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Sticheleien im Titelkampf
10/29/2012

Alonsos Kampfansage

Sebastian Vettel könnte sich in seinem 100. Rennen zum Weltmeister machen. Martialische Kampfansage von Alonso.

Sebastian Vettel darf sich trotz seiner Rekordserie in der Formel 1 nicht in Sicherheit wiegen. Zudem hat Verfolger Fernando Alonso nach dem vierten Vettel-Sieg in Folge bereits martialische Kampfansagen gesendet. Vor dem drittletzten Lauf am kommenden Sonntag in Abu Dhabi sind die Rollen verteilt, aber nichts ist entschieden.

Vettel legte nach einer kleinen Siegerparty den Schalter gleich wieder um. In Dubai angekommen, stand neben Regeneration leichtes Training auf dem Programm. "Unsere momentanen Erfolge dürfen uns nicht vom Wesentlichen ablenken und uns leichtsinnig machen", betonte er. Denn der zweifache Formel-1-Weltmeister muss sich schon an diesem Sonntag beim Großen Preis von Abu Dhabi auf die nächste Attacke seines schärfsten Widersachers gefasst machen. Fernando Alonso twitterte: "Wenn das Schwert bricht, kämpfe mit deinen Händen. Wenn sie Dir die Hände abschneiden, schubse deinen Gegner mit den Schultern, oder nimm sogar die Zähne."

Vettel vs. Alonso

Vettel vs. Alonso, der vermeintliche Gute gegen den vermeintlich Bösen. Die Rollen scheinen vor dem Formel-1-Märchen im Land von 1001 Nacht klar verteilt. Vettel wiederholte selbst nach seinem formidablen Start-Ziel-Sieg in Indien sein Credo wie ein Mantra: Alles nur Schritt für Schritt, hart arbeiten. "Dann sollte nichts schiefgehen", schrieb der Titelverteidiger, der den WM-Hattrick im Hinterkopf hat, auf seiner Homepage.

Auch das italienische Fachblatt La Gazzetta dello Sport strich die tolle Leistung des Deutschen heraus: "Ein Triumphmarsch: Vettel holt den vierten Sieg in Folge." Aber auch für den Verlierer gab es Lob: "Alonso wird formidabler Zweiter - Mit Herz! Niemand hätte es besser machen können."

13 Punkte Vorsprung hat Vettel vor den letzten drei Saisonrennen. 44 Punkte Rückstand waren es einmal auf Alonso. Mit einem Vettel-Nuller in Abu Dhabi und einem Sieg des Spaniers könnte sich mit einem Schlag aber auch wieder alles ändern. "Wir können es uns nicht leisten, nachlässig zu werden", betonte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Kompromisslos

Denn Alonso wird zur Stelle sein, zumal er seit seinem Erfolg am 22. Juli ausgerechnet bei Vettels Heimrennen auf dem Hockenheimring auf den nächsten Sieg wartet. "Wir müssen unser absolut Bestes bringen, um vor ihm zu bleiben", forderte Horner. Ein technisches Problem wie am Wagen von Teamkollege Mark Webber, an dem das Energierückgewinnungssystem KERS streikte, könnte auch Vettel wieder die WM-Führung kosten.

Es wird eine Zerreißprobe. Vettel und Alonso sind auf der Strecke kompromisslos. Beide haben die Erfahrung von zwei WM-Titeln. Beide haben den unbedingten Willen, auch wenn Vettel ihn eher in ein Lächeln als in martialische Botschaften via Twitter verpackt.

Das Kampfgeschrei überlässt Red Bull dem gegnerischen Lager. "Nach diesem Rennen sollten diejenigen, die führen, nicht entspannt und ruhig sein", befand Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, dessen Arbeitgeber nach dem nächsten WM-Triumph lechzt. 2007 gewann Kimi Räikkönen als vorerst letzter Ferrari-Fahrer den Titel.

Titel-Party in Austin?

Also bloß keine weitere Niederlage gegen Vettel und Red Bull wie in den vergangenen beiden Jahren. "Fernando und Ferrari werden keinen Zentimeter nachlassen. Bis zum Ende der Saison", prophezeite Domenicali mit Blick auf die Rennen in Abu Dhabi, zwei Wochen später in Austin - Vettels 100. Grand Prix - und am 25. November in Sao Paulo.

Solange muss es aber nicht dauern. Vettel kann in seinem Jubiläumsrennen seinen historischen Hattrick schaffen. Eine derartige Titel-Serie gelang erst zwei Fahrern: dem insgesamt fünfmaligen argentinischen Champion Juan Manuel Fangio und Rekordweltmeister Michael Schumacher (7 Titel). Vettel müsste für den vorzeitigen WM-Gewinn nach der Formel-1-Premiere in Austin 25 Punkte Vorsprung haben. Die Rechnung ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: Vettel muss seine Siegesserie um zwei Erfolge verlängern, dann steigt schon nach seinem 100. Grand Prix in knapp drei Wochen die Titel-Party in Austin.

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