Ein Star hautnah: Fernando Alonso genießt das Bad in der Menge.

© Reuters/GUSTAU NACARINO

Alonso: "Zehn Prozent Extra-Motivation"
05/09/2013

Alonso: "Zehn Prozent Extra-Motivation"

Fernando Alonso steht bei seinem Heimrennen im Mittelpunkt und unter Druck.

von Florian Plavec

Die Sonne hat es nicht geschafft, die Wolkendecke zu durchbrechen. Gut so: 23 schattige Grad sind genug für den 45-minütigen Fußmarsch von der Bahnstation von Montmeló zum Circuit de Catalunya. Zuerst durch den Ort, dann über Hügel, vorbei an Ständen, die Kappen mit den Schriftzügen „Alonso“ (30 Euro) und „BrawnGP“ (10 Euro) verkaufen. Vor den Cafés blättern Gäste in Gazetten, die mit seitenlangen Berichten über den 6:2-Sieg von Real Madrid gegen Málaga und die bevorstehende Entscheidung in der Primera División gefüllt sind.

Auf den Sportseiten der spanischen Medien geht fast unter, dass die Formel 1 zurück in Europa ist. Wo der Motorsport eine Heimat hat, wo die Fans bereits am Donnerstag auf der Haupttribüne sitzen, um einen Blick in die Boxengasse und auf die Autos zu werfen. Fahren werden die Boliden erst am Freitag.

Es herrscht echte Motorsport-Atmosphäre, anders als in den künstlichen Welten der Rennstrecken von Schanghai oder Bahrain, wo die Formel 1 zuletzt Station gemacht hat.

Gespannt

Mit Vorfreude erwartet wird das Duell von Lokalmatador Fernando Alonso mit Weltmeister Sebastian Vettel. Der Grand Prix von Spanien am Sonntag ist eine Standortbestimmung. Alle Mannschaften haben Updates an ihre Autos gebracht. Wer hier schnell ist, wird um den WM-Titel kämpfen. Wer hinterher fährt, kann das Jahr beinahe schon abhaken.

Besonders groß sind die Hoffnungen bei Alonso, der in der WM-Wertung 30 Punkte hinter Vettel zurückliegt – und damit auch hinter seinen Erwartungen. Sein Ferrari F138 wurde im Heckbereich radikal überarbeitet und soll um bis zu 0,8 Sekunden pro Runde schneller sein als zuvor. „Ferrari zieht den Joker“, schrieb die Zeitung Marca. Nach dem verpatzten ersten Saisonviertel wird Ferrari den Joker brauchen.

In seinem ersten Jahr bei Ferrari (2010) vermasselte das Team seinem Chefpiloten mit einer stümperhaften Boxenstrategie im letzten Rennen den Titel, 2011 war Red Bull unschlagbar, 2012 fehlten am Ende nur drei Punkte. Heuer soll es endlich klappen mit dem Titel.

Locker

Der Druck auf Alonso könnte gewaltiger kaum sein, doch der Ferrari-Star gibt sich bei der Pressekonferenz am Donnerstag betont locker: „Die eigenen Fans geben mir zehn Prozent Extra-Motivation. Ich möchte, dass alle Zuschauer den Sonntag genießen können.“ Einen 30-Punkte-Rückstand aufzuholen, sei ein leichtes: „Dafür gibt es sehr viele Beispiele.“

Konkurrent Vettel sitzt gut gelaunt neben ihm, grinst, scherzt mit den Journalisten, die sich gefälligst mit „Name, Medium“, vorstellen sollen, wie der Pressechef ermahnt.

Sebastian Vettel, Red Bull Racing“, sagt Vettel, grinst wieder und setzt fort: „Unsere Ergebnisse waren in den ersten Rennen gut. Nun haben wir auch gelernt, mit den neuen Reifen umzugehen. Seit Bahrain werden aber keine Wunder geschehen sein.“

Vettel gewann zuletzt 2011 auf dem Circuit de Catalunya, Alonso 2006. Just in jenem Jahr, in dem er zum letzten Mal Weltmeister wurde.

Fahrerwertung

Teamwertung

Rückschlag für das Überraschungsteam

2012 war nicht nur das Jahr von Sebastian Vettel, es war auch das Jahr von Lotus: Kimi Räikkönen war in die Formel 1 zurückgekehrt – und auf Anhieb schnell. Der Finne war der konstanteste aller Piloten, er sah als einziger in jedem Rennen die Zielflagge, fuhr bis kurz vor Saisonschluss um den Titel mit und holte schließlich hinter Vettel und Alonso überraschend den dritten Platz in der Gesamtwertung.

Neben dem coolen Finnen war vor allem Technikchef James Allison für die Beschleunigung verantwortlich. Allison gilt als einer der besten Ingenieure der Formel 1, die Piloten Räikkönen und Romain Grosjean (F) schwärmen von ihren Dienstautos: Der Lotus übersteuert nicht, untersteuert nicht und schont so die sensiblen Pirelli-Reifen. Tatsächlich kam Räikkönen bei seinem Sieg in Melbourne als einziger der Top-Fahrer mit nur zwei Reifenwechseln aus, in derWM liegt er auf Rang zwei.

Seit Mittwoch ist das englische Team sein Gehirn los: Allison verlässt den Rennstall. Über seine Zukunft darf er nichts sagen, doch wer Lotus verlässt, wird nur zu einem der ganz großen Teams wechseln. Nach Informationen von auto motor und sport hatte Mercedes die Fühler nach dem Ingenieur ausgestreckt, bekam aber eine Absage. Wahrscheinlicher neuer Arbeitgeber ist Ferrari, wo Allison ab 2000 für fünf Jahre unter Vertrag stand. Nachfolger für Allison bei Lotus ist Nick Chester (43), der zuletzt Chefingenieur war.

Allisons Abgang ist ein Rückschlag für das Team, das es trotz deutlich geringerem Budget mit den Top-Teams aufnehmen konnte. Lotus fehlt der Hauptsponsor, es ist davon die Rede, dass der Rennstall Schulden haben soll. „Wenn wir mehr Sponsoren hätten, würden unsere Chancen im Kampf gegen die großen Teams natürlich steigen“, sagt Räikkönen.

Fraglich ist, wie lange sich der Finne darüber noch Gedanken machen muss: Räikkönen soll auf der Wunschliste von Red Bull stehen.

Vettel im Barcelona-Training Schnellster

Weltmeister Sebastian Vettel ist am Freitag im freien Training für den Europa-Auftakt der Formel 1 in Montmelo bei Barcelona der Schnellste gewesen. Der deutsche Red-Bull-Pilot fuhr auf dem trockenen Circuit de Catalunya in 1:22,808 Minuten 0,017 Sekunden schneller als Lokalmatador Fernando Alonso im Ferrari. Der Spanier war am Vormittag bei leichtem Nieselregen noch vorangelegen.

Hinter dem Duo folgten Vettels Teamkollege Mark Webber und sein erster WM-Verfolger Kimi Räikkönen im Lotus. Die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg landeten auf den Plätzen sechs und sieben. Das für die Startaufstellung maßgebliche Qualifying folgt am Samstag (14.00 Uhr/live ORF eins, RTL und Sky). Titelverteidiger Vettel führt in der WM nach vier Rennen zehn Punkte vor Räikkönen.

2. Freies Training
1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:22,808
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:22,825
3. Mark Webber (AUS) Red Bull 1:22,891
4. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 1:23,030
5. Felipe Massa (BRA) Ferrari 1:23,110
6. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:23,140
7. Nico Rosberg (GER) Mercedes 1:23,398
8. Adrian Sutil (GER) Force India 1:23,840
9. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 1:24,058
10. Paul di Resta (GBR) Force India 1:24,104
11. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso 1:24,175
12. Jenson Button (GBR) McLaren 1:24,306

Erstes Training

Lokalmatador Fernando Alonso hat am Freitag das erste freie Training für den Formel-1-Grand-Prix von Spanien dominiert. Der Ferrari-Star verwies seinen Teamkollegen Felipe Massa bei leichtem Nieselregen und unterschiedlich trockener Strecke auf dem Circuit de Catalunya in 1:25,252 Minuten um zwei Zehntelsekunden auf Platz zwei. Dahinter folgten Toro-Rosso-Youngster Jean-Eric Vergne und Lotus-Pilot Romain Grosjean.

Red Bull zurück

Red Bull schien bei Temperaturen unter 20 Grad überhaupt nicht in die Gänge zu kommen. Weltmeister Sebastian Vettel stand lange Zeit in der Garage, kam letztlich nicht über Rang 19 hinaus - unmittelbar vor seinem Teamkollegen Mark Webber. Ex-Weltmeister Jenson Button im McLaren fuhr überhaupt keine gezeitete Runde. Am Freitagnachmittag (14.00 Uhr/live ORF eins) steht ein weiteres freies Training auf dem Programm.

Name Land Team Zeit
1. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 01:25,3
2. Felipe Massa (BRA) Ferrari 01:25,5
3. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso 01:25,7
4. Romain Grosjean (FRA) Lotus 01:26,0
5. Adrian Sutil (GER) Force India 01:26,2
6. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 01:26,4
7. Valtteri Bottas (FIN) Williams 01:26,5
8. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 01:26,6
9. Nico Rosberg (GER) Mercedes 01:26,6
10. Paul di Resta (GBR) Force India 01:26,8
11. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso 01:26,9
19. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 01:29,5
20. Mark Webber (AUS) Red Bull 01:29,5
22. Jenson Button (GBR) McLaren ohne Zeit