© Stephan Boroviczeny

Sport
12/05/2011

Game over für Online-Poker

US-Behörden stoppten Internet-Spielplattformen. Zigtausende Kartenspieler bangen jetzt um ihr Geld - auch in Österreich.

von Johannes Weichhart

Plötzlich ging nichts mehr. Von einer Sekunde auf die andere. "Game over" hieß es Mitte April 2011 für Millionen Pokerspieler weltweit, als amerikanische Behörden den großen Internetseiten ("Pokerstars", "Full Tilt", "Absolutepoker") den Saft abdrehten. Grund: Den Managern dieser Plattformen wird illegales Glücksspiel und Geldwäsche vorgeworfen.

Während einige Seiten für europäische Spieler wieder zugänglich sind, bleibt "Full Tilt" (FTP) weiter geschlossen. Die Zocker kommen damit nicht mehr an ihr gewonnenes bzw. eingezahltes Geld heran. In Österreich, so schätzt man, könnten bis zu 100.000 Spieler betroffen sein. Die Schadenssumme geht in die Dollar-Millionen.

"Black Friday"

Ob die Zocker ihr Geld jemals wiedersehen werden, gilt als äußerst ungewiss. Denn fast täglich tauchen in der Welt des Internets neue Schauergeschichten auf, die die Gemeinde der Online-Gambler fassungslos zurücklässt. So heißt es etwa, die Eigentümer von "Full Tilt", darunter befinden sich auch weltweit bekannte Profis, hätten mehr als 440 Millionen Dollar in die eigene Tasche gesteckt. Der Tag, als die Plattformen stillgelegt wurden, ging als "Black Friday" (Schwarzer Freitag) in die Geschichte des Pokers ein.

"Es haben dadurch auch viele österreichische Spieler ihre Guthaben auf Full Tilt verloren. Personen mit kleineren Beträgen haben sich recht schnell damit abgefunden, dass sie dieses Geld nie wiedersehen werden. Je höher die Summe auf dem Onlinekonto, desto länger wird der Ärger der Betroffenen dauern. Die Hoffnung auf Auszahlung schwindet jedenfalls weltweit", sagt "PokerMagazin"-Herausgeber Stefan Roboch im Gespräch mit dem KURIER.

Opfer des Zusammenbruchs gibt es in Österreich jedenfalls genug. Wie etwa Josef Steinböck, der einen Pokershop in Wien betreibt. "Auch ich hatte ein Konto auf dieser Plattform und bin von den fehlenden Auszahlungen betroffen. Egal, wie die Zukunft von FTP nun aussehen wird, ich gehe davon aus, dieses Guthaben abschreiben zu müssen." Doch Steinböck spricht von Glück im Unglück: "Ich hatte zum Zeitpunkt des Shutdowns nur noch etwa 200 Dollar auf meinem Onlinekonto."

Illegal

Vor möglichen Sammelklagen aus Österreich brauchen sich die FTP-Manager jedenfalls nicht zu fürchten. Denn aus rein rechtlicher Sicht dürfte man bei uns in der virtuellen Welt gar nicht um Echtgeld spielen. Ausgenommen davon ist nur der heimische Anbieter "win2day". Ansonsten gilt laut Finanzministerium: "Das Bewerben sowie das Anbieten von ausländischen oder sonst illegalen Glücksspielen in Österreich, wie auch die Teilnahme an ausländischen Glücksspielen vom Inland aus ist - auch auf elektronischem Weg - nicht zulässig".

Allerdings fanden die Unternehmen nutzbare Schlupflöcher. Sie stellten ihre Server einfach in jenen Ländern auf, in denen die Rechtslage für sie deutlich günstiger ist.

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