Geflüchtete iranische Kanutin gibt nun ihr Debüt für Österreich
Saman Soltani
Die gebürtige Iranerin Saman Soltani bestreitet diese Saison ihre Debütsaison als österreichische Flachwasser-Kanutin. 2022 als Flüchtling nach Wien gekommen, bestritt sie die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris als Athletin des Refugee-Teams des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und trat international als solche fristbedingt trotz ihrer im Dezember 2024 erfolgten Einbürgerung auch in der vergangenen Saison noch an. Nun greift sie aber für Rot-Weiß-Rot an.
"Das bedeutet sehr viel für mich", merkte Soltani auf APA-Anfrage an. "Es ist nicht nur ein neues Kapitel in meiner Karriere, sondern nach all dem, was ich durchgestanden habe, auch ein sehr emotionaler Moment." Sie fühle sich stolz und dankbar und sei sehr motiviert. "Ich möchte diese Gelegenheit nutzen." Los geht es beim Weltcup von Freitag bis Sonntag in Szeged, wo sie im Kajak-Einer über 200, 500, 1.000 und 5.000 m antritt. Der Grund für gleich vier Nennungen ist auch der Beginn der Olympia-Qualifikation in Ungarn für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles.
Mehr als zwei Jahre vor dem Event ist das sehr früh, basiert aber auf einem neuen System. In Rennen wie eben jenen im Weltcup werden Punkte für den nationalen Verband gesammelt, 2028 verläuft ein Teil der Quotenplatzvergabe über diese Reihung. Freilich wird es auch weiter direkte Quotenplätze über Weltmeisterschaften geben, und auch die Restquoten-Regatta ist als letzte Chance wieder eingeplant. Soltani ist aktuell auf oberster Ebene rot-weiß-rote Alleinunterhalterin, so wie bei den Männern der auch in Szeged (500, 1.000, 5.000 m) antretende Timon Maurer.
Olympia 2028 als großes Ziel
Soltani jedenfalls ist fest gewillt, es zu ihren zweiten Spielen zu schaffen. "Das ist das große Ziel. Zuerst liegt die Priorität auf der Qualifikation, und dann ist alles möglich." Den Traum von der Medaille in den Farben ihrer neuen Heimat hat die 29-Jährige unverändert: "Ich glaube wirklich, dass es möglich ist. Aber es erfordert Unterstützung, volles Engagement, Konstanz und kontinuierliche Verbesserung. Auf diesem Niveau sind die Unterschiede sehr klein, da zählt jedes Detail." Sie sei bereit, alles für ihr Ziel zu investieren. "Es geht nun um den nächsten Schritt."
Ihre Saisonvorbereitung mit der Arbeit an einer starken physischen und mentalen Basis sei sehr gut verlaufen. "Ich hatte in den Leistungstests sehr gute Ergebnisse." Innerösterreichische Siege in allen Disziplinen hätten ihr viel Selbstvertrauen gegeben. Eine Finalteilnahme bei einer internationalen Regatta in Mailand habe ihr gezeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sei. Als Test und Herausforderung für Körper und Geist hat Soltani im Herbst ihren ersten 70.3-Ironman absolviert. "Es hat mir sehr geholfen, zu lernen, über meine Grenzen zu gehen."
Fortschritt wichtiger als Ergebnisse
In Szeged und auch im weiteren Saisonverlauf sei ihr ein stetiger Fortschritt wichtiger als das Erreichen von Topergebnissen. Sie lasse sich auch nicht dadurch unter Druck setzen, dass nach Rücktritten wie von Roxana Lehaci und Viktoria Schwarz in ihrer Sportart die Hoffnungen in Rot-Weiß-Rot nun stärker auf ihr liegen. "Ich sehe es mehr als Motivation. Jeder hat seinen eigenen Weg. Ich respektiere, was sie geschafft haben, aber ich fokussiere mich auf meinen eigenen Weg. Ich will mich nicht vergleichen, aber mein Niveau heben und weiterentwickeln."
Der Krieg im Iran, in dem sie 25 Jahre gelebt hat, belaste sie freilich. "Es ist sehr hart und eine herausfordernde Zeit." Sie habe Schlafprobleme deswegen, worunter die Erholung leide. "Das ist nicht leicht und erfordert viel mentale Stärke", meinte Soltani. "Aber ich habe als Athletin gelernt, wie ich fokussiert bleiben und meine Energie in meine Leistung stecken kann." Die will sie nicht dem Zufall überlassen: "Bis ich nun österreichische Athletin geworden bin, hat es Jahre des Glaubens, der Disziplin und der Widerstandskraft gebraucht. Jeder Schritt hat mich geprägt."
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