Sport
24.07.2018

Migrationskicker in Österreich: Es fing vor 20 Jahren an

Nationalteam als Spätstarter: der erste Türke spielte erst vor 16 Jahren im österreichischen Dress.

Ivica Vastic flüchtete als junger Mann vor dem Krieg in seiner Heimat Kroatien nach Österreich. Der talentierte Fußballer, er wird dieses Jahr 49 Jahre alt, spielte für das österreichische Nationalteam bei der WM 1998 und schoss sogar ein Tor. „Ivo, jetzt bist Du ein echter Österreicher“, titelte eine Zeitung danach. Zwei Jahre nachdem er den österreichischen Pass bekommen hatte, wurde er zum Bürger besonderer Klasse geadelt. „Ich glaub aber nicht, dass das böse gemeint war“, sagt Vastic noch Jahre später.

Vor allem der Erfolg heiligt die integrativen Mittel. 1998 hatte noch kein Fußballer mit Migrationshintergrund das Teamtrikot getragen. Dafür aber Eingebürgerte wie Vastic und Kartalja. 1981 hatte man sogar den Deutschen Bernd Krauss eingebürgert, damit dieser für das Fußball-Nationalteam spielen kann.

2002 Türken-Debüt

Erst 1999 spielte mit Zoran Barisic erstmals ein in Wien geborener Fußballprofi mit Wurzeln außerhalb Österreichs im Nationalteam – allerdings nur ein einziges Mal. Damals liefen bei den österreichischen Bundesligaklubs vielleicht ein oder zwei türkischstämmige Profis über den Platz. Attila Sekerlioglu war einer davon, der es sogar in den Teamkader schaffte, aber nie zu einem Länderspieleinsatz kam. Im August 2002, vor erst 16 Jahren, ließ Teamchef Hans Krankl den ersten in Wien geborenen türkischstämmigen Profi im Team debütieren – Volkan Kahraman.

Der heute 38-Jährige blieb dem Fußball treu, war bis Anfang dieses Jahres auch Trainer in der Regionalliga Ost. Und er engagierte sich auch politisch, kandidierte in Wien-Simmering für die ÖVP für den Nationalrat, und erhielt 266 Vorzugsstimmen. „Ich möchte dazu beitragen, dass das gegenseitige Verständnis wächst und wir uns mit Respekt und Akzeptanz begegnen“, sagt er zu seinen politischen Aktivitäten. Ein Jahr davor hatte er die Migrantenpartei „Gemeinsam für Wien“ verlassen, die 2015 in drei Bezirksparlamente gewählt worden war.

In den 16 Jahren nach dem Kahraman-Debüt schafften es bis dato nur noch acht weitere Österreich-Türken ins Nationalteam. Muhammet Akagündüz, Cem Atan, Ümit Korkmaz, Yüksel Sariyar, Ekrem Dag, Yasin Pehlivan, Ramazan Özcan und Veli Kavlak. Derzeit gibt es keinen aktuellen Teamspieler – außer in den Nachwuchsauswahlen.

Franco Foda hatte in seinem letzten Teamkader mit Stankovic, Dragovic, Alaba, Zulj, Arnautovic und Alar sechs Österreicher mit Migrationshintergrund. Moritz Bauer hat einen österreichischen Vater, wurde in der Schweiz geboren und wuchs dort auf. Kevin Danso wurde in Österreich geboren, seine Eltern aus Ghana übersiedelten nach Großbritannien, als er sechs Jahre alt war.

Kritik an Kroatien-Fan

Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien gelten als Käfigkicker und werden weniger angefeindet. Aber auch diese Herkunft schützt vor Angriffen nicht. Die heute 32-jährige Mirna Jukic ist die erfolgreichste österreichische Schwimmerin. Als sie aber 2006 beim Davis Cup die Tennisspieler aus ihrer Heimat lautstark anfeuerte, war Schluss mit lustig. Ein Internetkommentar von damals mutet angesichts der aktuellen Hass-Postings fast schon harmlos an. Ein Mr. XXX schrieb damals: „Im Daviscup sitzt man dann und feuert im kroatischen Sektor Kroatien an .... bei der nächsten Schwimm-WM ist sie dann wieder gerührt bei der österreichischen Hymne ... Heuchelei!“ Mirna Jukic verließ 1991 wegen des Kriegs ihre Heimatstadt Vukovar, 1999 übersiedelte die Familie aus Zagreb nach Wien, Mirna wurde 2000 Österreicherin.