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Die Fans brachten die Super League zu Fall.

© APA/AFP/ADRIAN DENNIS / ADRIAN DENNIS

Analyse
04/22/2021

Warum die Super League zu einem gigantischen Flop geworden ist

Zwölf Topklubs aus Europa gründeten eine Liga. Was nach einem Traum für jeden Fußball-Feinschmecker klingt, wurde zum Alptraum.

von Stephan Blumenschein

Ein Dutzend Topklubs aus Europa wollten den Fußball revolutionieren. Nur drei Tage nachdem sie das Projekt angekündigt haben, stehen die Gründer der Super League vor einem Scherbenhaufen von gigantischen Ausmaßen.

Nach heftigen Protesten der Fans, konkreten Ausschlussdrohungen durch den europäischen Verband UEFA und der nationalen Ligen, sowie scharfer Kritik von Politikern und den eigenen Spielern zogen sich nach den sechs englischen Gründungsmitgliedern am Mittwoch auch noch Inter Mailand, AC Milan und Atletico Madrid aus dem Projekt zurück.

FILE PHOTO: Metal figures of football players are seen in front of the words "European Super League" and the UEFA logo in this illustration

Nur Real Madrid, Juventus Turin und der FC Barcelona sind von den Revoluzzern (noch) geblieben. Warum wurde die Super League zum wohl größten Rohrkrepierer der Fußballgeschichte? Wer verhinderte die Konkurrenzliga zur Champions League?

  • Die Fans

„Die Stimmen und Sorgen der Fans auf der ganzen Welt waren mit Blick auf die Super League stark und klar“, begründete der AC Milan den Abschied aus der Super League.

Ähnlich argumentierten auch alle anderen Vereine, die sich zurück gezogen haben. Es war wohl ein Kardinalfehler, dass die Initiatoren nicht schon im Vorfeld mit ihren Fans abgeklärt hatten, ob sie so eine Liga überhaupt befürworten. Juve-Boss Agnelli und Real-Präsident Perez lagen einfach mit der Einschätzung falsch, dass die Zuschauer in den Stadien nur Spiele der allerbesten Fußballer sehen wollen.

Echten Fußball-Fans ist aber auch Anderes wichtig – etwa der Lokalkolorit, die Abwechslung, oder auch traditionelle Rivalitäten. Europacup-Spiele sind als seltene Highlight erwünscht, als Tagesprogramm will sie niemand. Die Ablehnung gegenüber der Super League verbindet Fan-Gruppen, die normal verfeindet sind. Niemand will in Europa US-amerikanische Verhältnisse – also geschlossene Profiligen.

Und wer die Videos der Hunderten jubelnden Chelsea-Fans vor dem Stadion Stamford Bridge gesehen hat, als bekannt wurde, dass sich ihr Verein aus der Super League verabschiedet, weiß, wie gigantisch die Ablehnung ist. Und das sollte auch der UEFA Warnung genug sein, die mit ihrer Champions-League-Reform in eine ähnliche Richtung geht.

  • Die Spieler

Die zwölf Revoluzzer hatten weder ihre Fans ins Super-League-Boot geholt, noch ihre Spieler und Trainer. Die extreme Verschwiegenheit auch gegenüber den wichtigsten Angestellten sollte sich schlussendlich als veritables Eigentor herausstellen. Der wortkarge Auftritt des sonst so redseligen Liverpool-Startrainers Jürgen Klopp, der vor dem Premier-League-Spiel am Montag gegen Leeds im TV-Interview zugeben musste, dass er nichts zum Thema sagen könne, weil er keine detaillierten Informationen hätte, wurde zum Synonym für das PR-Desaster.

Als sich dann auch einige Spieler der zwölf Klubs gegen das Projekt stellten, war das der Anfang vom Ende. Auch Liverpool-Kapitän Jordan Henderson positionierte sich eindeutig gegen die Super League und wurde zum Sprachrohr seiner Kollegen. „Wir mögen es nicht und wir wollen nicht, dass es so kommt. Das ist unsere gemeinsame Position“, schrieb der 30-Jährige  auf Twitter.

Viele Spieler fühlten sich offensichtlich in ihrer Fußballer-Ehre gekränkt. Dass ihre Vereine immer fix in der neue Liga dabei sein würden und keine sportliche Qualifikation nötig gewesen wäre, taugte vielen gar nicht.

  • Die Politik

Dass die UEFA alles andere als begeistert auf die Gründung der Super League reagieren würde, war zu erwarten. Immerhin ist die Champions League die große Cashcow des europäischen Verbandes, die Jahr für Jahr Milliarden einspielt. Und nicht immer belebt Konkurrenz das Geschäft.

Dass auch politische Schwergewichte wie  der britische Premierminister Johnson oder der französische Präsident Macron sich so explizit gegen das Projekt aussprachen, überraschte schon. Besonders Johnsons Ankündigung, wie in Deutschland die sogenannte 50+1-Regel einzuführen, die es Investoren unmöglich macht, einen Verein zu kontrollieren, traf die Besitzer der Premier-League-Klubs ins Mark. Ihr lukratives Geschäftsmodell wäre damit zu einem Auslaufmodell geworden.

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