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© APA/AFP/LLUIS GENE / LLUIS GENE

Sport Fußball
05/10/2021

Unicef, Katar und Co: Als das Barca-Trikot seine Unschuld verlor

Vor 15 Jahren spielte der FC Barcelona zum letzten Mal ohne Sponsor auf der Brust, heute bekommen die Katalanen dafür 54 Millionen Euro.

17. Mai 2006, FC Barcelona besiegt im Champions-League-Finale Arsenal 2:1. Samuel Eto’o lief nach dem Ausgleich mit ausgestreckten Armen, dann nahm er den Saum seines Leiberls und schüttelte es. Das Trikot war rot-blau gestreift und hatte nur das Barcelona-Klubwappen auf der Brust und das Logo von Ausrüster Nike.

Es sollte der Abend sein, an dem der Fußball seine ökonomische Unschuld, sein letztes fußballromantisches Feigenblatt verlor. Auf den gelben Trikots von Arsenal war „O2“ gedruckt, das Logo eines Mobilfunkanbieters, der damals sechs Millionen Pfund pro Jahr zahlte.

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Barcelona bekam für die breite, aber unbedruckte, Brust nichts. 107 Jahre lang hatten die Katalanen dem Kapitalismus erfolgreich Widerstand geleistet, doch immer mehr Geld floss in den Fußball, der Wettbewerbsnachteil ohne Trikotsponsor wäre immer größer geworden. Nun ging es darum, die Romantiker zu besänftigen, einen Aufruhr gegen den Verkauf der Brust zu verhindern.

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Barcelona führte die Fans behutsam an kommerzielles Sponsoring heran. Begonnen hat der sanfte Bruch mit der Tradition oder – je nach Sichtweise – der erste Schritt in die Moderne in der Saison nach dem Champions-League-Sieg auf ungewöhnliche Weise: Barcelona spielte ab Sommer 2006 mit Unicef als Trikotsponsor.

Unicef kostenlos

Das UN-Kinderhilfswerk zahlte kein Geld für die Werbung auf den weltbekannten Shirts. Im Gegenteil: 1,5 Millionen Euro spendete der Verein jährlich an Unicef. Von nun an konnten sich die Fans an einen Schriftzug auf den Leiberln gewöhnen. Noch heute wird Barcelona für Unicef, allerdings auf dem Rücken.

FC Barcelona vs Viktoria Pilsen

Die wertvolle Vorderseite ging 2011 an die Qatar Foundation – eine Organisation, die ebenfalls gemeinnützig arbeitet und Bildungsprojekte im arabischen Raum finanziert. Eine Art Unicef zwei – auf den ersten Blick. In Wirklichkeit war es mit einer Summe von 30 Millionen Euro pro Saison der damals höchstdotierte Trikotsponsoringvertrag im Profifußball. Die Rechnung zahlte Qatar Sports Investment (QSI), eine eng mit dem Königshaus von Katar verflochtene Holding. Wenige Wochen vor dem Deal hatte Katar den Zuschlag zur WM 2022 erhalten. Barca-Trainer Pep Guardiola hatte dafür als WM-Botschafter geworden.

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Klublegende Johan Cruyff war erzürnt: „Die Entscheidung unser Trikot zu verkaufen zeigt, dass wir nicht mehr kreativ, sondern vulgär geworden sind.“ Lautet doch das Motto des Vereins „Més que un club“. Mehr als ein Verein will man sein, mehr als ein stinknormaler Verein, der seine Tradition und Brust verkauft. Der Druck der Fans wurde so groß, dass der damalige Klubpräsident Sandro Rosell die Mitglieder des Vereins vor die Wahl stellte. Geld oder Tradition.

Real Madrid: Emirates (VAE/Flug) 68,5 Millionen Euro
Manchester United: TeamViewer (GER/Software) 54 
Barcelona: Rakuten (JAP/Online) 54
Paris SG: Accor (FRA/Hotelkette) 47
Arsenal: Emirates (VAE/Fluglinie) 46
Liverpool: Standard Chartered  (GB/Bank) 46
Chelsea: Three (CHINA/Mobilfunk) 46
Juventus Turin: Jeep (USA/Automobile) 44
Bayern München: Deutsche Telekom (GER) 30

Quelle: Forbes

Katar umstritten

2013 ersetzte „Airways“ die „Foundation“. Was blieb, was das Geld aus Katar und die anhaltende Kritik der Fans. Die richtete sich vor allem gegen den umstrittenen Golfstaat und die dortige Menschenrechtssituation.

2017 setzte sich Barca ab von Katar. Das japanische E-Commerce-Unternehmen Rakuten wurde für die vier Spielzeiten bis 2021 für umgerechnet je 54 Millionen Euro im Jahr Trikotsponsor. Mittlerweile wurde der Deal um ein Jahr verlängert. Die Verhandlungen haben bei einem von Verteidiger Gerard Piqué 2015 in San Francisco organisierten Dinner begonnen. Piqué und seine Frau, Pop-Ikone Shakira, sind mit Rakuten-Chef Hiroshi Mikitani eng befreundet.

Auf den Spielern von Barcelona sind vier Schriftzüge zu sehen. Unicef auf dem Rücken, Nike auf den Stutzen, Rakuten auf der Brust. Und Beko auf dem Arm. Beko ist die internationale Hausgeräte-Marke der türkischen Arcelik-Gruppe. Die Türken zahlen für den Aufdruck auf Ärmeln und Trainingsleiberln 19 Millionen Euro im Jahr.

Damit haben die Leiberl in 15 Jahren eine Wertsteigerung von 73 Millionen Euro pro Jahr erfahren. Die Deals mit Rakuten und Beko enden nächsten Sommer. Und es wird ein beinhartes Duell werden, wer ab Sommer die teuerste Brust hat. Denn auch der Deal von Branchenprimus Real mit Emirates (68,5 Millionen im Jahr) läuft aus.

Das erste klassische Trikotsponsoring in der höchsten Spielklasse Österreichs gab es bei der Wiener Austria, die in der Saison 1966/67 mit dem Logo der Brauerei Schwechat für Schwechater Bier warben.

Am 24. März 1973 lief in Deutschland Eintracht Braunschweig als erstes Team mit einem Trikotsponsor ein (Jägermeister). Der erste Sponsor von Bayern München war der Trikotausrüster Adidas auf der Trikot-Vorderseite, bevor das 1978 durch den LKW-Hersteller Magirus Deutz ersetzt wurde. 

Der erste Klub in England mit einem „shirt deal“ war 1979 Liverpool mit der japanische Elektronikmarke Hitachi. Arsenal folgte 1981 mit JVC.

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