchternd. Wir hatten keine Chance, das Tempo von Sieger Kimi Räikkönen mitzugehen. Vettel hatte enorm viel Reifenabrieb, damit haben wir nicht gerechnet. Das müssen wir analysieren."

Mercedes (WM-Fünfter 2012/Anteilshaber und Motorsport-Direktor Toto Wolff, Aufsichtsratschef Niki Lauda): Klarer Aufwärtstrend im Training. Im Rennen Platz fünf für Schumacher-Nachfolger Lewis Hamilton, Nico Rosberg mit kaputter Batterie ausgefallen. Bilanz: Durchwachsen. Reaktion Wolff: "Einen technischen Defekt darf es nicht geben. Wir haben einiges dazugelernt. Bei Hamilton wurde der Reifen härter rangenommen als bei Rosberg. Seltsam, wenn der Pole-Halter Dritter wird und einer von Platz sieben aus gewinnt. Offenbar muss man mehr für das Rennen am Sonntag als für das Samstags-Abendergebnis arbeiten. Die Qualifikation ist mit diesen Reifen womöglich sekundär geworden."

Sauber (6./Teamchefin Monisha Kaltenborn): Nico Hülkenberg, im Qualifying starker Elfter, konnte wegen akuter und gefährlicher Probleme mit der Benzinzufuhr am C32 nicht am Rennen teilnehmen. Neuzugang Esteban Gutierrez aus Mexiko blieb als 13. ohne WM-Punkte. Bilanz: Klarer Rückschlag. Reaktion Hülkenberg: "Das ist extrem frustrierend. Wir hoffen jetzt auf das nächste Rennen in Malaysia."

Williams (8./Toto Wolff Anteilshaber, Ehefrau Susie Entwicklungsfahrerin): Das Traditions-Team startete nach dem Tod von Lady Virginia Williams, der Ehefrau von Teamchef Frank Williams, mit Trauerflor. Pastor Maldonado schied im Rennen aus, Neuling Valtteri Bottas blieb als 14. ohne Punkte. Bilanz: Da wartet noch viel Arbeit. Reaktion Mike Coughlan, Technischer Direktor: "Wir müssen hart arbeiten, um als Team die Leistung zu verbessern. Wir haben ein paar Ideen, die wir zum nächsten Rennen mitnehmen. Wir werden in Malaysia viel Druck machen."

Toro Rosso (9./Haupteigentümer Dietrich Mateschitz, Teamchef Franz Tost): Platz zwölf und damit keine Zähler für Jean Eric Vergne, Ausfall nach Auspuffproblemen für den Australier Daniel Ricciardo. Bilanz: Am Ende mehr Schatten als Licht. Reaktion Tost: "Auf der positiven Seite steht, dass unser STR8 im Nassen sehr gut ist. Wir haben aber nicht die beste Reifen-Strategie für das Qualifying und das Rennen gefunden. Dieses Ergebnis gibt unser wahres Potenzial nicht wieder, in Sepang müssen wir besser sein."

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