Sport
19.08.2018

Kampf, Leidenschaft, Tränen: Highlights aus dem Daviscup

Nach 118 Jahren geht mit einer Reform eine Ära zu Ende. Der KURIER blickt auf die besten Momente zurück.

„R.I.P.“ posteten die einen Stars, „man hat eine Tradition umgebracht“ andere. Der herkömmliche Daviscup hat nach dieser Saison ausgedient. Auch für Österreich wird das Weltgruppen-Relegationsspiel gegen Australien im September in Graz das letzte Länderspiel sein, bei dem im alten Modus gespielt wird (auch in der Weltgruppe wird dann nur noch auf zwei Gewinnsätze gespielt). Zeit, um (auch mit der rot-weiß-roten Brille) auf legendäre Matches in einem Bewerb zurückzublicken, der nach 118 Jahren ausgedient hat.

Juli 1987, Relegation in Hartford: USADeutschland 2:3. Boris BeckerJohn McEnroe 4:6, 15:13, 8:10, 6:2, 6:2.

Gingen legendäre Boxkämpfe mit Titeln wie „Rumble in the Jungle“ oder „Fight of the Century“ in die Geschichte ein, so trägt der Fight zwischen Altstar John McEnroe und Boris Becker den Namen „Schlacht von Hartford“. Nicht im Finale, sondern in der Relegation, in der es um den Klassenerhalt ging. Die Deutschen führten 1:0, als sich die beiden Topstars einen 6:21-Stunden-Fight lieferten. McEnroe wurde extra für dieses Duell für den Daviscup reaktiviert, in den ersten drei Sätzen (6:4, 13:15, 10:8, damals gab’s keinen Tie-Break) bot das Spiel alles, was Daviscup ausmacht: Kampf, Enthusiasmus, aber auch Böses. McEnroe pushte sich immer wieder, schrie mit sich und dem Schiedsrichter („You can’t be serious“ fiel auch damals), und verbrachte nach einem Doppelfehler einige Zeit im Schneidersitz. Becker ließ sich nicht beirren, McEnroe wurde müde und verlor die beiden restlichen Sätze 2:6. Am Ende siegten die Deutschen 3:2, weil Becker das entscheidende Spiel gegen Tim Mayotte in fünf Sätzen gewann. Becker sprach damals vom „schwierigsten Match meines Lebens“. Heute kritisiert er die Reform.

April 1989, Viertelfinale im Wiener Dusika-Stadion: Österreich – Schweden 2:3. Horst SkoffMats Wilander 6:7, 7:6, 1:6, 6:4, 9:7.

Österreich musste sich dank des überragenden Stefan Edberg als klarer Außenseiter geschlagen geben. Für den 2008 verstorbenen Horst Skoff brachte der Auftritt vor 6000 Fans im Dusika aber den Höhepunkt seiner Karriere. Der damals 20-jährige Kärntner schlug Mats Wilander, der im Jahr zuvor der überragende Spieler gewesen war, in einem historischen Duell 6:7, 7:6, 1:6, 6:4, 9:7. Mit 6:04 Stunden wurde es das bis dahin längste Daviscup-Match seit Einführung des Tie-Breaks. „Ein Traum wurde wahr“, jubelte Skoff, begleitet von „Horsti, Horsti“-Rufen.

September 1990, Semifinale im Wiener Praterstadion: Österreich USA 2:3. Thomas MusterAndre Agassi 6:2, 6:2, 7:6 (2).

2:1 hatten die Amerikaner vor dem letzten Tag geführt, als Thomas Muster nach Michael Chang auch Andre Agassi schlug. Und das klar: 6:2, 6:2, 7:6. „Ich habe wie eine Ballmaschine gespielt“, sagte Muster. Es war der Höhepunkt der Österreichischen Musketiere um Muster, Horst Skoff und Alex Antonitsch. 17.000 Fans standen Kopf. Skoff führte danach mit 2:0 Sätzen, ehe die Partie bei 2:1 wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste. In der Fortsetzung am Montag war Skoff chancenlos.

November 1995, Finale in Moskau: RusslandUSA 2:3. Pete SamprasAndrej Tschesnokow 3:6, 6:4, 6:3, 6:7, 6:4.

Die Russen legten den Amerikanern einen Aschenplatz auf, der nicht viel schneller war als ein Sandkasten im Kindergarten. Auf einem solchen hatte Tschesnokow im selben Jahr auch schon Michael Stich im Daviscup nach heroischem Kampf besiegt. Er kämpfte sich auch gegen Superstar Sampras immer wieder zurück, begleitet von den Schlachtrufen der Fans. Am Ende, nach 3:38 Stunden aufreibender Spielzeit, war Sampras am Ende. Der US-Star kollabierte und konnte von Krämpfen geplagt nicht mehr aufstehen. Am nächsten Tag siegte er im Doppel, am Abschlusstag im Einzel und wurde zum Helden für den Daviscup-Rekordsieger (32 Titel).

April 2018, Viertelfinale in Valencia: SpanienDeutschland 3:2. David FerrerPhilipp Kohlschreiber 7:6 (1), 3:6, 7:6 (4), 4:6, 7:5.

Auch heuer zeigte der Daviscup alle Facetten. 2:2 stand es im Viertelfinalspiel zwischen den favorisierten Spaniern um Rafael Nadal, als David Ferrer in seiner Heimatstadt gegen Philipp Kohlschreiber zum entscheidenden Einzel antreten musste. Der Deutsche war gegen den Spanier klarer Favorit, Ferrer konnte heuer kaum noch Erfolge feiern und wird seine Karriere demnächst beenden. Am Ende aber wurde der 36-Jährige noch ein letztes Mal in seiner Karriere zum Helden, er wurde nach seinem 4:52-Stunden-Marathon in der Stierkampf-Arena gefeiert wie ein Torero.