Solofahrten: Hamilton und Rosberg wollen ihren Vorsprung auf die Konkurrenz weiter ausbauen.

© REUTERS/THAIER AL-SUDANI

Formel 1
05/09/2014

Das Rennen der Wahrheit

Überarbeitete Autos auf einem fordernden Kurs - der Grand Prix von Spanien gilt als richtungsweisend.

von Florian Plavec

Die Formel 1 ist zurück in Europa. Der Grand Prix auf dem Circuit Barcelona-Catalunya am Sonntag (14 Uhr/live ORFeins, RTL, Sky, SRF 2) gilt als Rennen der Wahrheit. Warum? Der KURIER beantwortet die sieben wichtigsten Fragen.

Was macht die Rennen in Europa so speziell?
Europa ist die Heimat des Motorsports. Nirgendwo sonst sind die Fans so kompetent und enthusiastisch. Die Rennstrecken sind alt und haben dementsprechend Tradition. "Man fühlt sich in Europa wieder wie zu Hause", sagt Sebastian Vettel. "Es ist großartig, so viele Menschen auf den Tribünen zu sehen", freut sich Lewis Hamilton. Und für Jenson Button ist die Rückkehr nach Europa gar "die schönste Zeit im Jahr. Es ist wie ein neuer Start in die Saison – mit vielen bekannten Gesichtern im Fahrerlager."

Warum ist der Grand Prix von Spanien ein Schlüsselrennen?
Es gilt das ungeschriebene Gesetz: Wer in Barcelona schnell ist, ist überall schnell. "Die Strecke verlangt nach der besten Kombination aus Leistung, Handling und Aerodynamik im ganzen Jahr", erklärt Mercedes-Technikchef Paddy Lowe. Wer in Barcelona gewinnt, hat ein perfekt harmonierendes Gesamtpaket. Außerdem bringen die Teams nach Barcelona die größten Updates mit. Wenn sich wo die Kräfteverhältnisse gravierend ändern, dann bei diesem Grand Prix. Dies bestätigt auch Aufsichtsratsboss Niki Lauda von WM-Spitzenreiter Mercedes: "Wenn wir dort auch bestehen, sieht es sehr, sehr gut aus."

Warum kommen die großen Updates an den Autos gerade jetzt?
Erstens hatten die Teams seit dem letzten Übersee-Rennen in China drei Wochen Zeit, um ihre Autos weiterzuentwickeln. Zweitens spielt auch in der Millionenshow der Formel 1 das Geld eine Hauptrolle: Die Teams wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Kosten und Performance. Denn es ist schwierig und teuer, sperrige Pakete wie Unterböden oder Flügel mit dem Flugzeug zu transportieren. Nach Spanien kommen die Teams wieder mit ihren eigenen Trucks und Motorhomes, was den Transport der Teile vereinfacht. Von den Fabriken in England dauert die Fahrt an die Rennstrecke mit dem Lkw 20 Stunden. Zudem gehen aus den europäischen Städten deutlich mehr Flüge nach Barcelona als etwa nach Schanghai.

Ist die Logistik für die Teams in Europa deshalb einfacher?
Nicht einfacher, aber anders. Zwar müssen die Teams nicht mehr das ganze Equipment ans andere Ende der Welt schaffen, dafür sind die Aufbauten im Fahrerlager pompöser. So errichtete Red Bull wieder die 500 Quadratmeter große Energy Station, ein zweistöckiges Gebäude mit Sonnenterrasse, in dem Fahrer, VIPs und Medienvertreter zusammentreffen. Das Team reiste mit vier Trucks an die Rennstrecke, beladen mit knapp 50 Tonnen Equipment.

Hat Titelverteidiger Red Bull endlich aufgeholt?
Noch immer fehlen dem Renault-betriebenen Red Bull einige PS auf die Autos mit Mercedes-Motor. Doch die Streckencharakteristik könnte dem RB10 liegen. Sebastian Vettel sagt: "Die langen, schnellen Kurven passen zu einem Auto mit hocheffizienter Aerodynamik." Also zu Autos aus der Feder von Red-Bull-Stardesigner Adrian Newey. Zudem hat das Team für Spanien neuen Treibstoff angekündigt. "Das bringt uns zwei, vielleicht sogar drei Zehntel", hofft Motorsport-Berater Helmut Marko. Nicht unrealistisch – auch Ferrari machte in Schanghai mit einem neuen Benzingemisch einen Sprung nach vorne.

Kann sich Mercedes entspannt zurücklehnen?
Rosberg und Hamilton führen in der WM komfortabel, doch Stillstand bedeutet in der Formel 1 Rückschritt. Auch Mercedes hat Upgrades am F1 W05 angekündigt. Motorsport-Chef Toto Wolff fordert gar, den Vorsprung noch weiter auszubauen: "Wir befinden uns in einer starken Position. Aber wenn wir in diesem Sport nachhaltig Erfolge erzielen wollen, müssen wir jeden noch so kleinen Vorteil als Möglichkeit ansehen, um einen noch größeren Vorteil herauszuholen." Nico Rosberg sagte im Gespräch mit RTL: "Drei Wochen sind in der Formel 1 enorm viel. Deshalb werde ich mit diesem Auto sicherlich einige Zehntel pro Runde schneller fahren, und das ist auch wichtig, denn die Konkurrenz schläft nie." Sollte die Konkurrenz den Abstand auf Mercedes tatsächlich nicht verkürzt haben, wäre das ein verheerendes Signal für alle Rivalen. Die Weltmeisterschaft wäre damit ein Fall für zwei: Rosberg und Hamilton.

Dreht sich in Spanien alles um Fernando Alonso?
An jeder Rennstrecke der Welt hat Ferrari die meisten Fans, in Alonsos Heimat erst recht. 2013 gewann der Asturier. Es war sein bisher letzter Sieg. Nun sind die Fans hungrig nach Erfolgen, sie strömten schon am Donnerstag in Scharen zur Strecke; sie drängten sich vor der Ferrari-Box, obwohl es nicht mehr als einen Show-Reifenwechsel zu sehen gab. Nur einer begeistert in Katalonien noch mehr: der FC Barcelona. Denn der hat es nach Real Madrids Unentschieden in Valladolid plötzlich selbst wieder in der Hand, den Meistertitel zu holen.

Der Formel-1-Grid-Girl-Kalender

Hamilton dominiert erstes Barcelona-Training

Topfavorit Lewis Hamilton hat am Freitag das erste freie Training für den Formel-1-Grand-Prix von Spanien dominiert. Der Sieger der vergangenen drei Rennen war im Mercedes mehr als acht Zehntelsekunden schneller als der zweitplatzierte Jenson Button im McLaren. Dahinter folgten Daniel Ricciardo im Red Bull, Lokalmatador Fernando Alonso im Ferrari und WM-Leader Nico Rosberg im zweiten Mercedes.

Für Titelverteidiger Sebastian Vettel setzten sich die Probleme fort. Der Weltmeister musste seinen Red Bull auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya bereits früh abstellen. Ein Elektronikdefekt dürfte die Ursache gewesen sein. Vettel half den Streckenposten dabei, den Wagen von der Piste zu schieben.

Der in dieser Saison noch sieglose Deutsche hat sich für den Europa-Auftakt für die Rückkehr zu dem Chassis entschieden, mit dem er bei den Wintertestfahrten angetreten war. Damals hatte Red Bull mehrmals mit Kühlungsproblemen zu kämpfen gehabt.

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