Scheichs krempeln Europas Fußball um

Neues Gesicht: Alexis Sanchez präsentiert sich im Barcelona-Dress mit dem ersten Sponsor.
Foto: ap

Transfermarkt: 2022 findet die WM in Katar statt. Schon jetzt fließen Millionen Euro aus der Wüste nach Europa.

Scheich Tamim bin Hamad Al Thani ist 31 Jahre alt, hat zwei Frauen, vier Kinder und seit Kurzem einen Fußballklub in Frankreich.

Al Thani ist seit 2002 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, Kronprinz von Katar und hält über seine Firma "Qatar Sports" seit Ende Mai 70 Prozent an Paris St-Germain.

Tamim Al Thani spricht fließend Französisch und ist auch gut bekannt mit Nicolas Sarkozy, dem Präsidenten des Landes und bekennenden PSG-Fan. Tamim Al Thani gilt als treibende Kraft der offensiven Sportpolitik seines Landes, das die WM 2022 austragen darf. Aus Frankreich, Ausrichter der EURO 2016, kam dafür Unterstützung in der Form eines Zinédine Zidane.

Fußball-Märchen aus 1001 Nacht

Neues Gesicht: Alexis Sanchez präsentiert sich im Barcelona-Dress mit dem ersten Sponsor. Foto: ap Neues Gesicht: Alexis Sanchez präsentiert sich im Barcelona-Dress mit dem ersten Sponsor.

Die aktuellen Fußball-Märchen kommen fast alle aus 1001 Nacht. Der spanische Erstligist Getafe wurde im April von der Royal Emirates Group of Companies aus Dubai gekauft.

Hasan Ismaik hat im Sommer als erster arabischer Investor in den deutschen Fußball den TSV 1860 München mit seinem Einstieg gerettet. Ismaik ist in Kuwait geboren, in Saudi-Arabien in die Schule gegangen, in Jordanien und im Irak auf die Uni gegangen - und lebt jetzt in Abu Dhabi.

Aber es ist derzeit vor allem Katar, das den europäischen Fußball aufmischt. Beispiel Barcelona: Die "Qatar Foundation" ist der erste Dressensponsor beim momentan besten Klub der Welt, die dafür auch bezahlt. Fast 30 Millionen Euro pro Jahre bekommen die Katalanen aus der Wüste. Das Kinderhilfswerk UNICEF hatte die Fans an ein Logo auf der Barça-Brust gewöhnt, dafür aber Geld bekommen.

Spanischer Traum

Neues Gesicht: Alexis Sanchez präsentiert sich im Barcelona-Dress mit dem ersten Sponsor. Foto: ap Neues Gesicht: Alexis Sanchez präsentiert sich im Barcelona-Dress mit dem ersten Sponsor.

Schon vor einem Jahr wurde der FC Malaga verkauft. Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar zahlte 25 Millionen Euro. Eingefädelt wurde der Deal damals von Fernando Sanz, Sohn des ehemaligen Real-Präsidenten Lorenzo (er kaufte den Klub) und Schwager von Raúl und Michael Salgado.

Raúl sorgt derzeit in Deutschland für Aufregung, weil er angeblich von Schalke weg will. Er besuchte nicht nur seinen Schwager im Trainingslager in den Niederlanden, sondern auch andere alte Bekannte. Trainer von Malaga ist Ex-Real-Coach Pellegrini, eine Neuverpflichtung Ex-Real-Kollege Ruud van Nistelrooy. Abdullah Al Thani hat diesen Sommer auch noch Mathijsen, Toulalan, Cazorla und Joaquin geholt.

Tamim Al Thani hat Leonardo als Sportchef verpflichtet, der Brasilianer hat zuletzt Milan und Inter trainiert, war Mitte der 90er-Jahre auch Spieler in Paris. Angeblich darf dieser als Sportdirektor von PSG 150 Millionen Euro ausgeben, mehr als 80 sind schon weg. Da tat es doppelt weh, dass es zum Auftakt gegen Lorient eine 0:1-Heimpleite gab.

Die Hoffnungen ruhen nun auf den argentinischen Spielmacher Javier Pastore, der für 42 Millionen aus Palermo kommt. Noch nie hat ein französischer Klub mehr für einen Spieler bezahlt. Der bis dato teuerste Spieler des Sommer kostete eine Million mehr: Sergio Agüero kam von Atletico Madrid zu Manchester City, das seit drei Jahren Gelder aus einem Staatsfonds von Abu Dhabi ausgibt.

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(kurier) Erstellt am
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