Sport | Fußball
03/24/2019

Trotz Fiasko mit Barnes: Der ÖFB gibt nicht auf

Österreichs Verband wird weiterhin im Ausland nach Spielern für das Nationalteam suchen.

Mit Einbürgerungen von potenziellen Teamspielern hat der ÖFB zuletzt nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht. Der Plan, Rapid-Kapitän Steffen Hofmann ins Nationalteam zu bringen, ging in die Hose, diverse Brasilianer schafften es aus verschiedenen Gründen nicht in die Auswahl und auch mit der Spielgenehmigung für den Deutschen Christian Lell klappte es nicht.

Zuletzt scheiterte die Einbürgerung von Ashley Barnes am Veto des Innenministeriums – sehr zum Leidwesen von Teamchef Franco Foda. Dennoch spricht sich der Deutsche dafür aus, weiter nach Fußballern mit österreichischen Wurzeln Ausschau zu halten. „Wenn jemand Bezug zu Österreich, die sportliche Qualität und die Möglichkeit hat, eingebürgert zu werden, warum sollte man darauf verzichten?“, fragte der ehemalige Sturm-Coach.

Foda wies darauf hin, dass diese Vorgehensweise etwa in Balkan-Staaten oder in der Türkei gang und gäbe sei. „Alle anderen Länder machen es auch, und man muss aufpassen, dass sie uns nicht überholen.“

Warnung

In diesem Zusammenhang befindet sich der ÖFB in einer prekären Situation: Viele hochtalentierte Spieler in den Nachwuchs-Nationalteams haben Migrationshintergrund und könnten daher den Verband wechseln. „Man muss auf der Hut sein und die Fühler ausstrecken, damit man nicht zu viele Spieler an andere Länder verliert“, warnte der Teamchef.

Passiert ist das etwa bei Sinan Bytyqi, der die Junioren-Auswahlen im ÖFB durchlief und sich dann für den Kosovo entschied, ehe er seine Karriere als 22-Jähriger wegen einer Herzerkrankung beenden musste. Der in Wien geborene und aufgewachsene Rapid-Verteidiger Mert Müldür spielte in Nachwuchs-Nationalteams der Türkei und bestritt auch schon zwei A-Testmatches. Dessen Klubkollege Dejan Ljubicic ist österreichischer U-21-Teamspieler, während sein ebenfalls in Wien geborener Bruder Robert zuletzt in die kroatische U-20-Auswahl einberufen wurde.

Der U-21-Internationale Arnel Jakupovic wurde schon vom bosnischen Verband kontaktiert, der Kosovo und Albanien zeigen Interesse am von Innsbruck zu Salzburg transferierten Albert Vallci. ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel weiß um die Gefahr, dass Spieler abgeworben werden könnten: „Man muss sich dessen bewusst sein, dass man jemanden jahrelang fördert und der dann sagt, ich spiele für ein anderes Land.“

Um dieses Szenario zu verhindern, suchen Schöttel und Foda regelmäßig das Gespräch mit den betreffenden Kandidaten – zum einen, um ihnen den Verbleib beim ÖFB schmackhaft zu machen, zum anderen, um ihnen ein Feedback über ihre Chancen auf eine A-Team-Einberufung zu vermitteln.

Eine Möglichkeit gäbe es, Verbandswechsel zu verhindern: Der Spieler müsste einen Pflichtspiel-Einsatz auf A-Team-Ebene absolvieren. Für Foda kommt es aber nicht infrage, Teenager ohne Nationalteam-Niveau in Bewerbsmatches zu bringen, um sie an den ÖFB zu binden. „Andere Verbände setzen Spieler drei Minuten ein, damit sie für kein anderes Land mehr spielen können. Aber das ist nicht meine Intention, weil man ihnen dadurch die Möglichkeit verbaut, für ein anderes Land zu spielen, wenn sie nicht die Qualität für das österreichische Team haben.“

Außerdem meinte Foda zu diesem Thema: „Es macht keinen Sinn, einen 16-Jährigen ein paar Minuten einzusetzen und dann sieht man, wenn er 19 oder 20 ist, die Entwicklung stagniert und er schafft es nicht bei uns, hätte es aber vielleicht woanders geschafft.“

Mit derartigen Aktionen würden er als Trainer und der gesamte ÖFB an Glaubwürdigkeit verlieren. „Wenn ich so etwas machen würde, dann nur, wenn ich zu 100 Prozent davon überzeugt bin, dass dieser Spieler langfristig im Nationalteam spielen kann. Alles andere wäre nicht fair, und ich könnte das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren“, erklärte Foda.

Youngster

Möglicherweise gibt es aber in nicht allzu ferner Zukunft doch einen Kicker, bei dem sich dieser Schritt auszahlen könnte: Der 15-jährige Yusuf Demir ist Leistungsträger im ÖFB-U-17-Team und trainiert teilweise schon mit den Rapid-Profis. Mit der U-19-Mannschaft der Hütteldorfer besiegte er im Jänner bei einem hochkarätig besetzten Hallenturnier unter anderem den FC Bayern, verlor erst im Finale gegen Liverpool und wurde zum besten Spieler gewählt.

Nicht nur prominente Klubs aus England und Italien sind an dem Stürmer interessiert, auch der türkische Verband ist auf Demir aufmerksam geworden. „Alle unsere Trainer reden ständig mit ihm. Wir können ihm nur vermitteln, dass wir an sein großes Potenzial glauben und auch daran, dass er einmal in der Nationalmannschaft spielen kann. Aber natürlich spielen seine Familie und sein Berater eine große Rolle“, sagte Schöttel.

Der Sportdirektor zeigte sich optimistisch, dass Demir dem heimischen Verband erhalten bleiben kann – so wie viele andere große Talente vor ihm. Einen echten Spitzenkicker hat der ÖFB noch nicht verloren: David Alaba, Marko Arnautovic und Aleksandar Dragovic entschieden sich alle für Österreich.