Systemwechsel: Feldhofer will bei Rapid die Raute einüben

© Kurier/Jeff Mangione

Sport Fußball
01/11/2022

Zuerst Angela Merkel, jetzt Rapid: Warum sich die Raute durchsetzt

Wie in der Politik hat sie auch im Fußball ihren Platz gefunden: Trainer Feldhofer feilt bei Rapid an einem 4-4-2 mit Raute. Worauf es ankommen wird.

von Alexander Huber

In Berlin hat sich die Raute mit Angela Merkel verabschiedet. In Wien steht sie erst vor der Einführung. Jene Handhaltung, die von der früheren deutschen Kanzlerin zum Markenzeichen gemacht wurde, zeigt ein Viereck mit gleich langen Kanten.

Auf dem Fußballfeld ist die Raute seit einigen Jahren modern. Im englischsprachigen Raum „Diamond“ genannt, steht sie für die Anordnung der vier Mittelfeldspieler: Vor der vierköpfigen Abwehr ist ebenso wie hinter den beiden Spitzen ein zentraler Spieler positioniert, dazu kommen links und rechts zwei Kicker auf den beiden „Halbpositionen“.

System der Top-Teams

Salzburg-Trainer Jaissle vertraut ebenso darauf wie Sturm-Coach Ilzer und WAC-Trainer Dutt. Nur ein Zufall, dass damit die aktuellen Top 3 der Bundesliga auf dieses etwas komplizierter zu spielende System setzen?

Ferdinand Feldhofer glaubt das nicht.

Der Rapid-Trainer hatte bereits beim WAC die Raute als eines von mehreren Systemen im Repertoire und will sie jetzt auch gerne den Rapidlern nahebringen.

Unter Vorgänger Didi Kühbauer gab es die Raute nur eineinhalb Spiele lang: beim 1:0 gegen Mattersburg in seinem ersten Ligaspiel im Oktober 2018 und dem folgenden 0:3 in Hartberg – bis zur Pause.

Fliegender Wechsel

Laut KURIER-Informationen ist geplant, während der aktuellen Vorbereitung vor allem zwei Systeme, die entsprechenden Inhalte und ihre fließenden Übergänge zu üben: das bei Rapid seit vielen Jahren übliche 4-2-3-1 und das 4-4-2 mit Raute.

„Ich will, dass wir taktisch flexibel agieren können, möglichst auch in mehreren Systemen“, erklärt Feldhofer.

Der Steirer stellt sich darauf ein, dass nicht alle Details nach wenigen Einheiten funktionieren. „Das wird ein längerer Prozess, aber in einem Profiteam ist jedes System erlernbar.“ Feldhofer ist überzeugt, dass ihm die künftig stärkere Verbindung mit der Nachwuchsabteilung entgegenkommen wird: „In der Akademie wird teilweise mit Raute gespielt, auch Rapid II hat sie gespielt.“ Das war unter Steffen Hofmann im Frühjahr 2021 so.

Abstimmung mit Kulovits

Der neue Rapid-II-Trainer Stefan Kulovits steht wie Feldhofer für „dominanten, nach vorne orientierten Fußball“ und wird mit ihm die Details der künftigen Spielanlage besprechen.

Welche sind die Besonderheiten der Raute?

1.) Es gibt in der Offensive keine klassischen Flügel. Alle vier Mittelfeldspieler sind stärker auf das Zentrum fokussiert. Bei Rapid scheinen einige Spieler wie geschaffen dafür, etwa Robert Ljubicic für die Position halb links.

Aber auch ein Luxusproblem droht: Flügel Marco Grüll muss entweder sein Spiel umstellen oder als eine der beiden Spitzen nach vorne rücken. Aktuell sind Ercan Kara und Taxi Fountas noch in Wien, und somit würde es für drei der Topspieler von Rapid nur noch zwei Positionen in der Startelf geben.

Fußball, Admira - Rapid

2.) Die beiden Außenverteidiger müssen an der Linie ein enorm großes Feld beackern und offensiv denken, um sich bei den Angriffen frühzeitig einbinden zu können. Das sollte dem aufstrebenden Linksverteidiger Jonas Auer entgegenkommen.

3.) Der alleinige Sechser vor der Abwehr muss mit der Rolle eines Schlüsselspielers umgehen können und sowohl taktisch als auch körperlich voll da sein – so wie Jon Gorenc Stankovic bei Sturm. Feldhofer traut auch dem zuletzt als Abwehrchef überragenden Emanuel Aiwu diese Rolle zu.

4.) Um die Vorteile der Raute ausspielen zu können, muss ein topfittes Team stets kompakt bleiben, wie bei Merkels Handhaltung sind die Abstände konstant zu halten.

Die Zeit drängt

„Man muss auch die Spieler dafür haben“, weiß Feldhofer. Sollte es bis nach der Rückkehr aus dem Trainingslager nicht so aussehen, als würden die Grünen auf einen grünen Zweig kommen, kann die Raute auch aufgeschoben werden.

Bereits am 5. Februar geht es mit dem Cup-Viertelfinale gegen Hartberg weiter.

Der danach folgende Kampf um die Top 6 und damit den Einzug in die Meistergruppe ermöglicht keine lange Probierphase. Spätestens mit den vielen anstehenden Transfers für die kommende Saison wäre Rapid dann bereit für die Raute.

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