Debüt gegen die Austria: „Nur Rapid wäre schöner gewesen“
Daniel Seper
Der Regionalligist Wiener Sport-Club bittet den Rekordcupsieger Austria in der ersten Cup-Runde zum Tanz (18 Uhr/live auf ORF 1). Das neue Stadion in Dornbach ist längst ausverkauft – ein würdiger Rahmen für das erste Pflichtspiel unter Daniel Seper. Nach sechs Jahren bei Rapid versucht sich der Burgenländer erstmals als Cheftrainer und soll den Sport-Club in eine glorreiche Zukunft führen.
KURIER: Sie sind neu beim Verein, der Sport-Club ist Ihre erste Station als Cheftrainer – und im ersten Pflichtspiel geht’s gleich gegen die Austria. Was haben Sie sich bei der Auslosung gedacht?
Daniel Seper (35): Ich habe mich extrem gefreut. Nicht nur, weil Stephan Helm ein sehr guter Freund von mir ist, sondern auch, weil es eine richtig coole Herausforderung ist. Noch eine Spur schöner wäre nur Rapid gewesen, weil ich dort gearbeitet habe.
Was erwarten Sie sich vom Spiel, ab wann wären Sie zufrieden?
Das darf man nicht nur am Ergebnis festmachen. Zu gewinnen, das wäre natürlich überragend. Wir wollen der Austria das Leben so schwer wie möglich machen. Wenn die Leistung passt, kann man nach so einem Spiel auch bei einer Niederlage erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Aber man darf träumen. Wenn wir unser Spiel auf den Platz kriegen, ist es für den Bundesligisten immer schwer – vor allem nach einer Europacup-Reise. Das habe ich auch meinen Spielern gesagt. Der Glaube ist da.
Sie waren schon als Spieler beim Sport-Club. Ist es ein Heimkommen?
Ja, definitiv. Für mich schließt sich der Kreis. Vor knapp zehn Jahren bin ich als Kapitän gegangen. Damals war es nicht absehbar, dass ich so zurückkehren werde. Es ist eine coole Herausforderung und für meine persönliche Entwicklung sicher ein guter Schritt. Auch wenn es „nur“ in der Regionalliga ist.
Sie kehren ja auch in Ihren Beruf als Lehrer zurück …
Genau. Ich habe den Sport-Club damals verlassen, weil ich mit meinem Studium fertig war und die Möglichkeit bekommen habe, zu Hause im Burgenland als Lehrer zu arbeiten. Ich habe Sport und Geschichte unterrichtet am Gymnasium Oberschützen. Zusätzlich habe ich auch eine Ausbildung im Fach Konfliktmanagement gemacht, das hab ich dann auch unterrichtet. Die letzten sechs Jahre war ich karenziert, weil ich bei Rapid war. Aber ab September geht’s zurück in die Schule.
2020 hat Sie Didi Kühbauer als Videoanalyst zu Rapid geholt, Sie waren danach dort auch Co-Trainer unter Robert Klauß, Zoran Barisic und Peter Stöger. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Es war eine Riesenehre, unter diesen Trainerlegenden arbeiten zu können, ich durfte jeden Tag etwas lernen. Nicht nur von den Cheftrainern. Ich bin auf der Bank neben Jürgen Macho gesessen, auch von Thomas Hickersberger habe ich viel gelernt. Ich habe auf allen Ebenen so viel mitnehmen können. Sechs Jahre lang habe ich den Rucksack vollgepackt, jetzt kann ich ihn auspacken und die gelernten Sachen anwenden.
Es hat bei Rapid aber auch ein nicht so schönes Kapitel gegeben. Sie sind auf einem Video zu sehen, wie Sie mit anderen nach einem Derbysieg beleidigende Fangesänge zum Besten geben. Wie stehen Sie heute dazu?
Das war natürlich ein Blödsinn, der so nicht passieren hätte dürfen. Wir haben damals zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder ein Heim-Derby gewonnen. Ich war für die Standards zuständig und eine Variante ist voll aufgegangen. Das war alles sehr emotional, was aber keine Entschuldigung sein darf. Es war eine Dummheit, für die bin ich gesperrt worden. Punkt. Was ich aber schon betonen möchte: Ich habe weder etwas Rassistisches noch etwas Sexistisches gesagt. Ich wurde verurteilt, weil ich den Fair-Play-Gedanken verletzt habe.
Wie ist für Sie der Wechsel von der Bundesliga zurück in die Regionalliga?
Bei Rapid war schon alles professioneller. In der Regionalliga ist es anders – wobei ich sagen muss, dass hier wirklich alle sehr bemüht sind. Ich kenne beide Welten. Als Spieler hab ich die Amateur-Welt kennengelernt, in den letzten sechs Jahren die Profi-Ebene. Ich kann die Dinge gut einschätzen, von einem Kulturschock bin ich daher weit weg.
In den letzten beiden Testspielen gab es hohe Siege, dazu hat sich der Sport-Club teilweise namhaft verstärkt. Können das die Konkurrenten in der Regionalliga Ost als Kampfansage auffassen?
Vor zwei, drei Monaten ist der Verein knapp vor dem Abstieg gestanden. Nur weil jetzt ein neues Stadion, ein neuer Trainer und ein paar neue Spieler da sind, heißt das nicht, dass wir jedes Spiel 5:0 gewinnen. Wir haben gute Transfers gemacht und sind auf einem guten Weg. Aber wir tun gut daran, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben. Unser Ziel ist es, eine stabilere und bessere Saison zu spielen als im Vorjahr.
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