Der Marktführer: Der 49-jährige Portugiese Jorge Mendes vertritt Trainer Mourinho und Spieler wie Cristiano Ronaldo und Falcao (r.)

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Spieleragenten
12/03/2015

Spielerberater kassierten in England 185 Millionen im Jahr

Nicht nur die Stars profitieren vom Boom der englischen Premier League.

von Günther Pavlovics

Die Premier-League-Klubs haben bekannt gemacht, wie viel Geld sie in der Zeit von Oktober 2014 bis September 2015 an Spieler-Agenten entrichten mussten. Um umgerechnet 185 Millionen Euro wurden die Agenten in nur einem Jahr von nur 18 Klubs reicher. Liverpool zahlte über 20 Millionen Euro, Manchester United folgt mit 19,6, Manchester City mit 18,2 Millionen Euro.

Wer sind nun die Großverdiener im globalen Spielerhandel? Stanislas Frenkiel, Sporthistoriker an der Uni Lausanne, hat für ein Buch 400 Spielerberater interviewt. Er sagt: "Jorge Mendes ist in der Tat der mächtigste Spielerberater der Welt."

Der 49-jährige Portugiese zählt Trainer Jose Mourinho, die Spieler Falcao, Diego Costa, de Gea zu seinen Kunden. Und vor allem Cristiano Ronaldo. Von dem bekam Mendes im Sommer als Hochzeitsgeschenk eine griechische Insel. Jorge Mendes war im Sommer an Transfers in Höhe von 400 Millionen Euro beteiligt. Mendes war Halbprofi, DJ und Nachtklubbetreiber. Dort lernte er Nuno Espirito Santo kennen. Er vermittelte seinen Landsmann, der erst am Wochenende als Valencia-Trainer gefeuert wurde, 1997 als Spieler nach La Coruna. Seinen Goldesel Cristiano Ronaldo lernte er 2002 kennen, als der erst 17 Jahre alt war.

Pizzeria Raiola

Der zweite Promi-Berater in Europa ist Carmine "Mino" Raiola. Zlatan Ibrahimovic und Mario Balotelli sind die schillerndsten Kunden des Niederländers. Dessen erster Coup war 1996 der Wechsel von Pavel Nedved von Sparta Prag zu Lazio Rom. Raiolas Vater ging 1968 (kurz zuvor war Carmine in Salerno geboren worden) von Italien nach Haarlem, wo er 25 Lokale aufmachte. Dass er Pizzabäcker war, streitet Raiola ab. "Ich habe im Restaurant so ziemlich alles gemacht – gespült, gekellnert, nur eines nie: Pizza gebacken." In diesem Interview im deutschen Fußballmagazin 11Freunde, sagt er über seinen Konkurrenten Mendes: "Wir haben ein völlig unterschiedliches Verständnis von unserem Business. Mendes ist ein Investor, dessen Interesse der größtmögliche Profit ist. Mein Interesse gilt ausschließlich meinem Spieler. Ich bin Altruist, er ist Egoist. Ich kümmere mich um meine Spieler, Mendes kümmert sich um sich selbst."

Ibrahimovic wechselte sechs Mal den Klub um insgesamt 170 Millionen Euro. Nimmt man eine Provision von zehn Prozent an, dann ... Raiola sagte: "Vergessen Sie dieses Zehn-Prozent-Gerücht. Ich habe, wie gesagt, schon Transfers gratis abgewickelt und manchmal 50 Prozent kassiert."

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