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Sport
01/31/2020

Gegen alle Vorurteile: Quarterback Mahomes und der Super Bowl

Im Football-Finale am Sonntag steht der Spielmacher von den Kansas City Chiefs im Fokus.

von Günther Pavlovics

Der Quarterback ist im American Football der Spielmacher. Er ist normalerweise ein Held, ein General im Kampf um Raum- und Punktgewinn. Und er könnte der spielentscheidende Akteur beim Super Bowl am Sonntag werden, wenn in Miami die Kansas City Chiefs auf die San Francisco 49ers treffen.

Quarterbacks überleben die gröbsten Attacken, sind die größten Strategen, werfen und verteilen mit ihrem starken Arm die Bälle. Die Endzone ist ihr Ziel, der Touchdown ihre Absicht. Geht alles gut, ruft der Präsident an, wie damals bei Steve Young. Der hat in der Super Bowl 1995 sechs Bälle geworfen, die zu Touchdowns für San Francisco geführt haben. Direkt in der Kabine hat Bill Clinton ihn angerufen und ist am Telefon vor Young in die Knie gegangen.

Weiße Helden

Diese Helden sind aber in der Regel weiß. Der erste Schwarze, der ein NFL-Team aufs Feld führte, war Marlin Briscoe 1968 für die Denver Broncos. Und es ist erst zwei Jahre her, dass die New York Giants erstmals einen dunkelhäutigen Quarterback eingesetzt haben.

70 Prozent der NFL-Profis sind Afroamerikaner, mehr als 80 Prozent der Fans sind weiß. Die Klubs gehören ausnahmslos weißen Milliardären.

Klischees und Vorurteile

2017 ergab eine Studie in den USA, dass farbigen Athleten automatisch eine natürliche Stärke zugeschrieben wird. Weiße Sportler werden als intelligenter und bemühter wahrgenommen.

Patrick Mahomes ist schwarz und weiß. Sein Vater Pat, ein einstiger Baseballprofi, ist Afroamerikaner, seine Mutter Randi blond und weiß. Mahomes ist der Superstar des Super-Bowl-Sonntags. In der vergangenen Saison wurde er zum MVP gewählt, zum besten Spieler der Liga. Der 24-Jährige kann alles, rennen und werfen, und beides atemberaubend gut. „Kanonenarm“ wird er genannt. Mahomes ist das Gesicht der NFL und eines Trends: Geht die Ära der weißen Quarterbacks zu Ende?

Im Gegensatz zu Patrick Mahomes nennt San Franciscos Quarterback Jimmy Garoppolo schon zwei  Super-Bowl-Ringe sein Eigen. Beide hat er allerdings als Ersatzmann für Tom Brady bei den New England Patriots erhalten.

Aus dem Schatten der Legende ist der 28-Jährige auch in San Francisco noch nicht getreten. Garoppolo ist unaufgeregter und möglicherweise auch unspannender als Mahomes. Garoppolo, dessen Familie aus Italien stammt, ist nicht der Mann, der San Francisco die Spiele gewinnen muss. Im Conference-Finale gegen die Green Bay Packers (37:20) verzeichnete er durch das dominante Laufspiel seiner  49ers nur acht Passversuche und 77 Yards Raumgewinn – enorm niedrige Werte für einen Quarterback.

Doch Headcoach Kyle Shanahan spricht ihm das Vertrauen aus: „Jimmy soll sich niemals dafür entschuldigen müssen, wenn wir so gut mit dem Ball laufen.“  

Es gibt noch weitere schwarze Revolutionäre mit moderneren Angriffsmethoden, wie Russell Wilson von den Seattle Seahawks, Deshaun Watson von den Houston Texans, Cam Newton von den Carolina Panthers – aber vor allem Lamar Jackson von den Baltimore Ravens, der MVP dieser Saison. Keiner rennt mit dem Ball in der Hand los wie er, mit Haken und Finten. Einmal wie ein Hase, dann wieder wie eine Gazelle.

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Aber im Halbfinale hat er versagt, Favorit Baltimore schied aus, und es war Wasser auf die Mühlen der Traditionalisten und Rassisten, die schon immer sagten, dass Schwarze auf der Schlüsselposition im Football nichts verloren haben. Dass sie keine Strategen und Anführer seien und zu halsbrecherischen Verrücktheiten neigen.

Wie etwa Michael Vick. Der heute 39-Jährige galt bei den Atlanta Falcons als Trendsetter der „mobilen Quarterbacks“, bis er verhaftet und eingesperrt wurde als Drahtzieher illegaler Hundekämpfe.

Auch Colin Kaepernick ist raus aus dem Geschäft. Der Quarterback der 49ers weigerte sich 2016 als erster schwarzer Sportler während eines Trainingsspiels für die Nationalhymne aufzustehen. Sein Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt weitete sich sogar auf andere Länder aus. Er bekam nie wieder einen Job als Footballer.

Sein Nachfolger bei San Francisco heißt inzwischen Jimmy Garoppolo – ein Weißer (siehe unten). Tom Brady gibt es als alten, weißen Quarterback auch noch, aber er ist schon 42. Aaron Rodgers, der alternde Star der Green Bay Packers, hat zwar noch seinen lukrativen TV-Werbespot bei der „State Farm“-Versicherung. Allerdings muss er ihn teilen – mit Mahomes.

Mahomes ist der Hoffnungsträger der Chiefs, dass sie nach einem halben Jahrhundert wieder einmal den Super Bowl gewinnen. Eine Bloggerin schrieb: „Er ist der EINE. Der Versprochene. Der Brecher des Fluchs. Der Arm des Himmels.“

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