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Sport Fußball
02/24/2019

Sturm-Trainer Mählich: „Attraktivität ist keine Pflicht“

KURIER-Interview: Roman Mählich spricht vor dem Frühjahrsstart über Ehrlichkeit, Erziehung und Spielsysteme.

von Alexander Huber

So stellt sich jeder Verein den Trainereffekt vor: Heiko Vogel musste nach nur einem Sieg in 14 Spielen gehen. Roman Mählich kam, musste bislang kein Gegentor hinnehmen und holte in vier Partien zehn Punkte.

Der neue Sturm-Trainer sorgte für defensive Stabilität und neues Selbstvertrauen bei Spielern wie etwa Thomas Schrammel („Es ist fantastisch, wie er sich reinhaut und vom ersten Tag an mitzieht“). Auch nach dem Verkauf von Teamspieler Peter Zulj an Anderlecht lobt Mählich den Kader des Tabellensechsten: „Er ist wirklich gut.“

Die erste Hürde zur Pflicht Meistergruppe heißt heute Mattersburg. Eine wichtige Rolle soll im Frühjahr Rückkehrer Ivan Ljubic spielen. Der zentrale Mittelfeldspieler glänzte unter Mählich in der zweiten Liga bei Wiener Neustadt und wurde im Herbst bei Hartberg noch einmal besser. „Ich hätte als Neustadt-Trainer schon gedacht, dass er im Sommer gleich zu Sturm gehen könnte“, erinnert sich Mählich.

Vor dem Frühjahrsstart (14.30 Uhr) spricht der 47-jährige Wiener im KURIER-Interview über Grundsätzliches.

KURIER: Schon wieder ein Trainer, der es nach Wiener Neustadt zu einem größeren Klub schafft. Ist dieser Verein das perfekte Sprungbrett?

Roman Mählich: Das ist gut möglich. Klar ist: Du hast in jeder Liga mit Menschen zu tun. Der Inhalt ist dann gar nicht so groß anders zwischen Regionalliga und Bundesliga. Ich glaube daran, dass es wichtig ist, wie du miteinander umgehst.

Einen großen Unterschied gibt es je nach Liga und Klub auf jeden Fall beim Interesse der Medien. Peter Stöger hat beschrieben, wie ihm die Zeit als KURIER-Kolumnist geholfen hat. Hat Ihnen die ORF-Tätigkeit als Trainer geholfen?

Wenn der Peter das so beschreibt, brauch’ ich nix hinzufügen, weil er ganz oben steht in meiner Achtung: Er ist ein Top-Mensch und -Trainer. Es ist heute als Trainer wichtig, sich zu präsentieren. Da geht es aber nicht nur um mich selbst.

Sondern?

Um die Botschaften für den Verein, die Fans, die Sponsoren. Es unterstützt mich, dass ich die andere Seite auch kenne.

Welche Blicke hat der ORF bei Ihnen geschärft?

Bei mir war es, dass ich mich intensiv mit Systemen und der Taktik beschäftigt habe. Das war mein Part beim ORF. Und das soll man dann auch rüberbringen. In einer verständlichen Sprache und in einer prägnanteren Art.

Wenn Sie weder Verein noch Spieler vorgegeben bekommen – hätten Sie ein Lieblingssystem und eines, das sie gar nicht spielen lassen wollen?

(denkt länger nach) Nein. Weil es immer mit den Spielern im Kader zu tun hat. Als Beispiel: Ein 3-5-2 mit zwei echten Spitzen kann sehr effektiv sein, ist aber ganz schwierig gut zu spielen.

Gibt es ein „leichtes“ System?

Nein, aber viele Akademiespieler wurden mit der Viererkette ausgebildet, auf der Grundlage kann man das als Trainer leichter spielen.

Wollen Sie das schöne Spiel, oder sehen Sie es pragmatisch, dass ein dreckiges 1:0 auch drei Punkte bringt?

Es gibt diese Statistik, dass ein Trainer im Schnitt nur noch 13 Monate im Amt ist. Was wird mir also am Anfang wichtig sein? Wenn ich bei Sturm nicht in den ersten Wochen liefere, können wir uns alle vorstellen, was dann passiert. Wir kennen diese romantischen Gedanken, was ein Trainer alles aufbauen kann.

Und in der Realität?

Werden nach ein paar Niederlagen alle unrund: die Besucher, die Medien, die Sponsoren. Dann werden auch der Sportdirektor oder der Fan-Block unrund, und am Ende kriegt es der Trainer ab. Attraktivität ist für mich keine Pflicht, ich muss liefern.

Sie sind ein Vertreter der 98er-Generation. Hat sich die Ansprache der Trainer seither verändert?

 

Die jungen Männer von heute sind anders aufgewachsen, sie wissen durch die sozialen Medien auch mehr. Viele sind besser informiert, vielleicht sind sie im Schnitt auch sensibler. Wir erziehen ja auch unsere Kinder anders. Ich will aber nicht zu philosophisch klingen.

Nur zu.

Die Erziehung ist weniger autoritär, deswegen ist auch der Umgang ein anderer geworden. Die Führung einer Gruppe hat an Bedeutung gewonnen, weil bei Taktik, System und Athletik so viel ausgereizt ist.

Hängt es auch damit zusammen, dass unzufriedene Spieler so schnell aus Verträgen rauskommen können?

Das würde ja bedeuten, dass ich versuchen muss, immer allen Spielern sympathisch zu sein.

Muss man nicht?

Nein, denn dafür müsste ich mich verstellen – und auch das durchschauen die Spieler sehr schnell.

Es bleibt also nur, authentisch und ehrlich zu sein?

Authentisch auf jeden Fall. Und ehrlich sollte man zueinander ohnehin sein. Wenn ein Trainer gerne betont, dass er so ehrlich ist, dann habe ich schon meine Zweifel: Warum muss er das denn betonen?

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