Sport | Fußball 05.12.2011

Schwerer Stand für Manuel Neuer

Der deutsche Teamtormann erwartet keinen arbeitsreichen Abend, hofft aber auf einen netten Empfang in der alten Heimat.

Manuel Neuer darf erstens nie das Wappen auf dem Trikot küssen;

2. sein Trikot nicht in die Fankurve werfen;
3. nie mit dem Magafon die Fangesänge vorgeben;
4. sich nie vor die Mannschaft knien, um das "Humba"-Lied anzustimmen;
5. sich nicht der Südkurve nähern, wo die Ultras stehen.

So lauten die Vorgaben von fünf großen Fanklubs des FC Bayern. Jenes Klubs, der ihn im Sommer als neuen Tormann erworben hat. Die Bayern-Fans schrieben letztes Frühjahr auf Transparente "Koan Neuer". Jetzt haben sie dennoch "Oan Neuer", der nun seine nächste Prüfung bestehen muss. Allerdings in abgeschwächter Form bei einer ersten Rückkehr im neutralen Teamdress.

Keine Angst vor Schalke-Fans

Manuel Neuer erwartet gegen Österreich einen ruhigen Arbeitstag.
© Bild: apa

Wenn schon die Fans seines neuen Klubs so reagieren, was werden die Fans seines alten Vereins Schalke 04 dann machen? "Ich gehe davon aus, dass die deutschen Fans hinter der deutschen Mannschaft und dem deutschen Torhüter stehen", sagte er.

Manuel Neuer ist ein einfacher Bursch'. Wenn er sich in den Pressekonferenzen aufs Podium setzt, dann wirkt er so cool, dass man meinen möchte, er sei ein bisschen schüchtern. "Ich freue mich, dass ich meine Familie besuchen kann", sagte er zum Abstecher ins Ruhrgebiet.

Familiär

Die deutsche Nationalmannschaft spielt am Freitag gegen Österreich in Gelsenkirchen. Dort ist er im Stadtteil Buer aufgewachsen. "So an die 20 Karten habe ich für meine Familie und meine alten Freunde organisiert", sagt er. Schalke 04 heißt der Vorzeigeverein der Stadt. Dort hat er mit fünf Jahren mit dem Fußball begonnen. Und jetzt, 20 Jahre später, nehmen es ihm viele krumm, dass er nach München zu den Bayern gegangen ist.

Jens Lehmann wechselte einst von Schalke zu Dortmund, der wohl schlimmste Sündenfall im deutschen Fußball. "Da haben mich die Fans so richtig niedergemacht. Wenn du dem Druck standhalten kannst, die Konzentration aufrechterhalten kannst, dann bringt dich das richtig weiter", sagt Lehmann.

Revolutionär

Neuer gilt als hochtalentiert und als die Verkörperung des neuen Tormann-Stils schlechthin. In seinem Fahrwasser drängen Tormänner wie Zieler, Ter Stegen und Leno nach. Neuer ist ein Schlussmann, der beidbeinig ist, mitspielt und das Spiel eröffnen kann. Neuer zum Beispiel mit seinen präzisen und vor allem weiten Auswürfen, was auch an der Hebelwirkung dank seiner unglaublich langen Arme liegt. Oliver Kahn war für Neuer nie das große Vorbild. "Edwin van der Sar und Jens Lehmann waren meine zwei Idole. Beide haben einen Torwart-Stil, an dem ich mich orientiere, offensiv und mitspielend", sagte er.

Aber liegt nicht trotzdem der Schatten von Oliver Kahn noch länger über jedem Bayern-Tormann? "Das möchte ich so nicht beantworten", sagt Lehmann auf das heikle Thema seines großen Vorgängers angesprochen. "Bayern hat halt einen Schritt zu einem Torwart gemacht, der anders spielt."

Mit seinen 25 Jahren gilt er als eine der großen Tormannhoffnungen - weltweit sogar. Allerdings gesteht ihm Oliver Kahn das Gütesiegel "Weltklasse" noch nicht zu. "Da muss er über längere Zeit konstant spielen", sagte Neuers Vor-Vorgänger.

Jens Lehmann sieht ebenfalls noch Entwicklungspotenzial. Aber der langjährige Arsenal-Tormann stellt fest: "Weltweit ist er momentan in der Spitze. Wobei das Niveau momentan nicht so überragend ist."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011