Sport | Fußball
25.01.2012

Was Austria-Coach Vastic plant

Ivica Vastic erzählt, wie er auch ohne seine Topspieler gewinnen und damit weiter in der Liga-Spitze bleiben will.

Den ersten Abgang musste er schon verschmerzen: Dem einstigen Techniker Ivica Vastic kam der Techniker Nacer Barazite abhanden. Der Niederländer bestand in München den medizinischen Check und unterschrieb bei AS Monaco. Jetzt hofft Vastic im Trainingslager in der Türkei auf einen adäquaten Ersatz.

KURIER: Wie ist Ihre Bilanz nach den ersten Wochen als Cheftrainer? Wie erwartet?

Ivica Vastic: Ja, bis auf die Verletzung von Grünwald und den Abgang von Barazite. So etwas habe ich mir nicht vorgestellt.

Junuzovic könnte auch noch gehen. Wie schwer ist das für Sie persönlich?
Natürlich ist das nicht einfach, sollte der Sladdi auch noch gehen. Ich glaube und hoffe, dass er bis zum Sommer bleibt. Barazite und ihn kann man nur schwer ersetzen.

Wie sehr betrifft Sie das persönlich in der Arbeit?
Persönlich eher nicht, weil ich ja mit den vorhandenen Spielern arbeite. Dann werden eben andere ihre Chance bekommen. Der Kader hat Qualität. Aber natürlich haben Barazite und Junuzovic besondere Qualitäten.

Revidieren Sie dadurch Ihre Erwartungen ans Frühjahr?
Nein, die bleiben gleich. Meine Devise ist, das Maximum aus den Spielern und der Mannschaft herauszuholen. Und das wird auf alle Fälle eine interessante Herausforderung.

Sie streben einen Europacup-Platz an. Ist das nicht Tiefstapelei?
Ich staple nicht absichtlich tief. Es wäre falsch, den Titel zu fordern, wenn es immer noch Salzburg in der Liga gibt. Wir können auf den Titel spekulieren, wenn die Gegner Umfaller haben, so wie in den letzten Saisonen. Diese müssen wir ausnutzen. Sturm hat letztes Jahr auch niemand auf der Rechnung gehabt.

Die Austria muss noch Spieler einkaufen. Wie sehr reden Sie da mit?
Thomas Parits und ich führen darüber ständig Gespräche. Aber ich muss trainieren, er kann mehr telefonieren. Spieler gibt es jede Menge, die Schwierigkeit ist es, den richtigen zu holen, bei dem es auch finanziell passt. Egal, wer jetzt kommt – der braucht dann Zeit zum Akklimatisieren.

Wie soll die Austria unter Trainer Vastic spielen?
Die Spieler müssen clever agieren. Sie sollen wissen, wann sie sich zurückziehen müssen und zu welchem Zeitpunkt sie angreifen können. Ich will, dass sie ökonomischer und konkreter agieren. Mit Zug zum Tor. Und nicht mit zu vielen Kombinationen ihre Kräfte vergeuden.

Weniger Ballbesitz, dafür effektiver nach vorne?
Daran arbeiten wir. So leicht geht das ja nicht. Eine Austria bekommt in jedem Spiel genügend Torchancen. Die wichtigen müssen wir verwerten.

Ist der entscheidende Punkt bei der Austria das Umschalten von Defensive auf Offensive und umgekehrt?
Genau, im modernen Fußball ist es das Um und Auf. Du hast keine Zeit mehr, dich vorne über einen Fehler zu ärgern. Sonst begehst du hinten gleich den nächsten.

Schön spielen allein reicht bei Ivica Vastic nicht?
Ich will nicht in Schönheit sterben, nein. Ich will, dass wir so klar und konkret wie möglich spielen.

Beim Training spielen Sie immer wieder mit. Juckt es noch, oder ist dieses Kapitel abgeschlossen?
Das ist zu Ende, weil ich auch physisch nicht mehr mithalten könnte. Darum habe ich meine Karriere auch beendet. Alle meine Spieler sind schneller und stärker als ich. Aber ein bissl mitspielen macht Spaß.

Was würden Sie einem jungen Spieler in einem einzigen Satz für seine Karriere raten?
Er soll die richtige Einstellung haben. Die Einstellung zum Training, zum Spiel, zum Sieg, zur Niederlage. Und die Begeisterung für den Fußball.

Vor vier Jahren haben Sie noch bei der EURO gespielt. Hätten Sie sich damals gedacht, dass Sie heute Austria-Trainer sind?

Auf gar keinen Fall. Das zeigt wieder, dass man den Fußball nicht planen kann. Man muss offen sein für die Überraschungen des Lebens.

Haben Sie Angst vor dem Scheitern?
Nein, weil ich alles gebe.


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