Kimi Räikkönen

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Formel 1
03/03/2016

Qualifying-Chaos und Kopfschutz-Premiere

Während hinter den Kulissen über das neue Qualifying gestritten wird, testet Ferrari den Halo-Kopfschutz.

von Mathias Kainz

Die Testtage vor dem ersten Grand Prix des neuen Jahres sind eigentlich ausschließlich der Vorbereitung auf die anstehende Saison vorbehalten. Mit dieser unausgesprochenen Regel hat Ferrari beim Test in Barcelona am Donnerstag überraschend gebrochen. Die Italiener schickten kurz nach Beginn des vorletzten Testtages Kimi Räikkönen mit einem skurrilen Aufbau auf die Strecke, an den sich Fans wohl gewöhnen müssen.

Am Ferrari des Finnen war der sogenannte Halo-Kopfschutz angebracht, wie er in der Formel 1 ab 2017 voraussichtlich zum Einsatz kommen wird. Der Halo, zu gut Deutsch Heiligenschein, soll heranfliegende Trümmer wie etwa abgerissene Räder vom Kopf des Piloten fernhalten. Auch bei einem Überschlag und anschließendem Einschlag in die Reifenstapel oder Leitschiene könnte sich die Bügelkonstruktion als Lebensretter erweisen.

Der Überrollbügel hilft nur in einem Teil der Fälle

Die Reaktion der Fans auf das neue Element ist eher ablehnend. Die Piloten hingegen zeigen sich überwiegend positiv gestimmt. Unfälle in jüngerer Vergangenheit haben die Einführung des Kopfschutzes forciert. Vor allem der Unfall von Ex-Formel-1-Pilot Justin Wilson in der US-amerikanischen IndyCar-Serie, der von einem Trümmerteil am Kopf getroffen und tödlich verletzt wurde, war ausschlaggebend für die Entwicklung. Mit einem Halo wäre Wilsons Tod wohl zu vermeiden gewesen.

Nicht geholfen hätte der Bügel aber wahrscheinlich dem 2014 schwer verunglückten Jules Bianchi. Der Franzose kollidierte mit hoher Geschwindigkeit mit einem Bergungsfahrzeug und zog sich schwerste Kopfverletzungen zu, an denen er neun Monate nach dem Unfall verstarb. Diesem Einschlag hätte der Halo nicht standgehalten.

Wesentlich beteiligt an der geplanten Einführung war der österreichische Ex-Rennfahrer Alexander Wurz. Der amtierende Direktor der Fahrergewerkschaft GPDA sprach sich mehrfach für die Einführung eines Kopfschutzes aus. "Natürlich sind strukturelle Veränderungen an den Chassis erforderlich", so Wurz, "aber mit gut einem Jahr Vorlaufzeit sehe ich niemanden, der sich gegen eine so wichtige Sicherheitsverbesserung ausspricht, besonders, wo doch die letzten schweren Unfälle im Formel-Rennsport alle Kopfverletzungen nach sich zogen."

Einigkeit beim Halo, aber Streit beim neuen Qualifying

Während sich die Formel-1-Piloten beinahe geschlossen für verbesserten Kopfschutz aussprechen, findet die jüngste vorgeschlagene Regeländerung wenig Anklang bei den Fahrern. Schon ab dieser Saison soll ein neues Qualifying-Format zum Einsatz kommen, bei dem nach Ablauf einer Schonfrist zum Beginn jeder der drei Qualifying-Sitzungen der jeweils langsamste Pilot eliminiert wird, bis schließlich nur noch zwei Piloten um die Pole-Position kämpfen. Das soll laut der Formel-1-Strategiegruppe für mehr Spannung im Qualifying sorgen.

Allerdings ist die Umsetzung der Idee bisher eher unprofessionell verlaufen. Das neue Konzept war schon verlautbart, als die Verantwortlichen einen Rückzieher machen mussten - vor Mai sei die notwendige Software nicht fertig, erst dann würde das neue Qualifying-Format greifen. Mittlerweile scheint man sich für einen Kompromiss entschieden zu haben: Die ersten zwei Qualifying-Abschnitte werden nach dem neuen Eliminator-Verfahren durchgeführt, der dritte Abschnitt bleibt - bis zur endgültigen Einführung des neuen Systems im Mai - vorerst unangetastet.

Die Fahrer sind von der Idee wenig angetan. "Wir haben gehört, dass es die Regeln definitiv kaputtmachen könnte, und für die Fans kann es sehr schwer zu verstehen sein", meint Force-India-Pilot Sergio Perez. "Es ist für uns schon kompliziert, also glaube ich, dass es die Dinge für die Zuschauer nur undurchsichtiger machen wird."
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