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Sport
08/08/2019

Vaduz in der EL-Quali: Im Fürstentum regiert König Fußball

Der Vorarlberger Manuel Sutter trifft in der Europa League-Qualifikation mit dem FC Vaduz auf Frankfurt.

von Christoph Geiler

Am Montag war’s dann endgültig vorbei mit der Beschaulichkeit. Das Fürstentum erweckt ja gerne einmal den Eindruck, dass dort die Uhren etwas langsamer gehen, aber plötzlich erlebte Liechtenstein eine Menschenansammlung, wie sie im sechstkleinsten Land der Welt so zuvor noch nie gesehen wurde. Nicht einmal vor einem Bankschalter.

Halb Liechtenstein befand sich in der Warteschlange, die sich 400 Meter lang vor dem Kassahäuschen des Rheinpark-Stadions zog. Wenn der kleine FC Vaduz in der Europa-League-Qualifikation gegen die große Eintracht aus Frankfurt antritt, dann geben sich selbst die Fußballmuffel aus dem Fürstentum die Kugel. „Die Zeichen stehen auf Fußballfest“, schreibt das Liechtensteiner Vaterland, die größte Tageszeitung des Fürstentums.

Begeisterung

„Hier ist gerade die Hölle los“, erzählt Manuel Sutter. Der österreichische Stürmer spielt schon die vierte Saison beim FC Vaduz, aber so eine Fußballbegeisterung hat er dort noch nie erlebt. Zum vierten Mal erst hat der erfolgreichste Verein aus Liechtenstein (47 Cupsiege) im Europacup zwei Runden überstanden. Nach dem Weiterkommen gegen Breidablik (Island) warfen die Vaduzer überraschend den ungarischen Vizemeister MOL Vidi FC aus dem Bewerb und haben nun ihren großen Auftritt gegen den Semifinalisten aus der Vorsaison, das Team von Adi Hütter.

In der Qualifikation zur Champions League saß Emir Dilaver bei Dinamo Zagreb beim 1:1 gegen Ferencvaros auf der Bank. In der Qualifikation zur Europa League spielt bei Vaduz neben Manuel Sutter auch Boris Prokopic. Christopher Drazan ist verletzt. Bei Gegner Frankfurt setzt Trainer Adi Hütter auf Martin Hinteregger.


Bei Suduva Marijampole (gegen Maccabi Tel Aviv) sind gleich drei Österreicher:  Michael Blauensteiner, Mihret Topcagic und Sandro Gotal.


Bei Schachtjor Soligorsk (gegen Torino) aus Weißrussland spielt Darko Bodul. Bei Malatyaspor (gegen Partizan Belgrad) ist Ahmed Ildiz, der sieben Jahre lang im Nachwuchs von Rapid gespielt hat. Der 22-Jährige ist der Bruder von Muhammed (28), der derzeit vereinslos ist.


Bei HNK Rijeka (gegen Aberdeen) spielt Alexander Gorgon.


Der 19-jährige Niederösterreicher Jonas Auer spielt seit Sommer bei Mlada Boleslav (gegen Steaua Bukarest) in Tschechien.


Bei Aris Saloniki (gegen Molde) ist der 20-jährige Fabian Ehmann Ersatztormann.


Bei Lok Plowdiw  (gegen Straßburg) ist der 23-jährige Steirer Edin Bahtic, der im Winter von Schwerin nach Bulgarien gegangen ist.


Armin Mujakic spielt bei Atromitos Athen,  ist gegen Legia Warschau aber nicht spielberechtigt.

Genuss

„Das werden für uns zwei Spiele zum Genießen“, weiß Manuel Sutter. Der 28-Jährige hat noch nie in einem ausverkauften Rheinpark-Stadion gespielt. Zu den Partien in der Challenge League (der zweithöchsten Schweizer Spielklasse), in der die Liechtensteiner am Ball sind, kommen meist nur 1500 Zuseher, für das Duell mit Eintracht Frankfurt hätte der Verein gut und gerne das Doppelte der erlaubten 6127 Eintrittskarten verkaufen können. „Ein Spiel dieser Größenordnung haben wir von Seiten des FC Vaduz noch nie ausgetragen“, sagt denn auch Pressesprecher Pascal Foser. Da auch massenhaft Anhänger aus Deutschland erwartet werden, hat die Liechtensteiner Polizei Unterstützung von Ostschweizer Kollegen angefordert.

Erfahrung

„Unser Heimspiel wird wahrscheinlich auch ein Auswärtsspiel“, glaubt Manuel Sutter, der heute bereits sein zwölftes Europacupmatch im Dress des FC Vaduz bestreiten darf. Auch wegen der regelmäßigen internationalen Auftritte hält es den Vorarlberger beim Klub aus Liechtenstein. Dass die Bezahlung vergleichsweise fürstlich ist und der 28-Jährige auch noch daheim in Dornbirn leben kann, ist ebenfalls kein Nachteil. „Ich muss halt immer den Reisepass dabei haben, wenn ich zum Training oder zu den Heimspielen fahre“, berichtet der ehemalige Nachwuchsnationalspieler, der 2009 zu m FC St. Gallen gewechselt war und heuer sein zehnjähriges Jubiläum im Schweizer Fußball feiert.

Zuversicht

Vor dem Duell mit den Frankfurt ern gibt sich Manuel Sutter freilich keinen Illusionen hin: „Der Aufstieg gegen die Ungarn war schon eine große Sensation, jetzt bräuchten wir ein riesiges Wunder.“ Allerdings wirkte die Eintracht bei ihren Pflichtsiegen gegen Flora Tallin (jeweils 2:1) auch nicht immer ganz sattelfest. Wie meint doch gleich Manuel Sutter: „Wenn das die Esten schaffen, warum sollte dann uns nicht auch ein Tor gelingen?“