Französische Ballsaison: Robert Beric saß am Sonntag schon in St. Etienne auf der Tribüne.

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Transfer-Poker
08/31/2015

Rapid: Neustart mit Nervenkitzel

Beric ist in St. Etienne, die Einigung mit Rapid blieb aber auch am Sonntag aus.

von Alexander Huber

Seine letzte Chance war die entscheidende. Gegen Donezk köpfelte Robert Beric in der 90. Minute aus fünf Metern neben das Tor, das die Champions League fixiert hätte. Mit einem Sieg hätte Rapid 8,6 Millionen mehr verdient als in der Europa League, Beric die große Bühne genutzt, um sich für einen noch größeren Klub als St. Etienne zu empfehlen.

Der Poker, den Goalgetter mit dem Ziel Champions League noch zum Zuwarten zu überreden, wäre aufgegangen. Stattdessen gibt es – noch zusätzlich zum 2:4 gegen Mattersburg – Fan-Ärger über den drohenden Last-Minute-Abgang.

Hätte, könnte, sollte. Der Fußball lebt zwar vom Konjunktiv, er richtet sich aber nicht nach diesem.

Deshalb hat der Slowene, der so perfekt in das von Trainer Barisic entwickelte System passt, bereits den Medizin-Check absolviert. Danach saß er beim Heimspiel gegen Bastia (2:1) auf der Tribüne.

Allein: Beric gilt als offizieller Rapid-Spieler. Eigentlich sollten die letzten offenen Details zu lösen sein, weil es nicht um Millionen geht und Frankreichs "Grüne" den Stürmer unbedingt wollen. Doch ein Vertragsdetail will St. Etienne nicht erfüllen. "Ich sehe keinen Grund, warum ich unterschreiben soll, wenn unsere Forderungen nicht voll erfüllt werden. Beric ist weiterhin Rapidler", betont Müller Sonntagabend gegenüber dem KURIER.

Es wird also ein hitziger Montag – um 24 Uhr endet die Transferzeit. Und ob im Fall der Fälle noch ein Beric-Ersatz verpflichtet wird bzw. die Zeit dafür ausreicht, müsste ja auch entschieden werden. Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Präsident Krammer hatte das ultimative Transferverbot in Aussicht gestellt. Müller entschied sich in Absprache mit dem Trainerteam aber für den kulanteren Weg. Das ist nur logisch, wenn man die Arbeitsweise der sportlichen Leitung verfolgt. Schon bei einigen Einkäufen wurde mehr auf Gruppentauglichkeit als auf individuelles Können Wert gelegt. Barisic ist am Ende ein eingeschworenes Team lieber als ein herausragender Individualist, der sich nicht (mehr) dazugehörig fühlt.

Das mag romantisch klingen und könnte vielleicht die Türen zum absoluten Erfolg verschließen, ist aber einer der Hauptgründe, warum sich Rapid seit 2013 aus einer misslichen Lage wieder hocharbeiten konnte.

Die Strategie

Dazu kommt ein strategisches Interesse: Rapid will sich als Sprungbrett für starke Spieler etablieren, die einmal um sehr viel Geld in die großen Ligen verkauft werden können. So wie Basel. Da würde sich ein Transferverbot international schnell herumsprechen. Rapid würde den meist auf Transfers ausgerichteten Spielerberatern (damit ihren Klienten) nicht mehr sinnvolle Adresse sein.

Als Alternative gilt wie vom KURIER berichtet Matej Jelic. Verhandelt wird schon länger. Der 24-jährige Kroate hat bei Zilina in der Slowakei eine beeindruckende Torquote – aber er ist eher mit Terrence Boyd als mit Beric zu vergleichen. So wie der Ex-Rapidler hat der Kroate Zug zum Tor, einen guten Abschluss und wirft sich im Strafraum bedingungslos in jeden Ball. Die bei Beric unterschätzte Qualität des Ballhaltens und das In-Szene-setzen der Mitspieler kann Jelic aber (noch) nicht bieten.

"Wir sind in alle Richtungen aktiv. Es wird ein sehr intensiver Tag", sagt Müller.

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