Auf Goldkurs: Jolanta Ogar (links) und Lara Vadlau sind amtierende Welt- und Europameisterinnen in ihrem 470er. Das große Ziel sind die Olympischen Spiele 2016.

© Georg Diener Agentur Diener/DIENER / Alex Domanski

Segeln
10/01/2014

Mit fremder Hilfe ins olympische Rampenlicht

Das WM-Gold von Lara Vadlau und Jolanta Ogar soll auch bei den Olympischen Spielen Nachahmer finden.

von Stefan Sigwarth

Nach der Siegerehrung für den Erfolg bei der WM in Santander, einem Tag Heimreise im Auto, Abenden in Fernsehstudios und einem Interviewmarathon durften sich Lara Vadlau und Jolanta Ogar dann auch noch in der Champions Bar im Wiener Hotel Marriott präsentieren.

Dienstagvormittag war’s, draußen grau und herbstlich, doch drinnen strahlten die 20-jährige Kärntnerin und ihre um zwölf Jahre ältere Partnerin, als wären sie noch immer unter spanischer Sonne unterwegs. Ob es jetzt die Blumensträuße waren, die ihnen Herbert Houf, der Präsident des Österreichischen Segelverbandes, überreichte, oder doch eher das noch ungewohnte Gefühl wohliger Wärme von Kamera-Scheinwerfern und Blitzlichtern?

Die Aufmerksamkeit, die den beiden zuteil wird, kommt jedenfalls nicht ungelegen, und das trifft auch auf die anderen Spitzensegler zu: Bis auf wenige Ausnahmen stehen sie nur alle vier Jahre im Rampenlicht. Dann, wenn es um olympische Medaillen geht – und von denen haben die Aktiven des OeSV mit drei Mal Gold (2x Roman Hagara/Hans Peter Steinacher, Christoph Sieber) und vier Mal Silber (2x Hubert Raudaschl, Wolfgang Mayrhofer, Andreas Geritzer) schon etliche geholt.

So soll es weitergehen: Das Spitzensportkonzept des OeSV (Inspire24) ist auf den Zeitraum bis 2024 ausgelegt, und das Team um Sportkoordinator Georg Fundak hat eine ebenso breite wie internationale Basis gelegt: Meteorologen, Psychologen, Physiotherapeuten sowie Trainer aus den USA, Kroatien, Argentinien und Italien wurden engagiert. "Wir wollen viel lernen", sagt Fundak, "auch, um eigene Strukturen aufzubauen."

Fortschritte

"Seit drei Jahren merkt man, dass etwas weitergeht", sagt Nico Delle Karth, bei der WM in Santander Vierter im 49er, "und zwar in Richtung Nachhaltigkeit. Wir wollen ja nicht irgendwann aufhören und eine Leere hinterlassen." Der Nachwuchs drängt bereits heran, und was aus neuer Konkurrenz im eigenen Kader sowie fremdem Wissen entsteht, weiß 470er Matthias Schmid zu berichten: "Die Lernkurve geht stetig bergauf."

Gerade im 470er haben sich die Österreicher zu einer im internationalen Vergleich eher seltenen Trainingsgemeinschaft zusammengefunden: Die Damen und die Herren üben miteinander. Lara Vadlau ist glücklich: "Wenn wir mit den Burschen bei Starkwind halbwegs mithalten können, wissen wir, dass wir auch in den Damen-Rennen sehr gut sein werden. Umgekehrt wissen die Burschen, wenn sie mit uns bei Leichtwind mithalten können, dass sie auch für ihre Konkurrenten gerüstet sind." Außerdem sei der regelmäßige Vergleich der Geschlechter ein zusätzlicher Ansporn: "Jola und ich wissen: Wenn wir mit den Burschen mithalten wollen, müssen wir 200 Prozent geben."

Womit zumindest dieses Erfolgsgeheimnis von Vadlau/Ogar gelüftet wäre.

Das Millionenspiel erzeugt auch Sorgenfalten

Segeln ist ein einfacher Sport: Ein, zwei oder noch mehr Menschen setzen sich irgendwo in ein Boot, hissen die Segel und los geht’s, im Idealfall auf's Podest, nur mit Wind und Strömung.

So einfach ist es aber auch wieder nicht. Längst ist das Spiel mit den Elementen ein Hightech-Sport, längst sind Expertentum und spezielle Materialien gefragt, soll am Ende einer Wettfahrt ein Erfolg stehen. Wenig verwunderlich, dass der Segelsport einen erheblichen Teil der Ressourcen des Projekts Rio 2016 des Sportministeriums bindet: Mehr als eine Million Euro fließen heuer an die bislang fünf berücksichtigten Teams, rund 700.000 Euro gehen für Training und die Reisen zu Wettkämpfen drauf, der Rest für psychologische und physiotherapeutische Betreuung, Forschung, Entwicklung und die Anschaffung von Material. Nach der Einbürgerung von Jolanta Ogar wird dieser Kader demnächst noch um die so erfolgreichen 470er-Damen erweitert werden.

Herbert Houf, den Präsidenten des OeSV, plagen denn auch einige Sorgen: Die Abrechnungsmodalitäten für die Förderung sind kompliziert, und so muss der Verband immer wieder in Vorleistung treten. „Wenn sich nichts ändert, müssen wir bis Jahresende eine Summe in Höhe von 25 Prozent unseres Jahresbudgets vorfinanzieren“, er hofft auf Verbesserungen im System.

Immerhin, etwas hat sich schon getan: Die Erweiterung des Bundesleistungszentrums in Neusiedl scheint nach einjähriger Hängepartie seit Dienstagvormittag endlich auf Schiene zu sein.

Der Weg nach Rio

274 Quotenplätze werden weltweit für die Segler vergeben, die Hälfte ist seit der WM in Santander weg. Vier Tickets hat seither Österreich: Die 470er Matthias Schmid und Florian Reichstädter sowie Lara Vadlau und Jolanta Ogar werden wohl bei den Spielen in Rio de Janeiro dabei sein, ebenso die 49er Nico Delle Karth und Niko Resch und Thomas Zajac und Tanja Frank im Nacra17.

Chancen auf weitere Plätze bestehen in Laser und Laser Radial sowie im 49erFX, die letzte Qualifikationschance ist die WM im kommenden Jahr.

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