Sport | Fußball 05.12.2011

Schuldenberge im spanischen Fußball

© Bild: reuters

Einst flossen in der Primera División Milch und Honig. Jetzt haben die Klubs Schulden, die Profis wollen streiken.

Während Barcelona und Real Madrid Millionen verdienen, sind schon fast die Hälfte der spanischen Fußball-Klubs insolvent. 50 Millionen Euro an Gehältern schulden die Vereine rund 200 Spielern. Die Spielergewerkschaft AFE droht, die ersten beiden Spieltage der Meisterschaft, die an diesem Wochenende beginnen soll, zu bestreiken. Bei der Ankündigung in einem Hotel in Madrid waren mehr als 100 Profis dabei, darunter Real-Star Casillas und Barcelona-Verteidiger Puyol. Die Solidarität der gut und rechtzeitig bezahlten Stars ist groß.

Mit ein Grund für die Misere ist das lasche spanische Konkursrecht. So können die Klubs den nach Liga-Statut vorgesehenen Zwangsabstieg vermeiden, wenn sie 50 Prozent der Schulden zahlen. Anders gesagt: Klubs können den Spielern die Hälfte des Gehaltes streichen und dürfen dennoch munter weitermachen.

Arme Profis

"Bei uns mussten einige Spieler ihre Autos verkaufen, um über die Runden zu kommen. Andere haben kein Geld fürs Benzin", erzählte David Aganzo, Stürmer von Rayo Vallecano. Sein Klub ging ebenso in Konkurs wie die beiden anderen Aufsteiger Betis Sevilla und Granada. Insgesamt haben schon mehr als 20 Vereine die finanzielle Reißleine gezogen.

Die Profi-Vereine drückt eine Schuldenlast von insgesamt fünf Milliarden Euro, mehr als 3,5 Milliarden Euro die 20 Vereine der obersten Liga. "Das Geschäftsmodell des Fußballs in Spanien ist nicht länger tragbar", meinte schon Ende des letzten Jahres das Magazin Interviu. Es verglich dabei die Liga mit dem großen Bau-Boom in Spanien, der vor zwei Jahren wie eine Blase geplatzt ist. Die spanischen Vereine leben schon lange über ihre Verhältnisse: Allein in der Saison 2009/'10 gab es Verluste von 733 Millionen Euro. Nur Barcelona und Real Madrid erzielten Gewinne. Die größten Gläubiger - noch vor den Spielern - sind das Finanzamt und die Sozialversicherung, denen die Vereine im Jahr 2008 632 Millionen Euro schuldeten.

Kritisierte Profis

Im krisengeschüttelten Spanien herrscht aber nicht immer Verständnis für den Streik der Millionäre. So stand in einem Leserbrief in El Mundo: "Wenn die Klubs ihre Schulden beim Finanzamt abbezahlen würden, würden die Gehälter der Stars ohnehin sinken. Doch die fordern lieber mehr Geld, als sich mit dem Rest der Spanier zu solidarisieren und den Fußball seine Schulden beim Staat begleichen zu lassen."

Eine der Ursachen der Misere liegt darin, dass Barcelona und Real Madrid den Großteil der TV-Gelder kassieren. Die kleineren Vereine verlangen seit Jahren eine gerechtere Aufteilung. Die Großen lehnen dies jedoch ab mit der Begründung, dass sie bei einer Kürzung ihrer TV-Einnahmen im Europacup an Konkurrenzfähigkeit einbüßen würden. Am Sonntag verfolgten mehr als sieben Millionen Spanier im TV das Supercup-Hinspiel zwischen Barcelona und Real - und beim Rückspiel am Mittwoch werden nicht viel weniger erwartet.

Bundesliga-Profis

Die Krise des spanischen Fußballs bescherte der österreichischen Liga einen Schwung an Kickern aus dem Land des Welt- und Europameisters. Nacho, Carril oder Guillem sind in der Bundesliga bei Ried längst etabliert und entstammen der dritten Liga. Zuletzt holte Zweitligist WAC/St. Andrä mit Jacobo einen Spieler aus dieser Liga. "Die Situation ist katastrophal", sagt er. Bei Alcala hatte er davor sieben Monate lang kein Gehalt mehr bekommen.

Der Ökonom Juan Francisco Corona plädiert für ein Eingreifen des europäischen Verbandes UEFA: "Die spanischen Instanzen sind nicht bereit, Sanktionen gegen überschuldete Vereine zu verhängen. Die Lösung muss von der UEFA kommen." Einen ersten Schritt gab es bereits: Im vorigen Sommer verweigerte die UEFA Mallorca aufgrund der prekären Finanzlage die Zulassung zur Europa League.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

  • Bilder

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011