Krankl (li.) verkürzte im Finale auf 1:2

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Rückblick
05/15/2020

Vor 35 Jahren: Das bittere Ende des Höhenflugs von Rapid

Am 15. Mai 1985 unterlag Rapid Everton 1:3. Der Weg ins Cup-der-Cupsieger-Finale ist geschichtsträchtig.

von Stephan Blumenschein, Florian Plavec

15. Mai 1985, Stadion De Kuip in Rotterdam: Rapid Wien trifft im Finale des Cup der Cupsieger auf den FC Everton. Was folgte, war die „bitterste Niederlage meiner Karriere“, wie der damalige Kapitän Hans Krankl einmal bekannte. Die ersatzgeschwächten Hütteldorfer waren chancenlos beim 1:3 gegen den kleineren Klub aus Liverpool, der damals aber ein Großer war. Die kämpferisch bravouröse Leistung brachte Rapid aber nicht nur im KURIER positive Kritiken ein.

Everton dominierte Mitte der 1980er mit Stars wie Neville Southall, Peter Reid. Graeme Sharp, Trevor Steven, Kevin Sheedy und Andy Gray zusammen mit dem Lokalrivalen FC Liverpool den englischen Fußball. Kurz vor dem Rapid-Spiel war man erstmals nach 15 Jahren Meister geworden, 1987 wurde das Kunststück wiederholt.

Und wären die englischen Klubs nicht wegen der Ausschreitungen der Liverpool-Fans beim Meistercup-Finale 1985 in Brüssel gegen Juventus, die 39 Menschenleben forderten, für fünf Jahre ausgeschlossen worden, hätte es in Europa vielleicht zu mehr gereicht als nur zum Triumph im Cup der Cupsieger, der 1999 abgeschafft wurde.

Für Rapids Kapitän war es heute vor 35 Jahren „ein schwacher Trost“, dass er ein Tor erzielen konnte. Krankl ist aber damit immerhin der Einzige, der bisher für einen österreichischen Klub in einem Europacup-Finale traf.

Zwei Skandale und ein Wunder

Das Endspiel in Rotterdam hatte also kein glückliches Ende für Rapid. Auf dem Weg in dieses wurde aber Fußball-Geschichte geschrieben. Zwei Skandalspiele und ein Wunder von Hütteldorf haben sich ins kollektive Rapid-Gedächtnis eingeprägt.

Dass in der 1. Runde Besiktas Istanbul nach einem 4:1-Heimsieg problemlos ausgeschaltet werden konnte, war noch so zu erwarten. Vereine aus Istanbul waren damals – anders als heute – für die Wiener Großklubs noch eher Laufkundschaft gewesen.

Im Achtelfinale wartete dann ein schon anderes Kaliber. Mit einem 3:1 im Gepäck war Rapid zum Rückspiel gegen Celtic gereist. Was sich dann in Glasgow just zu Beginn der Rapid-Viertelstunde abgespielt hat, wird wohl nie wirklich geklärt werden.

Auch der Hauptdarsteller kann wenig zur Aufklärung beitragen, „weil ich erst in der Kabine wieder munter geworden bin“, wie Rudi Weinhofer in einem KURIER-Interview erzählte. Was war passiert? Celtic führte 3:0 und stand mit einem Bein im Viertelfinale. Dann gab es auch noch einen Elfmeter für die Schotten. Doch plötzlich ging Weinhofer zu Boden.

Getroffen von einer Whisky-Flasche, wie die Rapid-Fans behaupten. Als Simulant, wie die Celtic-Anhänger überzeugt sind. Mit einem Turban verließ „Whisky-Rudi“, wie er seitdem genannt wird, den Celtic Park. Dieser verdeckte eine blutende Wunde. Viele Schotten sind noch immer überzeugt, dass ihm die Verletzung erst in der Kabine zugefügt wurde.

Wiederholungsspiel

19 Minuten war die Partie unterbrochen, danach wurde der Elfer verschossen. Das Spiel endete 3:0, Celtic wäre aufgestiegen. Da aber Rapid nicht mehr tauschen konnte und die Partie zu zehnt zu Ende spielen musste, setzte die UEFA in zweiter Instanz ein Wiederholungsspiel auf neutralem Boden an.

Und auch dieses Duell in Manchester hatte es in sich. Ein frühes Tor von Rapid (ohne den gesperrten Trainer Otto Baric) durch Peter Pacult heizte die aufgeheizte Stimmung im Old-Trafford-Stadion noch mehr an. Keeper Herbert Feurer wurde von einem Celtic-Fan körperlich attackiert, wehrte sich aber erfolgreich. Goldtorschütze Pacult wurde nach dem Schlusspfiff auf dem Weg in die Stadionkatakomben niedergetreten. Am 1:0-Triumph änderte das aber alles nichts.

Im Viertelfinale folgte ein sportliches Wunder. 0:3 hatte Rapid das Hinspiel in Dresden verloren. Bei den Fans war die Hoffnung auf den Aufstieg geschwunden. Ziemlich leer war das Hanappi-Stadion zu Spielbeginn. Mit jedem Tor, das Rapid schoss, wurde es voller. Am Ende stand ein 5:0-Kantersieg.

Das Halbfinale gegen Dinamo Moskau war dann weniger aufregend. Ein 3:1-Heimsieg und ein 1:1 in der russischen Hauptstadt brachte Rapid schlussendlich erstmals in der Vereinsgeschichte in ein europäisches Finale.

Dieses fand auch Berücksichtigung in der BBC-Serie „MATCH OF THE 80'S“. Dort ist im Insert allerdings zu lesen „Final Score: Everton 3 Austria Vienna 1“. Und diese Verwechslung ist für alle Rapidler wohl auch bitter.